Schon 2011 gemahnte das Ärzteblatt, die bisher angenommene Zahl von 400.000 bis 600.000 Infektionsfällen auf mindestens 700.000 anzuheben. Auch die Zahl der geschätzten Todesfälle in Höhe von (nachwievor Stand 2011) 7.500 bis 15.000 müsse nach oben korrigiert werden. Stattdessen sei mit bis zu 30.000 Todesfällen pro Jahr zu rechnen.

2011 wurde denn auch das Infektionsschutzgesetz verschärft und "strengere Regeln", die vom Land zu überwachen sind, aufgestellt. Z. B. galt für Chirurgen ab sofort, dass zwischen den Operationen die Handschuhe zu wechseln, Waschlappen, Infusionsschläuche und Spritzen nicht mehr pro Zimmer, sondern pro Person zu nutzen sind, und auch war Pflege- und Reinigungspersonal fortan angehalten, Putzutensilien nach der Reinigung von Blutungen oder Toilettenstühlen einmal über eine geöffnete Flasche Desinfektionsflüssigkeit zu halten, bevor Tische, Badezimmerarmaturen oder Treppengeländer mit selbigem einer Reinigung unterzogen wurden – was selbst in der Fleischindustrie als "nicht ganz korrekt" bezeichnet wird. Auch musste Erbrochenes noch am selben Tage vom Ort der "Übergabe" entfernt werden, und nicht wie bisher binnen Wochenfrist.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist derweil nur zu verständlich, dass Krankenhausbetreiber von überkandidelten Hygienevorschriften nicht begeistert sind, denn hier gilt seit jeher der Grundsatz: Was nicht tötet, härtet ab. Um ärztlichem wie Pflege- und Reinigungspersonal das Ignorieren von Hygienestandards zu erleichtern, halten Klinikbetreiber vielerorts die Entlohnung auf verhältnismäßig niedrigem Niveau und tragen zeitgleich via eines ausgefeilten Personalschlüssels Sorge für eine "betriebswirtschaftlich angemessene Auslastung." Den Rest erledigen Rechtsanwälte mittels des Aufsatzes von Behandlungsverträgen, die es dem Klinikbetreiber im Falle eines Falles gestatten, auf ausdrücklich genannte und per Unterschrift akzeptierte Risiken der Behandlung in ihrem Hause zu verweisen und sich damit weitestgehend schadlos halten zu können. Ein rechtssicheres Schulterzucken kostet nichts, bzw. deutlich weniger als ein angemessener Schadensersatz.

Auch das zuständige Bundesministerium für Gesundheitheit – derzeit unter der Ägide von Jens Spahn – sieht die Dinge nicht so dramatisch und wirbt mittels eines Aufklärungsbuches für Verständnis für Infektionen durch multiresistente Keime in deutschen Krankenhäusern, und sucht letalen Lapalien den Schrecken zu nehmen:

Multiresistente Krankenhauskeime & Du: Aufklärungsbuch des Bundesministeriums für Gesundheit – mit einem Grußwort von Jens Spahn

Multiresistente Krankenhauskeime & Du: Aufklärungsbuch des Bundesministeriums für Gesundheit – mit einem Grußwort von Jens Spahn

Der Interessenverband deutscher Krankenhauskeime (IDKK), welcher im Gegensatz zum üblichen deutschen Handwerk keinerlei Nachwuchssorgen vorzutragen weiß, bemängelt nunmehr, dass tatsächliche Leistungen vielerorts freiberuflich und selbständig tätiger Krankenhauskeime nicht vollständig oder gar bewusst zu deren Nachteil verfälscht oder komplett unterschlagen werden. Denn schon 2014 erhöhte sich die Zahl von 30.000 auf 40.000 Todesfälle, derweil von offizieller Seite – bis heute – lediglich von 15.000 Todesfällen die Rede ist – Zahlen, die der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Klaus-Dieter Zastrow, als "im Sinne der Krankenhauslobby geschönt und längst überholt" bezeichnet.

Krankenhauskeime

Mangelnde Anerkennung und berufliche Herausforderung: Krankenhauskeim

Über dies beklagt der IDKK eine zunehmende Abnahme der beruflichen Herausforderung. Schon jetzt hätten 78% der deutschen Krankenhauskeime innerlich gekündigt, nicht wenige suchen die berufliche Herausforderung in den Niederlanden, und schon seit längerem erwartet man diesbezüglich und hierzulande z. B. den Einsatz von Kupfer oder Kupferbeschichtungen (beispielsweise im Rahmen der Verwendung bei Türklinken, Treppengeländern, Bad- und Toilettenarmaturen oder Behandlungs- sowie Reinigungsoberflächen) oder gar mehr Personal, um den leidlich routinierten Job auch für Berufseinsteiger wieder etwas interessanter gestalten zu können. Vergeblich.

Der Bundestag scheint keim- und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (wie auch seine Vorgänger) kompetenzfrei, weshalb die Diskussion ob einer "Großen Quarantäne" naheliegender erscheint als die ob der Frage der Fortführung einer Großen Koalition.

In Budapest hat man derweil andere Probleme: Ignaz Semmelweis, Urheber des ersten empirischen Nachweises des Zusammenhangs von Hygiene und Kindersterblichkeit und Vater der Einführung erster Hygienevorschriften in Krankenhäusern, rotiert angesichts der Faktenlage in seinem Grabmal am Kerepesi temető in Budapest derart heftig um seine eigene Achse, dass die Ergreifung von Lärmschutzmaßnahmen sowie die Nutzung seines Grabes als alternative Energiequelle erwogen wird.