„Blöd im Weg rumstehen“ und „Dumm dasitzen“ nun staatlich anerkannte Berufe

Vielen Naturtalenten in Sachen Blöd-im-Weg-rumstehen oder Dumm-dasitzen eröffnen sich ab sofort ganz neue Perspektiven.

Werner K. steht seit 25 Jahren blöd im Weg rum. Die Arbeit ist mäßig bezahlt, Überstunden sind Teil der Tagesordnung und dennoch ist Werner zufrieden. „Blöd im Weg rumstehen ist jeden Tag auf’s Neue eine Herausforderung„, sagt er, und tatsächlich bedarf es der ambitionierten Einbringung der eigenen Persönlichkeit in die vielfältige Arbeitsumgebung dieses facettenreichen Berufes, der bis vor wenigen Tagen noch der staatlichen Anerkennung entbehrte.

Beruf: Blöd im Weg rumstehen
Früher Gegenstand der Belustigung: Blöd im Weg rumstehen

Es ist ja nicht so, dass man einfach nur im Weg steht. Kommunikation ist ganz wichtig„, betont Werner. Und in der Tat ist ein variationsreiches, dabei ausgewogenes Repertoire an spontanen Sprüchen und Kommentaren, die ohne aktuellen Bezug zu den Tätigkeiten der anderen Mitarbeiter rasch zu Unstimmigkeiten im Arbeitsablauf führen, Pflicht und Gegenstand ständiger Fortbildungsmaßnahmen. Da heißt es Beobachten, Auswerten, Einordnen und im richtigen Moment angemessen zu agieren.

Während Werner im gesamten Betrieb quasi als „Springer“ fungiert, arbeitet sein Kollege Gerhardt W. ausschließlich in der Verwaltung. Gerhardt W. sitzt seit 17 Jahren dumm da. Das Aufgabengebiet ist ähnlich, aber den speziellen Anforderungen des Büroalltags angepasst. Besonders in Zeiten des Hochbetriebes zählt es zu seinen vorrangigen Aufgaben, die Ruhe zu bewahren und ein Mitwirken am Arbeitsgeschehen weitestgehend zu vermeiden. Mit nahezu 100%igem Erfolg, was ihm auch sein Abteilungsleiter und die Kollegen gerne bescheinigen.

Geschäftsführung und Personalleitung sind sich einig: Blöd-im-Weg-rumstehen oder Dumm-dasitzen sorgt für essentielle Reibungspunkte innerhalb des ansonsten harmonischen Betriebsklimas und setzt kreative Energien frei. „Ohne Werner und Gerhardt bliebe die individuelle Motivation der Mitarbeiter auf der Strecke. Sie leisten hervorragende Arbeit.


Bild: © Monty Python

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21 Comments

  1. Schön Dich wieder mal zu lesen.
    Endlich mal wieder ein neuer Artikel. ;-)

    Liebe Grüße

    Johny

  2. Dumm im Weg rumstehen und blöd dasitzen sind wesentlich einfacher und bedürfen keiner weiteren Qualifikation.
    Demnach ist es für Arbeitgeber wesentlich sinnvoller, künftig auf solche Arbeiter zu setzen.

    1. Wer setzt sich sinnvollerweise auf wen? Ist ja ungeheuerlich! Wir sehen uns vor dem Arbeitsgericht!

      1. Arbeitsgericht… ARBEITSgericht? HA! Dass ich nicht lache.

  3. Sehr gut! Wenn es mit der Industrie 4.0 so weitergeht wie bisher, wird der Arbeitsmarkt früher oder später viele solcher Stellen zu besetzen haben. Da ist es in weiser Vorraussicht eine gute Idee, jetzt schon für spezialisiertes Fachpersonal zu sorgen.

    1. Managementposten beim Flughafenprojekt BER wurden ausschließlich mit derartigem Fachpersonal besetzt. Und der Erfolg kann sich sehen lassen: Nie waren Arbeitsplätze auf einer zeitlich befristeten Baustelle langfristig so sicher.

  4. Sind Taschentücher auf dem Kopf und Gummistiefel eigentlich zwingend vorgeschrieben?

    Früher sahen die Rumsteher oft so aus! http://06.live-radsport.ch/images/08103148462-steherrennen-(foto-hristina-p-kelkel-c-photo-k).jpg

    1. Die bürgerlichen Konventionen verlangen gelegentlich Schneuztücher auf der Glatze und Rotzbremsen vor dem Lautsprecher..

    2. Wieso? Gehen Sie wirklich ohne taschentüchliche Kopfbedeckung und Gummistiefel aus dem Haus? Ich meine, dass man schon auch mal herauskehren darf, dass man es zu etwas gebracht hat.

  5. Wieso sehen die Typen eigentlich alle wie dahergelaufene Bauerntrapel aus Österreich aus (eher feststellender Natur; rein rhetorisch; ohne Fragezeichen).
    Blöd-Im-Weg-Rumstehen ist hoffentlich kein politisches Manifest.

    1. Dahergelaufene Bauerntrampel aus Österreich haben es schon weit gebracht und so verweist z. B. eine ausgestreckte rechte Hand auf die überwundenen Höhenmeter, welche für einen österreichischen Daherläufer nötig waren, Einfach-Dasitzende andernorts von der eigenen Qualifikation…

      Blöd-Im-Weg-Rumstehen ist kein Manifest, aber „Aussitzen“ immerhin eine Variante anerkannt qualifizierter Diensterfüllung.

      1. Ich muss (!) zugeben, dass das Wort „Bauer“ in Verbindung mit „Trampel“ eine unwürdige Herabsetzung des Landwirts darstellt, der mich mit Erdäpfeln segnet und in Himbeergeist brennt. (Zumal der Trampel grundsätzlich weiblicher Natur ist.)
        Insoweit sei mir verziehen, dass ich beides auch noch in engem inhaltlichen Kontext mit dem landschaftlich unerreichten „Österreich“ verband. Man denke nur an die Hügel und Täler Verduns. Sei es drum: die Berta, die mit knallend im Ohr hängt, die aussitzt, was immer ihr in die Quere kümmet, ist ein „Biss ins Mark“.
        Und deren „manus“, rautenbildend auch im Plural, kann ruhend aussitzen, was andere zu echauffierenden Armheben verleitet. Insoweit ist mir deren Im-Wege-Sitzen deutlich lieber. Denn dieses kann man zur Not leicht auf Stuhlrollen beiseite schieben, ohne sich den Arm auszukugeln.

  6. Diese beiden Typen sind allerdings die Anfänger in den Firmen. Ich arbeite als Fortgeschrittener im Bereich: Der Prozess verlangt das aber so. Bei meiner täglichen Arbeit stele ich sicher, dass für die kleinesten Tätigkeiten mindestens 15 Freigaben und Genehmigungen erforderlich sind. Um die Erlangung dieser Genehmigungen zu erschweren, unterstützen mich meine Kollegen von der Abteilung: Unverständliche komplexe Formulare. Diese warden auf langsame Computersysteme übertragen, die jeden Benutzer die Haare raufen lassen.
    Durch meine Tätigkeit erreiche ich es, dass sich jede Organisation nahezu ausschließlich mit sich selbst beschäftigt. Die großen Bürokratien sind dabei mein Vorbild. Erst wenn sämtliche Tätigkeiten einer Firma intern sind und weder Kunden noch Lieferanten ine Rolle spielen, habe ich mein Ziel erreicht.

    1. Vorbildlich! Ein Unternehmen, welches sich selbst nicht wichtig nimmt hat schon verloren. Was immer stört ist der Kunde. Das weiß der Kunde auch und umso mehr gilt es durch die Schaffung möglichst komplizierter und letztlich gezielt umständlicher bürokratischer Prozesse eine Form von Professionalität herauszuarbeiten, welche sowohl ausschweifende Kundenbedürfnisse im Keim ersticken und somit den Weg frei machen für ausufernde interne Handlungsverzweigungen, als auch dem Kunden signalisieren, dass er Teil derart komplexer Vorgänge ist, die jeden Cent wert sind – auch wenn sie sich am Ende nicht wirklich in so etwas wie der Erfüllung ohnehin überzogener Erwartungen niederschlagen, aber ein Gefühl der Teilhabe erzeugen, welches jeden normalsterblichen… sie wissen was ich meine.

      1. Ihr zwei seid mir zigarrenrauchenderweise viel zu marktwirtschaftlich unterwegs… Zitat:

        [Pflicht …zur Fortbildung als Maßnahme wird redaktionell als überflüssiges Anhängsel gestrichen.]

        Der Wähler zwischen den politischen Fronten geht dabei strukturimmanent wieder völlig hops. So wie ein Volksentscheid den eigenen Beschiss verkörpert, verinnerlicht der Konsument sein Bedürfnis mit Abführmittel.

        Was damit gesagt werden soll ist eigentlich nur, dass so ein selbstreferentielles Unternehmen wie z.B. microsoft, facebook, BRD oder EDEKA niemals auf die Idee käme, dem Glücksgefühl aller im Wege zu stehen, weil man weiß, dass alle ja nur ihre Arbeit machen.

      2. Als nebenberuflicher Prozessoptimierer kann ich Ihnen da nur zustimmen. Gerade entwerfe ich den optimalen Prozess.
        Dieser muss, egal, um welches fachliche Thema es geht, jeden Mitarbeiter des Unternehmens mindestens drei Mal involvieren. Das mittlere Management mindestens 15 Mal und die Geschäftsleitung 50 Mal. Damit ist sichergestellt, dass der Prozess niemals bis zu seinem Ende durchgeführt wird. Er ist wie ein Computerspiel mit einer unendlichen Anzahl von Leveln.
        Auf die BRD übertragen würden sämtliche Bürger und Firmen involviert.

      3. Es scheint unfassbar, aber mir ist zu Ohren gekommen dass Angestellte sich sogar selbst im Weg stehen und so, ganz unfreiwillig ihrem Unternehmen, die ansonsten horrenden Lohnkosten einsparen. Freilich nur bis zu dem Zeitpunkt da sie jemand darauf hinweist dass sie auch dumm rumsitzen könnten, was eine Art Selbstzersörungsprozess auslöst, der letztendlich zum Ausscheiden aus dem Betrieb führt. Das ist für sich genommen schon recht tragisch, um so schlimmer das der Angestellte das ganze bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wiederholt.

  7. Das zieht sich durch alle Bereiche des täglichen Lebens bis hin zu Dumm-Kommentatoren.

    1. Das klingt nach einer Bewerbung. Ihr Bild zum „Lebenslauf“ ist jedoch ungünstig: Minderjährige dürfen in Deutschland nicht beschäftigt werden. Die Verfolgung durch einen Wolf könnte Ihnen da allerdngs anderweitig „entgegenkommen“.

      1. Da bin ich im Vorteil. Das Gesetz gilt nicht für Minderwertige. Sonst wäre es auch im Bundestag ziemlich leer.

  8. Hach, diese Gummistiefel haben sowas von germanisch-wetterangepassten caligae, dass es einen Schauern macht. Dazu der gestrickte Harnisch, einst aus verruchtem Leder die Brust einschnürend! Sind die Zipfel nicht herabgestreckte Daumen oder doch nur gekehrte Pickel auf der Haube? Aus Cord jedenfalls auch die an Riemen hängende Lederhose. Nur die zur Tat geneigte Handhaltung stört ein wenig den übermenschlichen Gesamteindruck. Stehen Sie noch oder wandern sie schon?

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