Staub ist in der Regel erst dann sichtbar, wenn sich Partikel-Einzelgänger zu Gruppen zusammenschließen. Bis dahin sorgen zumeist Luftströmungen und -wirbel in Verbindung mit ungünstiger Sonneneinstrahlung für störende Eindrücke, und das Zuziehen von Vorhängen oder das Herunterlassen von Rolladen und/oder Jalousien bewirkt ohne großen Aufwand wahre Wunder hinsichtlich der Verhinderung optischer Auslöser von Reinigungszwängen.

Erst wenn sich vereinzelte Staubgruppen in zunächst unscheinbaren, doch zusehends einer Absicht ähnelnden Bewegung zu Haufen zusammenschließen, ist Ihre Aufmerksamkeit gefragt, zumindest aber die Beobachtung der wolkengrauen Ansammlungen zu empfehlen. Ein aktives Eingreifen Ihrerseits ist zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht angezeigt, und Sie dürfen sich ohne unnötiger Selbstverpflichtungsgedanken anderen, vergnüglicheren Dingen zueignen. Aber Achtung, behalten Sie sie im Auge!

Ich habe doch gerade eben erst sauber gemacht!?

Von Relevanz für die Ausgestaltung einer nachhaltigen Haushaltsreinigung ist derweil der Augenblick, in welchem sich innerhalb der aus den Haufen erwachsenden Staubkomplexe (Kulturen) die Entwicklung von Ansätzen von Sprache nicht mehr ganz von der Hand weisen lässt. Bewusst artikuliert anmutende Laute oder gar damit einhergehende, vernehmbare Reaktionen anderer Haufen sind sichere Zeichen einer sich in fortgeschrittener Entwicklung befindlichen, zum Teil bereits selbst bewussten Hausstaubpopulation.

An dieser Stelle gilt es nun nicht allzu viel Zeit verstreichen zu lassen, denn junge Hausstaubzivilisationen bergen ein hohes, nicht zu unterschätzendes Widerstandspotential. Staubsauger sind hier bereits machtlos, der microfaserbetuchte Wischmop ein hausstaubbelächelter, realexistierender Beweis menschlichen Aberglaubens, und es ist mit im Untergrund operierenden Hausstaub-Zellen zu rechnen, die sich guerillataktischer Wehrmuster zu bedienen wissen.

Frühjahrsputz: Neuhegelianischer Hausstaub

Eine dem neuhegelianischen Hausstaub nicht würdige Artikelillustration

Kontrollverlust: Hausstaub-biotopistischer Existentialismus neuhegelianischer Prägung

Als fast schon zu spät ist der Augenblick zu bezeichnen, in dem Sie in Ihren 4 Wänden häufiger Ihren Namen hören, obgleich keine weiteren Personen anwesend sind. Der Grund für die Brisanz des Augenblicks liegt weniger in dem Umstand, als dass der Hausstaub sich grundsätzlich als aufdringlich erweisen oder gar eigenwillige Forderungen in den Raum stellen könnte, denn in der Problematik des sich zunehmend als komplizierter erweisenden Kommunikationsniveaus, welches ein ab einer gewissen Entwicklungsstufe unabwendbares Anwachsen des Wortschatzes mit sich bringt, in dessen Folge die exponentiell ansteigenden Fähigkeiten zu differenzierteren verbalen Auseinandersetzungen nicht ohne Konsequenzen bleiben. Diskursive Daseins-Grundsatzdebatten mit Hausstaubkulturen existenzphilosophischer Prägung haben sich im Laufe der Jahrhunderte denn auch zunehmend als zermürbend erwiesen.

Die bei Beerdigungszeremonien bemühte Formulierung "Asche zu Asche, Staub zu Staub" findet ihren Urgrund entgegen landläufiger Auffassung nicht in der Absicht der metaphorischen Demutsbekundung gegenüber der Vergänglichkeit allen Seins angesichts der Ewigkeit der Herrlichkeit des Herrn, sondern in dem sehnlichen Wunsch, wenigstens nach dem Tode vom Staube getrennt zu sein. Dieser raubte den Menschen schon zu Zeiten des Frühmittelalters in nächtelangen Diskussionen rund um die Haushaltshygiene und damit verbundenen Anliegen des Hausstaubes den Schlaf, und zehrte an den Kräften der hart arbeitenden Bevölkerung.

Hat Hausstaub einmal die Schwelle zur existenz-philosophischen Selbstbetrachtung, idealistischer Thesenbildung und – Gott bewahre – hegel'schen Daseins-Dialektik überschritten und einen Rechtsanwalt, wird es für den Otto-Normal-Haushaltenden schwierig, ja nahezu unmöglich, einer Reinigungsdebatte (für Hausstaub ein daseinsphilosophischer Affront und ein Wohnrechtsentzug ohne Wahrung der Kündigungsfrist auf Basis unreflektierter Willkürlichkeit infolge unkritischer, eigenmoralistischer, metaphysischer Präjurisdiktion) ohne Verlust seiner bis dato unbefleckten Selbstverständlichkeit standhalten zu können. Hier hilft am Ende nur noch die Lektüre der Grundlagen der philosophischen Antrophologie im Kontext hausstaub-biotopistischen Existentialismusses neuhegelianischer Prägung – oder ein Wohnungswechsel.