Namen wie Isayas Afewerki, Muammar al-Gaddafi, Kim Il-sung, Kim Jong-il, Saddam Hussein, Mobutu Sese Seko, Pol Pot, Idi Amin, Robert Mugabe, Nicolae Ceaușescu, Augusto Pinochet, Alfredo Stroessner, Erich Honecker, Mao Zedong, Francisco Franco, Josip Broz Tito und nicht zuletzt das ewige Dreigestirn Adolf Hitler, Benito Mussolini und Josef Stalin sind strahlende Leuchtfeuer am Diktatorenhimmel. Die Zahl der Diktaturen der Welt ist gegenwärtig jedoch stark rückläufig, Demokratisierungen untergraben die politische und wirtschaftliche Stabilität ganzer, bis dato verlässlich im Zaume restriktiver Führung gehaltener Regionen und Völkerbünde.

Deutschland hat in Sachen Diktatur einen enormen, international anerkannten Erfahrungsvorsprung. Ein klarer Standortvorteil für die im Januar eröffnete Fachhochschule für Diktatur, Demagogie und Despotismus in Berlin. Institutsleiter Wahnfried Keller erläutert den Studienplan.

Diktatoren: Es fehlt an Nachwuchs

Dem ambitionierten Diktatorennachwuchs eine Chance!

DER ZEITSPIEGEL: Herr Keller, ihr Lehrinstitut konzentriert sich auf die Vermittlung fachspezifischer Sachkenntnisse auf dem Gebiete der Diktatur und des Despotismus. Gibt es dort Bedarf?

Wahnfried Keller: Die jüngere Geschichte, insbesondere die Ergeignisse im Irak, Libyen und der Arabische Frühling haben gezeigt, dass der Wegfall von diktatorischen Systemen die jeweiligen Regionen nachhaltig destabilisieren. Hier hat sich der Fachkräftemangel besonders heftig niedergeschlagen, was auch von einer minderwertigen Qualifikation der abgesetzten Amtsinhaber zeugt – und die wurde letztlich von den Bürgern, wenn auch nicht seltenmit Hilfe Dritter, abgestraft. Wir haben von daher beschlossen einen Master-Lehrgang "Diktatur" ins Leben zu rufen, auch um den in schweren Verruf geratenen Beruf wieder salonfähig zu machen und zahllosen Talenten auf diesem Gebiet eine Perspektive zu bieten.

DER ZEITSPIEGEL: Wie dürfen wir uns den Lehrplan des Studienganges vorstellen.

Wahnfried Keller: Erster wichtiger Bestandteil ist das Fach "Machtergreifung". Hier gibt es verschiedene Wege, sich einen Platz an der Spitze eines Staates zu sichern. Die Bandbreite reicht von der Initialisierung eines Volksaufstandes mittels hierfür notwendiger False-Flag-Operationen (2, 3) oder Desinformation sowie Wahlmanipulation bis hin zum amtlichen Militär-Putsch. Wichtig ist dabei, vor allem sich selbst an die Spitze der Bewegung zu setzen und bei der Vertretung der jeweils notwendigen Inhalte die Deutungs- und Weisungshoheit zu behalten. Deshalb ist das zweite Hauptfach auch die "Propagandistische Psychologie und Menschenführung". Das Nebenfach "Medienkompetenz und Propaganda" sorgt hierbei für praktische Kompetenzen hinsichtlich der - wenn sie so wollen - Selbstvermarktung.

Im Fach "Recht" vermitteln wir einschlägige Grundlagen zur Gestaltung einer hieb- und stichfesten Verfassung. Es ist sozusagen die schusssichere Weste der diktatorischen Jurisdiktion – welche aber nicht zwingend in Kraft treten muss.

"Außenpolitik und Außenwirtschaft" adressieren die Nutzung von Vorteilen, die sich z. B. im Falle des Vorkommens von ergiebigen Bodenschätzen oder anderer natürlicher Ressourcen, wie z. B. billigen Arbeitskräften oder Sonnenstränden, ergeben. Die Schaffung steuerlicher Vorteile für ausländische Anleger und Investoren und ein damit verbundenes, striktes Bankgeheimnis ist darüber hinaus für bi- und multilaterale Bündnisse extrem förderlich. Diese Faktoren wiegen deutlich schwerer als die vermeintlich demokratischen Grundsätze der meisten Handelspartner.

Das darauf aufbauende Fach "Machterhalt" fasst schlussendlich die Inhalte der vorangegangenen Fächer nochmals zusammen und konzentriert sich auf die praktische, hierbei nachhaltige Anwendung derselben und thematisiert auch die Einrichtung eines funktionierenden Überwachungsapparates zur Gewährleistung der Einhaltung diesbezüglicher Qualitätsstandards.

DER ZEITSPIEGEL: In Ihrem Exposé ist von "namhaften Gastdozenten" die Rede.

Wahnfried Keller: Im Zuge der Vorbereitungen konnten wir wertvolle Kontakte knüpfen. Ein Highlight ist ohne Frage eine Gastdozentur des Großen Führers Kim Jong Un, der im Rahmen unserer Vorlesungsreihe zum Thema "Personenkult und Diktatur" persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse zum Besten geben wird. Desweiteren sind wir im Gespräch mit Robert Mugabe.

DER ZEITSPIEGEL: Gibt es auch handwerkliche Fächer?

Wahnfried Keller: Der Aufbau einer Drohkulisse könnte diesem Bereich zugeordnet werden, ist aber in den Fächern "Machtergreifung" und "Machterhalt" enthalten.

DER ZEITSPIEGEL: Ein Bestandteil des Faches "Propaganda" ist die Rhetorik. Wo dürfen wir hier den Fokus verorten?

Wahnfried Keller: Sehen sie, es gibt viele Menschen, die einem Esel die Beine wegdiskutieren können, aber nur wenige, die ihn danach zu einem Spaziergang überreden können. Hier ist unser Ansatz.

DER ZEITSPIEGEL: Wie lauten die Zugangsvoraussetzungen für Diktatoren in spe?

Wahnfried Keller: Unbedingter Wille zur Macht gepaart mit psychopathologischen Charaktermerkmalen sind schon einmal gute persönliche Voraussetzungen. Alles andere schießt sich dann schon ein.

DER ZEITSPIEGEL: Ist der Studiengang auch für Frauen geeignet?

Wahnfried Keller: Selbstverständlich sind auch Diktatorinnen willkommen. Wir bieten sogar eine eigene Kinderbetreuung mit angeschlossener frühkindlicher Erziehung.

DER ZEITSPIEGEL: Und wie darf sich ein Absolvent ihres Instituts nach erfolgreichem Abschluss nennen?

Wahnfried Keller: Diktator M.A.

DER ZEITSPIEGEL: Wir danken für das Gespräch.