Endlich Sonntag. Der Kaffee ist gerade durchgelaufen und erfüllt den Raum mit einem angenehmen Duft. In Verbindung mit frisch geschmierten Marmeladenbrötchen fast unschlagbar. Ein Blick in die Tageszeitung ist trotz des volksmusikalischen Gedudels meines Lieblingssenders ein kleiner Dämpfer: Kein Raumgewinn der Bundeswehr in der Türkei. Man beschwert sich über unhaltbare sanitäre Verhältnisse in einem Verwaltungsgebäude, welches den Oberen zur Verfügung gestellt wurde, während seit der Stationierung unserer Truppen nicht ein Soldat den Strand betreten hat, um urdeutsche Interessen am Mittelmeer zu sichern. Wofür zahlt man eigentlich Steuern? Kaltsanierung statt Feldzug?

In Syrien brodelt es seit Monaten, aber eine verirrte Granate macht eben noch keinen anständigen Verteidigungsfall. So locker der Finger über dem Abschussknopf der Patriot-Batterien in der Feuerleitzentrale auf ein Freigabezeichen in Form eines Einschlages in der Nachbarschaft auch wartet, am Ende wird man mehr mit dem Rostschutz anstatt mit Zielstatistiken beschäftigt sein. Und in ein paar Monaten packt man den Krempel unvollendeter Dinge wieder ein und bezieht Stellung in der heimischen Kaserne. Die ist wenigstens sauber und man muss sich vom eigenen Verteidigungsminister nicht auch noch anhören, man hätte ein überhöhtes Bedürfnis nach Wertschätzung, während man im Ausland dazu verdammt ist, sich das Profil der Kampfstiefel in den Bauch zu stehen. Die Gefahr, im Falle des Verlassens einer Kugel des Laufes des Sturmgewehrs vor einem Untersuchungsausschuss Rede und Antwort stehen zu müssen, ist hier weit größer, als die einer dem Beruf entsprechenden Kampfhandlung mit betriebsbedingtem Schusswechsel. Das ist frustrierend. Jahrelange Ausbildung, Manöver im Matsch und wofür? Ringelpiez ohne Anfassen.

Indes diskutiert das EU-Zirkusdirektorium ob der italienischen Wahlergebnisse die Zurechnungsfähigkeit der Italiener und erwägt den Ausruf des europäischen Pflegefalls. Damit können die Sanitäter-Korps nicht dienen. Schon das vorrätige Verbandsmaterial ist zur Gänze ungeeignet für den Einsatz und Feld-Notenpressen stehen nicht zur Verfügung. Und gerade betreffs Italien standen die Chancen für ein standesgemäßes Scharmützel gar nicht schlecht: Die Parteipropaganda Silvio Berlusconis malte schon herrliche Feinbilder an die brüchigen Wände des italienischen Selbstverständnisses und der militärische Konflikt schien in gnädiger Reichweite.

Der Duce: Silvio Berlusconi

Der Duce: Silvio Berlusconi

Peer Steinbrück wusste mit der Sensibilität eines fallenden Bügeleisens dem losen Zerwürfnis noch die richtige Brandmarke zu verpassen und Beppe Grillo schwor Italien unlängst auf den Untergang ein. Alles gute Voraussetzungen für sinnvolle Truppenbewegungen. Und wenn man schon dabei gewesen wäre... naja... von Bari oder Brindisi ist es nur noch ein Katzensprung nach Griechenland...

Euro-Krise: Besetzung Griechenlands

...nein, nein. Nicht Panzer! Lastwagen voller Euronoten. Wir sehen imposante LKW-Kolonnen beladen mit noch imposanteren Mengen Bargeldes. Die Straßen sind gesäumt von begeisterten Menschen, welche, den Tränen nahe, mit zuvor über den hellenischen Dörfern und Städten abgeworfenen Deutschlandfähnchen winkend, die "Besatzer" in ihre Euro-geschwächten Arme schließen und sich als weit dankbarer erweisen, als sich dies eine Heeresleitung je hätte ausmalen können.

"Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen."
(Lieutenant Colonel Bill Kilgore / Apocalypse Now)