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Peter Müller (Name von der Redaktion geändert) zählt seit Jahren zur unbekannten Spitze der "Anonymen Prominenten" in Deutschland. Entgegen der aus Tagespresse, Rundfunk und Fernsehen bekannten Polit-, Film- oder Wirtschaftsprominenz bedeutet sein Alltag jeden Tag auf's Neue einen kräftezehrenden Kampf gegen die öffentliche Aufmerksamkeit. Peter Müller erklärte sich nun bereit, sich in einem Interview unseren Fragen zu stellen.

Anonyme Prominente: Die stillen VIP's

Anonyme Prominente: Die stillen VIP's

Der Zeitspiegel: Herr Müller, sie sind der breiten Öffentlichkeit, aber auch ausgewählten Kreisen in Politik, Wirtschaft, Film und Fernsehen vollkommen unbekannt. Wie wirkt sich dieser besondere Umstand auf ihr Leben aus?

Peter Müller: Ja, es ist schon so, dass ich bei ganz alltäglichen Dingen, wie z. B. dem Einkauf im Supermarkt oder auch beim Spazierengehen häufig nicht angesprochen, oder, wie erst vor wenigen Tagen in der Fußgängerzone, völlig ignoriert werde. Es kommt auch nicht selten vor, dass ich ständig unbehelligt bleibe. Es ist quasi ein Dauer-Spiessrutenlauf und man muss lernen, damit umzugehen.

Der Zeitspiegel: Bereits seit Jahren leben sie abgeschieden in einem kleinen Örtchen im Odenwald, ohne in den Medien oder zu besonderen publikumswirksamen Anlässen in Erscheinung zu treten. Ist das auf Dauer nicht sehr anstrengend und leidet ihre Familie nicht auch darunter?

Peter Müller: Natürlich. Gerade zu populäreren Anlässen ist es für die Familie schon eine größere Belastung als sonst, da ich ja zuhause bin und das eben noch normale Familienmitglied plötzlich Gegenstand gesteigerter fehlender öffentlicher Aufmerksamkeit ist. Das bekommen natürlich auch die Nachbarn nicht mit, was das Leben in unserem Ort, vor allem für meine Familie, deutlich erschwert.

Der Zeitspiegel: Sie haben in den letzten zwei Jahrzehnten in zahlreichen Filmen, Fernsehserien, Theaterstücken, aber auch auf internationalen Musikwettbewerben, wie dem Eurovision Song Contest, nicht mitgewirkt. Wie schaffen sie es bei diesen vielfältigen Aufgaben überhaupt noch, den Überblick zu bewahren und ihrem engen Terminkalender nachzukommen?

Peter Müller: Insgesamt ist es natürlich ein ungeheurer Druck, der da auf einem lastet. Alle diese Termine nicht wahrzunehmen oder in kurzen Abständen immer wieder neue Rollen und Engagements völlig zu vernachlässigen, verlangt ein hohes Maß an Disziplin. Abwesenheit will organisiert sein und mein Tagesablauf ist von daher auch straff destrukturiert, Fehler kann ich mir da kaum erlauben.

Der Zeitspiegel: Die "Anonymen Prominenten" zählen zu einer der mitgliederstärksten Vereinigungen in Deutschland und sind in keinem Vereinsregister verzeichnet, dennoch erfreuen sie sich einem stetigen Zulauf. Wie lässt sich eine derart große Organisation, deren 1. Abwesender sie sind, überhaupt verwalten?

Peter Müller: Der Zeitaufwand, der nicht für die Verwaltung aufgewandt werden muss, ist enorm. Am Ende eines Tages bleibt da nicht mehr viel Zeit, Freunde und Familie zu ignorieren. Das sind schon spürbare Einschränkungen.

Der Zeitspiegel: Sie haben zu diesem sensiblen Thema ein sehr detailliert recherchiertes, feinfühliges Buch nicht geschrieben. Wie erklären sie sich das überwältigende Desinteresse an ihrem Werk?

Peter Müller: Mir war es sehr wichtig das Thema in aller Ausführlichkeit zu verschweigen. Ich denke, dass vor allem die Irrelevanz meiner nicht niedergeschriebenen Gedanken zum grandiosen Nichterscheinen des Buches beigetragen hat. Dass es gleich so ein großer Erfolg werden würde, hätte ich mir im Leben nicht träumen lassen.

Der Zeitspiegel: Herr Müller, wir danken für dieses Gespräch.