Boeing macht aus der Not eine Tugend und setzt nach den Abstürzen zweier Maschinen des Typs 737-Max 8 auf den Erlebnishunger einer neuen Passagiergeneration, und vollzieht den ohnehin schon länger anvisierten Wandel vom sicherheitskonservativen Traditions-Flugzeugbauer hin zum Grenzerfahrungsgaranten, und verknüpft bewusstes Flugrisiko mit den allgemeinen Gefahren des Luftverkehrs zu einem vollkommen neuen Reise- und Lebensgefühl.

Extreme-User-Experience Max 8

Mit einem vollkommen neuen Markenmotto setzt Boeing neue Selbstverständnis-Maßstäbe auf dem Sektor des Flugzeugbaus und konsequent auf den Trend des sogenannten Sensation Seeking bzw. der Angstlust von Käufer und Passagier.

Boeing 737-Max 8

Boeing: Extreme User Experience Max 8

Bezüglich des Flugzeug-Unglücks in Äthiopien steht derzeit das MCAS-Trimmsystem im Fokus der Kritik, welches zum Zwecke des Ausgleichs eines infolge des Verbaus neuer Triebwerke verschobenen Maschinenschwerpunktes während des Absturzes der Ethiopian-Airlines-Maschine eingeschaltet gewesen sein soll.

"Natürlich war es das!", so Produktentwickler Jonathan Mayall. Das MCAS-Trimmsystem der 737-Max sei bei aller Kritik das herausragende Ergebnis einer auf Unique- und Extreme-User-Experience ausgerichteten Flugzeugbauweise. Hier sei es sowohl gelungen der primären Verantwortung gegenüber Investoren und Aktionären als auch erlebnistrendorientierten Endverbraucher-Faktoren Rechnung zu tragen.

So konnte unter der Management-Maßgabe "Think simple!" der Ersatz alter Turbinenmodelle durch neue, treibstoffsparendere, allerdings einen Hauch größer ausfallende Triebwerke ohne eine kostenintensive, Neukonzeption der Tragflächen vorgenommen werden, indem diese ("Think simple!") ganz einfach mittels einer weiter nach vorne verlegten Montage verbaut wurden. Finanziell ein klarer wettbewerbsvorteil gegenüber dem europäischen Konkurrenten Airbus, der mit seinem A 320-neo zwar technisch vorlegte, aber deutlich höhere Entwicklungskosten zu verschmerzen hatte.

Den Auswirkungen auf Schwerpunktverlagerung, Aerodynamik und Handling der Maschine sei man via des innovativen und erlebnisorientierten Einsatzes einer einem Atari-Flugsimulator entnommenen Software begegnet, die im digitalen Spielesegment mittels der Einstreuung unerwarteter Störfaktoren für einen besonderen Nervenkitzel sorgte, und nun erfolgreich auf die Flugzeugsteuerung übertragen werden konnte.

It's life!

In einer im Wallstreet Journal erschienen Pressemitteilung bezeichnete Boeing die Aufregung um Tod und Trauer einer 3stelligen Minderheit gegenüber der Lebens- und Risikofreude tausender Aktionäre und Passagiere als unverständlich und realitätsfremd. "Wo gehobelt wird, da fallen Späne", und manchmal seien diese eben voll besetzt und kommen nicht so am Boden an, wie man es sich wünscht. "It's life!", so die lebensbejahende Botschaft aus dem Boeing-Firmensitz in Chicago.