Nach vorangegangenem Ungemach und der sofortigen Kompensierung absehbarer Beeinträchtigung unserer wirtschaftlichen Handlungsgewohnheiten durch unseren geschätzten Wirtschaftsminister Peter Altmaier, sehen wir an dieser Stelle die Zeit gekommen, allen Unterstützern aus CDU und SPD, aber auch den GRÜNEN – rückblickend auf die glänzenden Zeiten wegweisender arbeitsmarktpolitischer und unternehmenssteuerlicher sowie arbeitsrechtlicher Weichenstellungen der Rot-Grünen Regierungskoalition – und hierbei allen voran den Parteivorständen und Fraktionären des Bundestages, unseren verbindlichen Dank auszuprechen!

Wir haben es Ihnen zu verdanken, dass wir durch einen unserer Bundeskanzler aus Ihren Reihen einen weitreichenden, durch Hartz-IV-Gesetze gesetzlich garantierten Niedriglohnsektor als das einträglichste Arbeitskraft-Weidegebiet betrachten dürfen, welches Europas Arbeitsmarktlandschaft zu bieten hat. Mit den von keiner Folgeregierung veränderten Reformen durch die Regierung Gerhard Schröder vermögen wir es durch Sie unsere Interessen direkt zu verfolgen und durchzusetzen, denn "Wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt." (Gerhard Schröder)

Der Niedriglohn-Sektor in Deutschland wuchs so rasch wie in kaum einem anderen Land. 2008 waren fast 23 Prozent der Beschäftigten Geringverdiener, die weniger als 8,90 Euro pro Stunde erhielten, was der Arbeitsmarktexperte Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der Frankfurter Rundschau bestätigte. 1996 betrug der Niedriglohn-Anteil hierzulande nur 16,4 Prozent. In rasendem Tempo hat die Bundesrepublik damit bereits 2010 US-Niveau erreicht.

Wir haben es Ihnen zu verdanken, dass es gelingen konnte über Jahre hinweg das Thema Mindestlohn – auch nach dessen Einführung – nicht als belastend empfinden zu müssen.

Ihnen ist es zu verdanken, dass wir in der Lage sind, nach unserem Dafürhalten viel zu hoch bezahlte Arbeitskräfte quasi entlassen und via konzerneigener Zeitarbeitsfirmen zu günstigeren Konditionen weiter- oder überhaupt beschäftigen zu können.

Wir haben Ihnen eine Unternehmenssteuerreform zu verdanken, die in goldenen Rahmen unsere Chefetagen schmücken und von der wir noch heute nachhaltig zehren: Danke Gerd, Hans und Joschka, und all jenen, die daran nicht gerüttelt haben: Es soll Euer Schaden nicht sein!

Wir haben es Ihnen zu verdanken, dass jede Form der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung in Form von finanzieller Beteiligung an den Ausgaben des Staatshaushaltes (Körperschaftssteuer ( Hihi, siehe oben) / Spitzensteuersätze/Vermögenssteuer (siehe Kasten)) als "Gift für die Konjunktur" erfolgreich abgewehrt werden kann – auch wenn es sogar uns komisch erscheint, dass jemand der kein Geld hat und auf dessen Acker wir seine Früchte ernten im Falle seiner Geldnot die Pacht senkt.

Der Spitzensteuersatz lag sogar zu Zeiten von Kanzler Kohl bei 56 Prozent, heute liegt er bei 42 Prozent (in Dänemark liegt der heute bei 55,6 Prozent und trotzdem sind alle glücklich). Auch hier nochmal persönlichen Dank an Gerd, Hans und Joschka, und all jenen, die daran nicht gerüttelt haben!

Die Frage die sich stellen sollte, ist die, warum schon Einkommen ab 55.961 Euro mit dem Spitzensteuersatz belegt werden und hier keine feinere Staffelung der Bemessungsgrundlagen vorgenommen wird. Aber Gott sei Dank kommt Ihr - auch in unserem Sinne – nicht auf die Idee, denn so sprechen sich auch jene, die entgegen unsereins tatsächlich eine spürbare Belastung erfahren würden, dagegen aus.

Eine Vermögenssteuer, die lediglich Menschen mit einem Barvermögen ab 1 Million Euro aufwärts (max. 10% der Bevölkerung) betreffen würde, wird sogar von 50% der Bevölkerung abgelehnt. Hier zeigt sich die Effizienz unserer Zusammenarbeit!

Der Ruf nach angemessenen Unternehmenssteuern (Körperschaftssteuer) und der Streichung von Steuervergünstigungen oder -vorteilen wird ebenso als "Gift für die Wirtschaft" oder "Gift für die Konjunktur" gehandelt und ist als "Gefährdung von Arbeitsplätzen" sogar der Arbeitnehmerschaft verkäuflich, und wird somit der sachlichen, gemeinwohlorientierten Debatte entzogen. Dass wir deutsche Großunternehmen und -konzerne Milliardengewinne abschöpfen und dabei dennoch Produktionsstätten, sprich Arbeitsplätze ins Ausland verlagern ist schon eine prima Sache, die uns jeden Tag auf's Neue amüsiert und aufrichtig erfreut.

Ihnen ist es zu verdanken, dass sich sogar kleine Unternehmenspinkelberge wie kleine oder mittlere Betriebe mit bis zu 20 oder 30 oder 40 Mitarbeitern mit "Mittelstand" oder "Wirtschaft" angesprochen fühlen. Klasse!

Ihnen ist es zu verdanken, dass wir Unternehmen auf Kredit einkaufen, mitarbeitertechnisch verschlanken und zu einem höheren Wert verkaufen und den Wiederverkaufs- bzw. Veräußerungsgewinn steuerfrei einstreichen können.

Ganz besonderen Dank möchten wir Ihnen aussprechen, dass Sie, werte Freunde von CDU und SPD, seit Ihrem Regierungsantritt auf die weitere und zuvor unmutig stimmende Verfolgung von millionenschweren Steuerhinterziehern (z. B. durch den Ankauf von entsprechenden Daten-CDs) verzichten.

Ihnen ist es zu verdanken, dass unsere Finanztransaktionen, Spekulationsgeschäfte und Marktmanipulationen auch weiterhin keiner Regulierung, Kontrolle und angemessenen Besteuerung unterliegen, und privatwirtschaftliche Finanzinstitute im Falle von Verlusten oder Bankrott auch weiterhin auf die Zuwendung von öffentlichen Steuergeldern zählen dürfen, und sogar nach einem der größten Finanzcrashs der Geschichte (Sorry nochmal dafür!) weitermachen dürfen wie zuvor.

Ihnen ist es zu verdanken, dass wir die Energie-, Wasser- und Gesundheitsversorgung zu unseren Zwecken gebrauchen und Kapital aus damit verbundenen Grundbedürfnissen schöpfen können, und Sie die Diskussion um eine menschenverständliche Vergemeinschaftung (Super irreführende und vorbelastete Begriffsverwendung von "Verstaatlichung") und gemeinfreie Zugänglichkeit erfolgreich einem Bild von Sozialismus und Kommunismus unterwerfen, den Sie in den Köpfen der Menschen ebenso erfolgreich dem Bild von DDR, Sowjetunion und Diktatur gleichzusetzen vermochten – auch wenn dies an Unsachlichkeit nicht zu überbieten ist.

Danksagung von Konzernen und Großunternehmen an die Politik – Satire, oder?

Ihnen ist es zu verdanken, dass wir tierquälerische Massentierhaltung betreiben können und Sie mittels der Reduzierung von Kontrollinstanzen und ausreichendem Kontrollpersonal sowie der Vorenthaltung von Verstößen und der Namensnennung von Verstoßenden dafür Sorge tragen, dass der Laden läuft und der Rubel rollt – und wir mittels der Berufung der ein oder anderen Persönlichkeit aus Ihren Reihen in die Spitzen der Interessenverbände sogar noch ganz einfach dafür Sorge tragen können, dass dem auch so bleibt.

Ihnen ist es zu verdanken, dass wir Lebensmitteln tonnenweise Zucker, Wasser und künstliche Konservierungsmittel und Zusätze beimischen können, die selbst aus Fleischabfällen noch ordentliche Gewinne quetschen lässt und es sogar verdaulich machen, Millionen von Tonnen von Lebensmitteln in den Müll kippen zu können – denn das ist im Preis ja schon einkalkuliert.

Ihnen ist es zu verdanken, dass wir in der Landwirtschaft krebserregende Unkrautvernichter und grundwasserbelastende Nitratdünger und in der Viehwirtschschaft so viel Antibiotika einsetzen können, dass das Vieh (oder der Landwirt) nicht an den Haltungs- und Wirtschaftsbedingungen zu Grunde geht, und als Traumawurst unter rosa Licht zu derart billigen Preisen verkauft werden kann, dass selbst dem Niedriglöhner seine Quasi-Armut zumindest auf diesem Sektor gar nicht auffällt.

Ihnen ist es zu verdanken, dass es einer Bevölkerung ohne Einschleichen der Schamesröte vermittelbar ist, dass ein geringerer Milliardengewinn als im Vorjahr Anlass sein darf, die Beschäftigtenzahl "zu überdenken" und Gewinnoptimierung auf Grundlage von Entlassungen und Arbeitsplatzreduzierung und -verlagerungen unter den Begriffen der Arbeitsplatzsicherung und der Sicherung des Standorts Deutschland zu verorten, und sogar bei hiervon Betroffenen Anerkennung, zumindest aber Verständnis erfährt.

Ihnen ist es zu verdanken, dass sich aufgrund oben angeführter Um- und Missstände angehäufter Frust und Hass nicht an unseresgleichen auslässt (mit dem Begriff "Neiddebatte" haben Sie und eine sehr nützliche Mainstream-Presse diesbezüglich wahrliche Wunder bewirkt!), sondern an Flüchtlingen und Migranten, an Randgruppen und Andersdenkenden, an Obdachlosen und sozial Schwachen – und Letztere gar nicht wahrhaben wollen, dass sie schon lange nicht mehr zur Mitte gehören. Wir sehen der Zukunft diesbezüglich freudvoll entgegen, denn so lange wir und Sie gemeinsam diesen kleinen Krebsen vorgaukeln können, dass es ein jeder schaffen kann, strengt er sich nur zu Genüge an, und ist bereit dafür auch Verzicht zu üben, bis er gar nicht mehr merkt, dass er nur noch verzichtet, bleiben unsere Bande untrennbar miteinander und zutiefst verbunden.

Danke, Danke, Danke!

Darüber hinaus danken wir Ihnen, dass Sie es uns nicht krumm nehmen, wenn wir Sie, werte Parteivorstände, werte Minister, werte Mitglieder des Bundestages, werte Bundeskanzlerin, für lachhaft willfährige Marionetten halten, welchen wir zwar Einlass in unseren erlauchten Kreis und das ein oder andere Pöstchen gewähren, aber Sie hinter Ihrem Rücken für leicht bedienbare, steuerlich gewinnmindernd, bilanzgewinnmaximierende Handpuppen und Schoßhündchen halten, und Sie mittels charmanter, hochklassiger Umgarnung und finanzieller Honorierung und damit verbundener Empor- und Abhebung aus den Niederungen der sozialen Gosse nicht spüren lassen, wie sich ein Spielball fühlen sollte, wird er ständig genutzt und getreten.

Danke!