Ab 2017: Werbeunterbrechungen im Kino

Werbeblocks und In-Film-Advertising eröffnen Kinobetreibern neue Einnahmequellen.

Produktplacement in Kino- und TV-Produktionen sind längst eine gängige Praxis, Werbeunterbrechungen im Privatfernsehen wesentlicher Betandteil des Finanzierungskonzepts jenseits öffentlicher Gebührenerhebung. Einzig im Kino wurde das Filmvergnügen nicht durch Werbeblocks gestört, der Kinobesucher erfreut sich ununterbrochener Spannung und ebensolchem Vergnügen

Hohe Kosten für Kinobetreiber

Trotz einer kontinuierlichen Zahl von Kinobesuchern sehen sich Kinobetreiber hohen Kosten ausgesetzt. Zum einen schlug und schlägt die Umstellung auf modernste Digitaltechnik mit einem ordentlichen Investitionsaufwand zu Buche, zum anderen sind da die Verleihkosten: Im Falle des jüngsten Filmes der Star-Wars-Reihe standen 53% des Ticketumsatzes dem Verleih zu, selbiges galt für den Film "Avengers 2 - Age of Ultron", weshalb dieser von nicht wenigen Kinobetreibern boykottiert wurde. Der Grund: Die Höchstpreismarke von Eintrittskarten sei erreicht.

Werbeblocks und In-Film-Advertising

Der Hauptverband Deutscher Kinobetreiber HDF KINO e.V. hat nun die Einführung von Werbeunterbrechungen beschlossen und ab März 2017 können Kinofilme im Abstand von 20 Minuten durch 5minütige Werbeblocks unterbrochen werden – eine nicht unerhebliche, zusätzliche Einnahmequelle für die Betreiber von Filmtheatern.

Der Beschluss geht jedoch noch einen Schritt weiter: Nach dem Willen des Verbandes sollen über die geplanten Werbeblocks hinaus, technisch standardisierte Platzhalter in Filmszenen die Möglichkeit einer nahtlosen Werbeeinblendung schaffen. Ein Konzept mit ungeahntem Potential, denn das sogenannte In-Film-Advertising lässt eine Preisstaffelung zu, welche sich nach dem Wert einer Szene richtet. Schlüsselszenen erlauben so höhere Einnahmen, als Werbeeinblendungen im regulären Erzählfluss.

Kino: Werbung, Werbeunterbrechungen

Bald an der Tagesordnung: In-Film-Advertising

Auch für den Kinobesucher und Kunden ergeben sich aus dem neuen Werbekonzept zahlreiche Vor- und nur wenige Nachteile:

Vorteil: In-Film-Bestellungen

Der Kunde erhält während der Filmvorstellung Informationen zu Produkten, welche im Film präsentiert werden. Sei es der Laptop, das Smartphone, das Fluchtfahrzeug, die Kleidung der Protagonisten, die verzehrten Speisen nebst zugehöriger Zubereitungsanleitung, die Kettensäge oder die Bezugsquelle für im Film verwendete Drogen, Waffen oder Toilettenspülsteine. Diese Artikel können nun noch während der Vorstellung via One-Click-Bestellung über das Smartphone (Blutooth-Verbindung erforderlich) erworben werden.

Vorteil: Pinkelpausen

Wer bis dato seinen Harndrang während der Kinovorstellung über den Tränenkanal der Augen kompensierte, darf sich ab sofort über längst überfällige Pinkelpausen erfreuen.

Nachteil: "Dauerwerbesendung"

Aufgrund gesetzlicher Vorgaben muss fortan in der rechten oberen Ecke deutlich der Hinweis "Dauerwerbesendung" engeblendet werden.

Nachteil: Werbeeinblendungen

Das Anzeigen von Produktinformationen kann, je nach Anzahl der zu bewerbenden Produkte in einer Szene, selbige komplett überdecken und in den Hintergrund drängen. Diesbezüglich wird – um der Aufrechterhaltung des dramaturgischen Spannungsbogens willen – bereits die Wiederholung der Szene ohne Werbeeinblendungen erwogen.

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