Armutsbericht: Erste deutsche Schönfärberei schafft Wohlstand und Arbeitsplätze

Die schwarz-gelbe Bundesregierung greift seit den frühen Morgenstunden mit nie dagewesener Deutlichkeit in den Arbeitsmarkt ein und bricht damit mit eigenen marktliberalen Grundsätzen.

Berlin (ZS). Trotz aller Kritik öffnete heute die regierungseigene erste deutsche Schönfärberei ihre Tore und ist damit der erste privatwirtschaftlich organisierte Staatsbetrieb seit der Wende (Neunzehnhundert"Blumen-Kohl").

Die Schönfärberei kann bereits kurz nach Aufnahme ihrer Betriebstätigkeit glänzende Ergebnisse vorweisen, welche weit über das Betriebsgelände hinausreichen. So wird im Rahmen eines Beschäftigungsverhältnisses ein Bruttolohn unter 7 Euro offiziell nicht mehr unterschritten. Preisbereinigt sinken hier auch nicht mehr die Löhne und die bis dato vorherrschende Störung des Gerechtigkeitsempfindens der Bevölkerung ist - dank der engagierten Durchsetzungskraft des Aufsichtsrates - bis auf weiteres keinen weiteren Beeinträchtigungen mehr ausgesetzt und die Beschäftigten können sich seit dem heutigen Mittwoch wieder entspannt der Bestellung ihrer zuletzt stark vernachlässigten Vorgärten widmen:

Bei frostfreiem Wetter können nun Steckzwiebeln ins Beet gepflanzt werden, sollten aber mit einem Netz vor Vögeln geschützt werden. Einige robuste Arten lassen sich bereits ins Freiland säen. An milden Tagen ist zudem die günstigste Zeit zum Schnitt von Ziergehölzen. Hecken dürfen, bevor sie austreiben, an frostfreien Tagen geschnitten werden. Nebenbei ist jetzt Zeit für die Entfernung von Moos. Eine starke Vermoosung des Rasens ist oft auf mangelhafte Durchlüftung zurückzuführen.

Besondere Akzente setzt die Corporate Social Responsibility (CSR). In einer Passage des überaus ambitionierten Grundsatzpapiers heißt es: "Sinkende Reallöhne in den unteren Einkommensgruppen sind Ausdruck struktureller Verbesserungen, da gerade Langzeitarbeitslose nach jahrelanger Erwerbslosigkeit hier neue Vollzeiterfahrungen sammeln können - bei gleichbleibender persönlicher Wirtschaftslage. Sowohl Unternehmen, als auch Arbeitnehmer profitieren hier gleichermaßen vom durchdachten Betriebs-Konzept der Schönfärberei."

Armutsbericht

Macht endlich was her: Der Armutsbericht der schwarz-gelben Bundesregierung
Fotoquelle: Staatsarchiv Sigmaringen

"Wir haben viel erreicht!", so Aufsichtsratvorsitzender Philipp Rösler, der mit seiner liberal-marktorientierten Gewerkschaft "FDP" auch das Harmoniebedürfnis weiter Teile der Bevölkerung nicht nur adressieren, sondern gar in die Unternehmensphilosophie mit einbringen konnte. Auch die Mitarbeiter sind zufrieden: "Schönfärberei nimmt Schwarz-Weiß-Denkern zwar die Perspektive, bereichert aber doch den Horizont der Verzweiflung. Er wirkt gleich viel bunter.", so Winfried Kempowski, Leiharbeiter der zweiten Stunde.

Dass das Konzept der Schönfärberei auch in anderen Branchen Anklang findet, zeigt der aktuelle Abschluss des neuen Tarifvertrages für Stahlkocher in Nordwestdeutschland. Diese erhalten vom nächsten Monat an satte und atemberaubende drei Prozent mehr Geld, was "Insgesamt eine faire, ordentliche Lösung" sei, so Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW. Nach Einnahme halluzinogener Drogen geradezu eine einleuchtende Abschlusserklärung.

Wir meinen: Wem die Scheiße bis zum Hals steht, sollte den Kopf nicht hängen lassen...

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