Bayern ging vor wenigen Tagen als erstes Bundesland konsequent dazu über, die vermeintliche Säkularisierung, sprich die institutionelle Trennung von Religion und Staat, offen als nicht vollzogen anzuzeigen und das Christenkreuz als Ausdruck der eigenen "Staatskultur" voranzustellen.

Wer die "christliche Kultur" als Leitbild voranstellt, meint sicherlich in guter Absicht Werte wie Nächstenliebe, Vergebung und verständnisvolles Miteinander, doch vergisst – mal so nebenbei bemerkt – dass jene Werte, welche die westliche Gemeinschaft als Ausdruck ihrer kulturellen Errungenschaft z. B. gegen den Islam ins Feld führt – namentlich Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Demokratie oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau – gegen Religion, bzw. die christliche Kirchen und deren institutionelle Vertreter und Vasallen erkämpft werden mussten.

Gerne würden wir einen Blick zurückwerfen auf jenen Augenblick, da den ersten Kirchenoberen ab dem Jahre 1450, dem Jahre der Erfindung des Buchdrucks in Europa, dämmerte, dass sie daran waren, die Deutungshoheit über biblische Schriften an jene zu verlieren, welche des Lesens und der Bedienung am eigenen Verstande mächtig waren. Gerne würden wir einen Blick zurückwerfen auf jene Zeiten, da die ersten aufklärerischen Geister begannen, den Fokus auf den Menschen und seine Verantwortung, aber auch auf seine Macht zu lenken, und als deren Geistes Kind die Trennung von Kirche und Staat zu bezeichnen ist, welche da gar im Grundgesetz verankert ist.

Laut Artikel 140 des Grundgesetzes sind die Bestimmungen der Artikel 136, 137, 138, 139 und 141 der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 Bestandteil des Grundgesetzes. Im Wortlaut des Artikel 138 heißt es:

Die auf Gesetz, Vertrag oder besonderen Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen an die Religionsgesellschaften werden durch die Landesgesetzgebung abgelöst.

Was ein bisschen unscheinbar daher kommt, bestimmt nichts anderes, als dass zuvor geschlossene und bestehende Verträge (Geldleistungen) und Eigentumstitel (Ländereien, Immobilien) nichtig und durch Neuregelungen der Länder ersetzt werden mögen.

Deutschland, Gottesstaat? Wie der deutsche Steuerzahler die Kirchen finanziert

"Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt"

Augenblicklich hängen Kreuze wieder verpflichtend in deutschen Amtsstuben und wer glaubte, dem sei nichts hinzuzufügen, wurde dieser Tage kurz und knapp darüber informiert, dass die Kirchen Millionengelder als Entschädigung für Enteignungen erhalten, welche 200 Jahre zurückliegen – ungeachtet der Gesetzgebung und ungeachtet dessen, dass Eigentum und Grundbesitz der Kirchen auf Fundamenten ruhen, welche finsterer und unchristlicher nicht sein könnten. Genannt sei hier nur der Ablasshandel, aber recherchieren Sie selbst.

Wem das nicht genug ist: Entschädigungen seit Gründung der Bundesrepublik

Seit Gründung der Bundesrepublik erhielten die Kirchen trotz o. g. Gesetzgebung etwa 15 Milliarden Euro. Nochmal: Das Grundgesetz verlangt, dem ein Ende zu setzen.

Und falls Sie das noch gar nicht wussten: Kirchenaustritt schützt vor Zahlung nicht

Gehälter von Priestern, Pastoren oder Bischöfen werden nicht etwa aus den Geldern der Kirchensteuer und von den Kirchen, sondern... vom deutschen Staat bezahlt.

Die Kirchen und ihr gutes Werk: Wo Kirche drauf steht, ist meistens der Steuerzahler drin

Wer da glaubt, die Kirche tue Gutes: Diakonie und Caritas werden lediglich zu 1.8% aus kirchlichen Mitteln finanziert (sog. Kirchenquote), der Rest – etwa 50 Milliarden Euro jährlich – gebiert sich aus Zuwendungen der öffentlichen Hand (während die Kirche in diesen Einrichtungen allerdings allein das Sagen hat).

Und da ist ja noch Misereor, das bischöfliche Hilfswerk: Die katholische Kirche beteiligt sich an diesem Hilfswerk mit sage und schreibe 5%. 2010 kamen 63 Prozent des 162-Millionen-Etats vom deutschen Entwicklungsministerium – der Rest gebiert sich aus Spenden.

Und da sind ja noch die kirchlichen Kindergärten... an deren Kosten sich die Kirchen mit nur etwa 5-18% beteiligen. Den Rest bezahlt...? Genau!

Bei Altenheimen und Krankenhäusern trägt der "Träger" Kirche nichts. Dafür tragen diese Häuser Namen wie St. Maria, St. Laurenzius, etc.

Zudem leisten die Kirchen

  • keinen eigenen Beitrag zu den Kosten des Religionsunterrichts
  • keinen eigenen Beitrag zu den Kosten für theologische Fakultäten und kirchliche Hochschulen

Und sonst so? – Die Kirchen und das Steuerrecht

Die Kirche zahlt aufgrund ihres Status' der Körperschaft des öffentlichen Rechts

  • keine Einkommensteuer / keine Körperschaftssteuer
  • keine Vermögenssteuer
  • keine Erbschaftssteuer
  • keine Schenkungssteuer
  • keine Gewerbesteuer
  • keine Grundsteuer
  • keine Grunderwerbssteuer
  • keine Umsatzsteuer
  • keine Zinsabschlagssteuer / Kapitalertragssteuer
  • keinen Solidaritätszuschlag
  • keine Kosten/Gebühren z. B. für Beurkundungen, Beglaubigungen, Grundbucheinträge, etc.

Dementgegen:

Großkonzern, Grundeigentümer & Finanzjongleur Kirche

Der Sozialwissenschaftler Carsten Frerk untersuchte 2001 das Vermögen der Römisch-Katholischen Kirche in Deutschland. Nach seinen Berechnungen summierten sich Ende 2002 die Werte von Grundbesitz, Immobilien, Geldanlagen und Beteiligungen der katholischen Kirche und der zu ihr gehörenden Institutionen auf ein Vermögen von (nachwievor geschätzten) 270 Milliarden Euro.

Die römisch-katholische Kirche ist den Untersuchungen zufolge zudem mit über 8.250 km² Grundeigentum größter privater Grundbesitzer in Deutschland.

Außerdem: Beteiligung/Eigentum an/von:

  • 30 Wohnungs- und Siedlungsgesellschaften (allein die Aachener verwaltet mehr als 24 000 Wohnungen).
  • Zehn Banken (u. a. PaxBank, Liga Bank)
  • Versicherungen (Bruderhilfe, Ecclesia)
  • 70 Hotels und 160 Kolpinghäuser
  • diverse Gästehäuser in Klostern
  • Brauereien wie die Klosterbrauerei Andechs
  • hochwertige Weingüter in Trier und Rüdesheim u. v. m.
  • TV-Firma Tellux, München (Dokus, Kino- und TV-Filme (u. a. Tatort, Polizeiruf 110))
  • Nachrichten-Agentur KNA
  • Weltbild-Verlag (1,6 Milliarden Umsatz)
  • Dom-Radio
  • Spielwarenhändler ­Kidoh
  • u. v. m.

Carsten Frerk: Violettbuch der Kirchenfinanzen
Wirtschaftswoche: Großkonzern Kirche
Süddeutsche: Mit gutem Glauben wirtschaften

Körperschaft des öffentlichen Rechts? Gemeinnützig? Christlich? Da hat wohl jemand entscheidende Bibelstellen überlesen. Obgleich: Der Hirte ist ja schließlich kein Schaf, nicht wahr!?

Sehenswert:
Vergelt's Gott - Der verborgene Reichtum der katholischen Kirche (ARD)

Deutschland 2018: Gottesstaat