Filmtipp: Amazonas Bongartz

"Echt jetzt?" – Washington Post

Nach Betrachtung der jüngst im ZDF ausgestrahlten Dokureihe "Wanderungsbewegungen des Hausstaubes im Laufe eines Jahres in Zeitlupe mit selbst komponierter Musik" von Gunter von Bielefeldt musste ich spontan an die Uraufführung des 8einhalbstündigen filmischen Mammutwerks "Amazonas Bongartz“ von Wolfgang Bongartz denken.

Wolfgang Bongartz war ein blinder Abenteurer, der während seiner 4jährigen Amazonas-Expedition gegen jeden Baum gerannt ist, der sich ihm zwischen Orinoco und Rio Madeira in den Weg stellte. Die filmische Dokumentation dieser Forschungsreise stellt die Rohmasse dieses besonderen Autorenfilms dar, der vor 4 Jahren in ausgewählte Programmkinos der Republik gelangte.

Inmitten der widrigen und abenteuerlichen Reise verblieb der Objektivschutz der Kamera Bongartz' während der Dreharbeiten durchgehend an Ort und Stelle. Auch übernahm Bongartz den Schnitt der Endfassung, und genau hieraus erwuchs "Amazonas Bongartz" zu dem intensiven und eindrücklichen Werk, dessen nahezu vollständiger Verzicht auf Ton (als akustische Versinnbildlichung der Blindheit Bongartz’) die künstlerische Freiheit, Ambition, Qualität und Einzigartigkeit dieses "cineastischen Allein-Seins" (Le Monde) zu unterstreichen weiß.

Der Film ist der dritte und abschließende Teil er Trilogie "Schlümm", die mit "Wir sind hinter dem Auto, das vor uns fährt" ihren furiosen Anfang nahm, und mit "Das Taschentuch kann man aber schon noch mal benutzen" den Brückenschlag zum nun vorliegenden Werk zu schaffen wusste.


Offizieller Trailer


Kritiken (Auswahl):

Cannes-Jury-Mitglied Alejandro Gonzalez Inarritu schrieb nach dem Besuch der Uraufführung noch während seiner Wiederbelebung vollkommen unterzuckert: "Meine Fresse!"

Die New York Times* schwärmte: "Eine an Ebbe erinnernde Bilderflut inmitten eines eindringlichen Klangteppichs, der die uns vertraute Stille als schreiende Karikatur unserer Selbstentfremdung entlarvt, doch im Kern nicht von uns, sondern der Reise Bongartz’ zu sich selbst erzählt."


* An dieser Stelle möchten wir William Francis Swifithes gedenken, der sich nach dem Verfassen seiner Filmkritik für die New York Times in den Wellensittichkäfig seines Meerschweinchens "Hubi" zwängte, und seither in der Überzeugung lebt, ein Exkrement des inzwischen leidlich erdrückten Nagers zu sein.

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