Bertelsmann Stiftung: Wegfall von Lohnfortzahlung im Krankheitsfall fördert Spontanheilungen

Untersuchung von Ursachen von Spontanheilung stützt Forderung nach Reduzierung von Krankenhäusern.

Während die im Rahmen der Studie der privatwirtschaftlich orientierten Bertelsmann Stiftung ausgegebene Empfehlung der Reduzierung von Krankenhäusern für Kritik sorgt, geben Teile der Studie Anlass zu Hoffnung auf dem Gesundheitssektor. Demnach fördert die Aussicht auf Einkommenseinbußen, z. B. in Folge des Wegfalls einer – bis dato in Deutschland obligatorischen – Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle, die Spontanheilung in bis zu 78% der untersuchten Fälle, und stützt erstgenannte Empfehlung der eigennützigen Stiftung.

Bertelsmann Stiftung – Satire, oder?

Konkret wird die Studie auf Grundlage von Erhebungen in Ländern ohne Sozial- bzw. Krankenversicherung wie z. B. Bangladesch, Guatemala, Burkina Faso, Burundi oder den USA. So betrage der Krankenstand in den Vereinigten Staaten beispielsweise etwa 2,0% und ist – wie auch in den anderen genannten Ländern – aufgrund vollkommen fehlender Absicherung im Krankheitsfalle auf konstant niedrigem Niveau, was laut Studie auf eine gesundheitserhaltende Wirkung gesundheitsbedingter Arbeitsunfähigkeitsrisiken schließen lässt, die demnach einen wichtigen Schlüssel zur Förderung und Erhaltung einer produktiven Volksgesundheit darstellt. So erhöhe sich die Arbeitsausfallrate in einer der größten Volkswirtschaften der Erde selbst im Falle einer Geburt nur selten – und weiß damit abermals oben genannte Empfehlungen und damit verbundenes Einsparpotential zu stützen.

Darüber hinaus sorgt eine niedrige Beteiligung an Krankenabsicherungen von Seiten der Wirtschaft in den USA für weit bewusstere Lebensführung und einen „dynamischen Arbeitsmarkt“ mit gesundheitlich relevantem Motivationscharakter. Gleichzeitig führten weite Wege zu medizinischen Versorgungszentren wie Krankenhäusern sowohl zu geringerer Inanspruchnahme ärztlicher Dienste – mit positiven Folgen auf Warte- und Arbeitszeiten für Patienten bzw. Personal – als auch wesentlich ausgelastetere und damit wirtschaftlich profitabler operierende Krankenhäuser und Arztniederlassungen.

Es ist fast ein Wunder„, so Dr. Jan Böcken, Mitautor der Studie der Bertelsmann Stiftung. „Menschen die im Falle leicht erreichbarer und selbstverständlich finanzierter Behandlung und Lohnfortzahlung wegen Infektionen oder Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates sowie Herz-Kreislauferkrankungen dem Arbeitsmarkt entzogen würden, erkranken entweder gar nicht oder nehmen Heilungschancen am Arbeitsplatz wahr – was eine Versorgung zukünftig mit nur mit halb so vielen Kliniken ermöglicht.

Auch das medizinische Fachblatt „Der Aktionär“ sieht in Teilen der Studie Anlass zu einer Investitionsverstärkung in den Gesundheitssektor und verweist auf die politisch relevante und erfolgreiche Arbeit der Bertelsmann Stiftung auf dem Felde sozialpolitischer Weichenstellung, wie z. B. auf dem der Arbeitsmarktreformen (Hartz IV /Hartzkonzept 2002), und unterstützt die nunmehr erfolgte Beteiligung an gesundheitspolitischen „Orientierungshilfen“ auf neoliberal-marktwirtschaftlicher Ebene.

Nebenwirkungen einer privatwirtschaftlichen Ausrichtung von Krankenhäusern wie z. B. eine umsatzorientierte Erhöhung der OP- und Belegungs-Taktzahl bei kosteneffizienter Personalausstattung mit der Folge der Zunahme von Kunst- und Behandlungsfehlern sowie eklatanten Missständen auf dem Felde der Hygiene und damit verbundenen, sogenannten Krankenhausinfektionen und multiresistenten Keimen sind der Studie zufolge übliche Erscheinungen der Massen(ab)fertigung, und im Kontext erheblich gesteigerter Kosten-Nutzen-Effizienz ein vernachlässigbarer Faktor naturselektiven Charakters.

Zum Thema Bertelsmann Stiftung lesen Sie auch:

  1. Interessenkonflikt? – Zweifel an Unabhängigkeit der Bertelsmann-Studie zu Patientenversorgung
  2. Helga Spindler: Wer steckt hinter Hartz IV ? – Die Ghostwriter der Hartz Kommission (PDF)
  3. Thomas Schuler: Bertelsmann Republik Deutschland – Eine Stiftung macht Politik, Frankfurt am Main 2010 (Deutschlandfunk Kultur – Rezension)
  4. Frank Böckler, Hersch Fischler: Bertelsmann – Hinter der Fassade des Medienimperiums, Frankfurt am Main 2004
  5. Jens Wernicke, Torsten Bultmann (Hg.): Netzwerk der Macht – Bertelsmann: der medial-politische Komplex aus Gütersloh, 2. erw. Aufl. Marburg 2007
  6. Werner Biermann, Arno Klonne: Agenda Bertelsmann – Ein Konzern stiftet Politik, 2. akt. Aufl. Köln 2008
  7. Bertelsmann Stiftung: Grundelemente der neoliberalen Verwaltungsreform (PDF/2009)
  8. Bertelsmann Stiftung: Lokale Beschäftigungsförderung – Aufgaben der Kommunen PDF)
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