Mensch, der Jens! Dem hatte vor der Übernahme des Postens des Bundesgesundheitsminister doch auch keiner gesagt, dass es mehr im Kopp braucht, als eine obergärige Erbse. Und doch weiß der Jens nach eingehender Überlegung eine Lösung zu präsentieren, auf die man glatt hätte selber kommen können:

Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen.


Jens Spahn (CDU) im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen".

Mensch, der Jens! Der kennt sich aus und erkennt die Zusammenhänge. Der weiß, dass er die Nummer "Pflegenotstand" nicht wirklich auf den Kreis kriegt und als Bundesminister gut daran tut, erstmal an das Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter zu appelieren, das ihm und seiner Spezies vollkommen abhanden gekommen ist.

Der Jens weiß auch – wie der Autor dieses Beitrages, der 30 Monate in der Altenpflege arbeitete (Zivildienst + 15 Monate Pflegehelfer) – dass der Job gar nicht so heftig ist, gehen einem das Schicksal der Menschen, die Arbeitsumstände, der Arbeitsdruck und der latente bis offene Dauerstress aufgrund der nicht gerade ermutigenden Eindrücke am Arsch vorbei – und arbeitet man vor allem einfach mal ein bisschen länger.

Und irgendwie ist die Arbeit in einem Pflegeberuf ja auch ein dankbarer Beruf, denn "die meisten Menschen, die in der Pflege arbeiten (...) schöpfen viel Kraft aus ihrem Beruf", was ihm, dem Jens, nicht vergönnt ist, und mit 3 Pflegekräften auf 28 pflegebedürftige Stationsinsassen in einem Altenpflegeheim (an dieser Konstellation hat sich seit 1994 offenbar nicht viel geändert), geht ja auch alles wie von selbst von der Hand. Dies selbst dann, wenn von diesen 28 Bewohnern 22 der Hilfe bei der Körperpflege, dem An- und Entkleiden, der Nahrungsaufnahme, dem Urinieren, dem Stuhlgang, der Medikamentendosierung und -einnahme und weiterer medizinischer Versorgung (z. B. Wundversorgung, bzw. Wundprävention bei Bettlägerigen) bedürfen, und 8 von ihnen schwerstdement ständiger Aufsicht und Betreuung bedürfen und psycho-emotional aufgefangen werden wollen, denn so manchem ist hin und wieder durchaus bewusst, was ihm/ihr da gerade widerfährt.

"In einer alternden Gesellschaft ist die Pflege zwangsläufig ein Megathema – und für mich als Minister natürlich auch.

Mensch, der Jens! Der Jens hat begriffen, dass die Angelegenheit auch für ihn ein "Megathema" ist, und dass es auch für ihn gilt, sich noch während der Amtszeit für eine post-politische Pflege Karriere zu empfehlen. Das geht (natürlich) nicht, würde man nach Einsicht in die Sachlage menschenverständlich feststellten, dass Unterbesetzung, Unterbezahlung und menschenunwürdige Szenarien in Gesundheits- und Pflegeinstitutionen in einem der reichsten Länder der Erde gar nicht gehen, und die Gesundheitsversorgung in staatliche Hände gehört und nicht in privatwirtschaftliche Giergriffel.