Liebe Bloggerinnen und Blogger!

Seit gestern ist die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft und es gibt keinen Grund verunsichert zu sein! Die DSGVO dient dazu, den Webseitenbesucher darüber aufzuklären, was mit seinen Daten geschieht. Vor allem jenen, welche dieser im Prinzip nicht direkt veranlassend von sich preisgibt, was vorrangig die Speicherung seiner IP und der von ihm besuchten Seiten angeht. Hinzu kommt – im Falle der Nutzung von Kontaktformularen oder Kommentarfunktionen – wie z. B. mit seiner E-Mail-Adresse umgegangen und ob diese zu welchen Zwecken auch immer weiterverwendet wird.

Wer ein Statistik-Tool wie Google Analytics (wollen Sie wirklich einen datengierigen Weltkonzern mit den Nutzerdaten Ihrer Besucher füttern?) nutzt, tut gut daran, hier ebenfalls zu informieren – auch wenn jeder inzwischen begriffen haben sollte, dass eine Vielzahl von Websites dieses Tool nutzt und sich dieses mittels Browser-AddOns oder einer kleinen Modifikation des Network-Protokolls des Betriebssystems deaktivieren lässt (Windows / Mac).

Nutzen Sie Matomo (vormals Piwik), die daraus auslesbaren Daten lassen sich DSGVO-konform erheben, werden ausschließlich auf Ihrem Server gespeichert, somit nicht an Dritte weitergegeben und sind für sie und jene, welche z. B. bei Ihnen Werbung schalten, ebenso brauchbar.

Für WordPress-Nutzer ist das Plugin Statify zu empfehlen, welches keinerlei persönliche Nutzerdaten erhebt, sondern lediglich Auskunft über Seitenaufrufe, aufgerufene Seiten und Herkunft (Referer) gibt.

Für die Nutzung von Like-, Empfehlen- und Teilen-Buttons steht für WordPress der Shariff Wrapper zur Verfügung, welcher die Anforderungen der DSGVO–Richtlinie EU 2016/679 erfüllt.

Die DSGVO findet ihren Ursprung in zweierlei Wurzeln:

Zum Einen betrieben nicht zuletzt „die Großen“ ordentlich Schindluder mit den Daten ihrer Kunden. So kann eine Online-Bestellung bei einem deutschen Versandhaus (ich möchte jetzt nicht den Namen OTTO nennen) eine zum Kotzen hohe Zahl von Werbeanrufen und Newslettern bedeuten, in welche man – im Rahmen der Zustimmung zu den AGB (da stand das ja irgendwo drin) zum Zwecke des Abschlusses des Bestellvorganges – einwilligte. Auch kann die Anmeldung zu einem Newsletter nicht selten die Anmeldung zu unzähligen Newslettern von Drittanbietern bedeuten... was sich nach dem Willen der Gesetzesgeber nun ändern soll.

Zum Anderen findet sich der Ursprung schlicht und ergreifend in der Ignoranz nicht weniger Internetnutzer, denn unter'm Strich interessiert sich keine Sau für den Schutz seiner Daten, und wenn, dann sind die Daten längst im Pott und man ist doch stets sooo verwundert, warum nach einer Suche plötzlich diese passenden Werbeeinblendungen...

Juckender Exkurs

Wen juckt denn z. B. der Facebook-Skandal? Der übrigens im Kern gar keiner ist, denn das Sammeln, Verarbeiten und Vermarkten aller auf diesem Portal (freiwillig) preisgegebenen Daten ist – ja, genau – die Ware, um die es geht. Und das steht ziemlich deutlich in den AGB von Facebook & Co. Und die Ware liefert... der Nutzer!

Und wen bitteschön juckte und juckt in diesem Zusammenhang denn noch, dass z. B. das Mobiltelefon von Angela Merkel abgehört wurde (einem Staatsoberhaupt der westlichen Welt durch einen Verbündeten)?

Wen juckt es, dass NSA & Co. ihre Finger wer weiß wo im Spiel haben, abhören, abgreifen, kontrollieren, spionieren – wofür es laut Generalbundesanwalt ja auch so gar keine belastbaren Anhaltspunkte gab und gäbe?

Wen juckt es, dass Google, Facebook & Co. genug über Interessen und Neigungen der Internetnutzer wissen, dass sich aus der Vielzahl von freiwillig oder unbewusst preisgegebenen Daten (ja allein schon aus den "Likes") ein schon nahezu 100%ig stimmiges Persönlichkeitsprofil erstellen lässt, welches ein kriminalwissenschaftlicher Profiler nicht besser zusammenstellen könnte?

Wenn man es erwähnt oder sich dazu verleiten lässt, ob seiner persönlichen Kenntnisse ob dieser Möglichkeiten ein wenig darüber zu informieren und zur Vorsicht zu gemahnen, erhält man entweder ein müdes Lächeln, ein lässiges Abwinken und bekommt nicht selten diesen wundervollen Satz zu hören: „Ich habe ja nichts zu verbergen“. Thema verfehlt, setzen, sechs!

Naja, auf jeden Fall...

...sollst Du kleiner Seitenbetreiber und Blogger das jetzt bitte gefälligst aber sowas von anders, besser und gründlicher machen, denn Du siehst ja, was möglich ist und wen es interessiert.

Wen all das und vor allem Deine Datenschutzerklärung interessieren könnte ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Haufen Scheiße von Abmahnanwälten, der spätestens ab Montag aus seinen Löchern quillt und höchstwahrscheinlich weniger den „Großen“ denn den „Kleinen“ mittels beeindruckender Formulierungen ein flaues Gefühl im Magen verursachen wird und den ein oder anderen Euro aus deren Geldbeuteln zu entlocken sucht.

DSGVO – Datenschutzgrundverordnung

Die DSGVO: Don't panic! Handtuch und Erdnüsse zur Hand? Daumen hoch!

Lasst Euch von diesen weder verunsichern noch einen Cent aus der Tasche ziehen und sorgt schleunigst dafür, dass Eure Datenschutzerklärung (die kein Schwein liest) sauber bestellt ist!!!

Kostenlose Vorlagen und Generatoren hierfür gibt es zuhauf. Dabei ist es nicht notwendig Paragraphen anzuführen, denn die Erklärungen sind nicht für Rechtsanwälte, sondern für Webseitenbesucher gedacht, die das verstehen sollen. Wichtig ist die pointierte Information und der Hinweis auf die Rechte des Seitenbesuchers sowie die Möglichkeit der Kenntnisnahme und Einsicht in verwendete Technik von Drittanbietern und deren Datenschutzrichtlinien (z .B. Facebook, Twitter, Google oder Disqus).

Eine Cookie-Notice-Einblendung ist übrigens nicht zwingend notwendig, wohl aber ein deutlich sichtbarer Hinweis (mit Link) auf die Datenschutzerklärung, z. B. in der Navigation (auch als Unterpunkt) oder im Footer. Idealerweise findet sich ein Hinweis, bzw. ein Link zur Datenschutzerklärung dort, wo persönliche Angaben (mindestens die E-Mail-Adresse) – z. B. zur Nutzung der Kommentarfunktion – gemacht werden müssen. Die Einblendung ist derweil jenen geschuldet, die vergessen haben ihren Kopf aus dem Arsch zu ziehen und gerne behaupten, sie hätten im Falle eines Falles „davon nichts gewusst“, sie seien „darauf nicht aufmerksam gemacht worden“ oder haben „auf der Seite keinen Hinweis gesehen.“ Für jene sind diese unübersehbaren Einblendungen gedacht – und den Haufen Scheiße von Abmahnanwälten.

Und sonst so?

Das Gequatsche darüber, dass diese DSGVO ein Mittel zur Zensur sei, ist derweil vollkommener Blödsinn – sofern man bereit ist, sich 2 oder 3 Stündchen der Unbill der Erklärung und textlichen Verdeutlichung an sich einleuchtender Vorgänge anzunehmen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken.

Ärgerlich bleibt derweil, dass der gemeine Mensch weiterhin Payback-Punkte sammelt, für saudämliche Gewinnspiele Name, Adresse, Wohnort, Telefonnummer und E-Mail-Adresse preisgibt und seine Social-Media-Profile mit privaten Informationen füttert, die man wahrscheinlich nicht jedem auf der Straße einfach so unter die Nase reiben würde.

Sich dann noch darüber aufzuregen, dass Amazon Rekognition geradezu zielsicher in der Lage ist, einen Menschen (und dessen Stimmung) anhand von Fotos zu erkennen (von dieser Stelle aus ein Gruß an alle Instagram-Nutzer und Privat-Foto-Poster), zu analysieren und in einer Masse von Fotografien eindeutig zu identifizieren... .

LG
Der, wo schreibt

P. S.

Grundsätzlich scheint die DSGVO nichts weiter als ein bürokratisches Monster ohne Biss und ein Sedativum für Möchtegern-Bürger/innenvertreter in den Parlamenten Europas, mit welchem sich diese wieder in ihren selbstverliebten Handlungsschlummer begeben und ihr von sich selbst überzeugtes Haupt auf einem mit Paragraphen gepolsterten Inkompetenzkissen ruhen lassen können, denn das Gesetz ändert nichts an Datenhunger und Datenausbeutung, sondern verpflichtet nur zu umfänglichen Hinweisen darauf, wie derlei Tun zukünftig fortgesetzt wird – auf Basis oben stehender Gesetzgebung.

Allein die "Befragung" Mark Zuckerbergs war ein peinliches Desaster für die EU und eine Blüte der Ahnungslosigkeit jener, welche da die teuren EU-Parlamentssessel mit ihrer rektalen Abluft wärmen. Der Mann kam nicht mal ins Schwitzen. Dem entgegen und wie oben ausgeführt: Facebook macht keinen Hehl aus seinem Tun.

Auch adressiert die DSGVO nicht oder nicht umfänglich und abschließend, was mit bisher gesammelten Daten zu geschehen hat, und es ist nicht davon auszugehen, dass jeder Nutzer im Netz die Möglichkeiten zur Datenreinigung bei Google, Facebook & Co. nutzt oder überhaupt nutzen kann, denn die viel zu umfänglichen und unterschiedlichen Schritte, die hierfür bei einer Vielzahl von Anbietern notwendig sind, bringen sogar Fachkundige an den Rand der Verzweiflung – vom Zeitaufwand ganz zu schweigen.

Ein Traum bleibt ein Button auf einer zentralen Website, welche es dem einzelnen Internetnutzer gestatten würde (nach Angabe aller Unternehmen/Dienstleister, bei welchem dieser seine Daten hinterlassen hat) alle dort über ihn gespeicherten Daten herunterzuladen und nachhaltig zu löschen. Doch selbst dann – wie schon jetzt – stellt sich die Frage, inwieweit glaubhaft und nachweisbar sichergestellt werden kann, dass Daten nach Löschauftrag umfänglich von den Datenträgern der Unternehmen und Dienstleister verschwinden.

P. P. S.

Stichwort: Schattenprofil