Die Top 10 der Zeitverschwendungen oder Wie baue ich mir ein persönliches Minenfeld

Statistisch gesehen, erleben Sie in Ihrem Leben 76 Sommer. Gehen Sie in die Sonne!

In Teilen selbst erfahren und geprüft. Kein Anspruch auf die richtige Reihenfolge.

Platz 10: Nicht-Erkennen von bereits Erreichtem, schwammige Zielsetzung und persönlicher Druckaufbau

Manchmal vergisst man, dass es einem gutgeht. Manchmal vergisst man, dass man schon eine ansehnliche Menge dafür getan hat, dass dem so ist. Manchmal vergisst man vor lauter zukunftsgerichtetem Wollen das augenblickliche Haben. Lehnen Sie sich einfach mal zurück und erlauben Sie sich ein bisschen Zufrieden-Sein und schenken Sie sich selbst hin und wieder Respekt und Anerkennung für all dass, was Sie bereits geleistet haben!

Klarheit: Was wünschen Sie zu erreichen? Formulieren Sie Ihre Ziele. Trennen Sie sich von Ansprüchen und Zielsetzungen, die gar nicht Ihnen entspringen, sondern der Vermutung, dass sie es sein sollten oder zu berücksichtigen seien – und die Sie unnötigerweise in Ihren "Koffer" miteingepackt haben.

Geben Sie sich genügend Zeit sich ob ihrer Wünsche klarzuwerden. Goldwaschen ist keine Angelegenheit der Eile, und eine gute Entscheidung/Zielsetzung ist Gold wert.


Platz 9: Warten auf "den richtigen Moment"

Haben Sie nun eine Absicht oder nicht? Zögern ist keine Option, sondern Ausdruck mangelnder Überzeugung. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Wollen Sie etwas wirklich? Dann werden Sie sich nämlich auf den Weg machen, ohne es planen zu müssen und – wie Sie es eigentlich schon immer getan haben – einfach loslegen.

Kinder tun dies übrigens die ganze Zeit. Ein Grund, warum man wohl hin und wieder wieder Kind sein möchte: Unbeschwertheit (siehe "Koffer").

Gibt es nennbare Gründe oder ein unbestimmtes Gefühl, welches Sie von was auch immer abhält? Dann zwingen Sie sich nicht dazu, denn unter Umständen ist JETZT der richtige Zeitpunkt für etwas ganz anderes. Geben Sie sich (siehe oben) Zeit, zu sich zu kommen, denn alles geht von Ihnen aus. Es wäre doch ziemlich „ungeschickt“, ginge man von sich aus, ohne je zu sich gekommen zu sein.


Platz 8: Verzetteln in Details

Sorgen Sie dafür, dass die Ausgestaltung der Einzelschritte Sie nicht die Etappe aus den Augen verlieren lässt – sprich, sich Details nicht zu etwas aufblähen, was Sie daran hindert, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Gestatten Sie sich kleine, dabei durchdachte Schritte und führen Sie sie dann "einfach" konsequent aus.


Platz 7: Perfektionismus

Etwas einfach nur "irgendwie" zu machen ist mindestens genauso Mist, wie alles perfekt, absolut richtig und astrein zu Werke bringen zu wollen, denn Sie werden einfach nicht fertig und schon gar nicht zufrieden sein. Was noch viel dramatischer ist: Vor lauter "das muss genau so sein" werden Sie womöglich gar nicht erst beginnen.

Perfekt sind nicht selten die Dinge, die man nicht so genau unter die Lupe nimmt, oder (!) die Sie so nehmen wie sie im Augenblick sind. Alles andere ergibt sich – naturgemäß, denn das Leben ist ein Fluss und kein statischer Zustand.

Gestatten Sie sich selbst, Sie selbst und Ihr Tun sein und geschehen zu lassen – und alles beginnt zu werden!


Platz 6: Die Angst Fehler zu machen oder gar zu scheitern

In beständiger Verbundenheit mit allen vorangegangenen Punkten zumeist die Befürchtung, das anvisierte Tun könnte nicht zu dem Ziel führen, welches man zu erreichen wünscht. Gestatten Sie sich ganz einfach die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass sich nach dem ersten Schritt in die zuerst gewünschte Richtung vielleicht neue Wege und Herangehensweisen eröffnen, die Sie so vor dem ersten Schritt (über den Starthügel) gar nicht erblickt haben. Solange Sie das Ziel nicht aus den Augen verlieren ist dies ein wunderbarer Umstand, den Sie sich von vornherein zum Geschenk machen sollten: Das Unvorhersehbare, die Überraschung.

Falls Sie hinfallen: Dann stehen Sie einfach wieder auf. Warum "einfach"? Sie haben es schon so oft getan und gar nicht gemerkt, das Sie das können – sehr gut sogar! Also los und/oder weiter, Sie sind stärker als Sie glauben oder (nicht immer sind wir von wohlwollenden Menschen umgeben) ihre Umgebung Sie glauben lässt!


Platz 5: Selbstvergleiche, daraus resultierende Unsicherheit und kontinuierlicher Selbstoptimierungswahn

Ob nun der Vergleich mit anderen, welche man für erfolgreicher, glücklicher, gelassener oder selbstbewusster hält, oder der Versuch des Erreichens eines zumeist überhöhten Selbst-Ideals (siehe Plätze 7 und 6). Schlimmer noch: Die Übernahme von Idealbildern anderer.

Aus Spazierengehen und Wandern wurde beispielsweise Nordic Walking, und plötzlich wurde aus dem zwanglosen und entspannten Gehen durch den Wald ohne Gehstöcke laienhafte Unprofessionalität. Wer nicht täglich – auch bei 36 Grad im Schatten – eine Stunde joggt, verliert an Dynamik, wer nicht einem (professionell-fundiertem) Ernährungs- und Fitnessplan Folge leistet, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Lach- und Känguru-Yoga, dynamische Meditation und Power-Napping, Zeit- und Auszeit-Management, Walgeräusche und Thetawellen in der Badewanne, Pre-Work-Conditioning und After-Work-Party, Neuro-Linguistische Programmierung und Kraft-Mantra-Murmeln – selbst das Scheißen wird wohl bald Gegenstand einer Disziplin, welche ohne die Anleitung von Fäkal-Gurus den Anschein persönlicher Verwahrlosung erweckt.

Sie sind kein anderer, und Richtig oder Falsch sind allein das Ergebnis der eigenen Betrachtungsweise und persönlichen Sinnstiftung – ausgenommen Lüge, Betrug und Gewalt. Was dem einen Freude und Kraft bereitet, ist für den anderen Sinnbild gähnender Langeweile und kraftraubend. Finden und gehen Sie Ihren, und nur Ihren Weg.

Schneiden Sie sich von allem, was Ihnen sinnvoll, erhellend, wärmend oder kräftigend erscheint (hören Sie auf Ihren Bauch!), eine Scheibe ab. Fügen Sie es Ihrem Selbst hinzu und ersetzen Sie es nicht.

Besser kann man übrigens immer alles machen. Das weiß man allerdings stets erst im Nachhinein und man nennt es Erfahrung. Wer ständig auf der Suche nach dem Optimum den Ist-Zustand verändert:

Ein Acker, der täglich gepflügt wird, trägt keine Früchte

(Rudolf Scheid)


Platz 4: Es allen Recht machen und allen gefallen wollen

Wenn Sie sich oder Ihren Lieben jeden Tag ihr Lieblingsessen servieren, was glauben Sie, wie lange es noch Ihr eigenes oder deren geschätztes Lieblingsessen sein wird? Genau!

Das Unterfangen allseitiger Gefälligkeit ist der Saboteur des persönlichen Glücks schlechthin, und Sie wissen das! Ganz gleich was Sie tun oder sagen, um einem jeden zu gefallen oder hilfreich zur Seite stehen zu wollen, Sie werden dabei unweigerlich auf der Strecke bleiben. Mehr noch: Sie verlieren sich selbst aus den Augen. Sei es, weil Sie anderen nach dem Munde reden oder angebrachte Kritik (aus Furcht den anderen verletzen oder verlieren zu können) für sich behalten oder ihr stets offenes Ohr und ihre ständig verfügbare Hilfsbereitschaft alsbald zur Selbstverständlichkeit verkommt und keinerlei Wertschätzung erfährt. Ihr Frust ist vorprogrammiert.

Ersteres betreffend, wird man ihre Meinung wohl kaum erfragen oder wertschätzen – Sie haben Sie ja nie geäußert. Zweiteres betreffend, sind sie genauso verfügbar wie ein Mülleimer oder eine Haushaltsschere. Beides findet selten sonderliche Beachtung.

Erst wenn Sie aufhören selbstverständlich für andere da zu sein, wird man (eventuell) bemerken, dass sie überhaupt (für einen) da gewesen sind. Es kann sogar vorkommen, dass man Sie für den plötzlichen Abbruch Ihrer gewohnten Verfügbarkeit kritisiert – woran Sie Menschen erkennen, die Ihnen getrost den Buckel runterrutschen können.

Sein eigenes Wohlbefinden voranzustellen oder Nein zu sagen ist übrigens kein Egoismus, sondern Voraussetzung dafür, überhaupt geben zu können!


Bevor du dir selbst eine Depression diagnostizierst oder einen geringen Selbstwert beimisst, stelle zuerst sicher, ob du in Wahrheit nicht einfach nur von lauter Arschlöchern umgeben bist!

(Debi Hope)


Platz 3: Sich darum sorgen, was "die anderen" sagen oder denken könnten

Im Kern die Folge des Wunsches nach allseitiger Gefälligkeit, die wiederum nur zu Unsicherheit und Zweifeln führen kann: Die ständige Auseinandersetzung mit der Frage, wie Ihre Worte oder Ihr Tun wohl von anderen wahrgenommen und vor allem bewertet werden könnte.

Die daraus geknüpfte persönliche Richtschnur wird am Ende nichts weiter sein, als ein weit verzweigtes Netz von Fallstricken.

Befinden Sie sich auf diesem Weg, so sind Sie im wahrsten Sinne des Wortes außer sich, und Außer-Sich-Sein ist selten ein Zustand, von dem aus es sich von sich selbst ausgehen lässt.

Und: Glauben Sie tatsächlich, alle Welt schaut nur auf Sie und ist nicht (ebenso) mit sich selbst beschäftigt? Sie kennen die Antwort.


Platz 2: Klagen und Bedauern anstatt Verantwortungsübernahme

Sie fühlen sich inmitten Ihrer Beziehung, Ihres Jobs, Ihres Vereins, Ihres Freundes- und Bekanntenkreises einfach nur noch unwohl oder gar allein? Sie machen das, was Sie tun, weil Sie sich daran gewöhnt haben oder glauben (oder sicher sein dürfen), dass man es von Ihnen erwartet (siehe Platz 4)? Sie sind sich zu allem Überfluss auch noch vollkommen darob bewusst, dass Sie sich im völlig falschen Film befinden?

Dann handeln Sie!

Verändern Sie sich und nicht die anderen, verlassen Sie den Raum, in dem es stinkt – und lassen Sie Ihren Zeigefinger unten, es sei denn, Sie stehen vor einem Spiegel.

Atmen Sie durch und umarmen Sie sich, verzeihen Sie sich alle Entscheidungen, die Sie als Fehler bezeichnen – die Sie aber weiter bringen als ein gemachtes Bett – und gehen Sie los, auf Ihren eigenen Weg! Er erwartet Sie.


Platz 1: Nicht sein Leben leben

Tun Sie das, was Sie tun, weil Sie sich dafür entschieden haben, oder ist Ihr Leben das Ergebnis der Übernahme von vorgegebenen Regeln, Methoden und Lebensweisen anderer (siehe vieles oben)?
Ist Ihr Beruf Ihre Berufung oder sind Sie da „hineingeschlittert“ oder haben Sie ihn gar ergriffen, weil...?

Mancher geht in sich und trifft dort niemanden an. Sorgen Sie für eine Begegnung!


Die eine Regel, das einzige Gesetz!

Was Du nicht willst, was man Dir tut, füge keinem anderen zu!

Sollten Sie sado-masochistisch veranlagt sein... halten Sie sich zurück, die hierfür notwendigen Fesseln liegen in der Schublade neben der Striemensalbe.


Liebe Grüße und ein wundervolles, ereignisreiches und Freude bringendes Jahr 2019!

Falko Knizia – Der, wo schreibt

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