Im Falle der Vergiftung des ehemaligen Doppelagenten Skripal und seiner Tochter im englischen Salisbury haben sich nach Vorlage einer Expertise die Vorzeichen geändert. Laut Geheimdienstexperten deute "die stümperhafte Durchführung" und "laienhafte Spurenlage" nicht auf Drahtzieher im Dunstkreis des russischen oder anderweitig professioneller Geheimdienste hin.

Dem Bericht zufolge unterstreiche eine Vielzahl von Indizien, dass das Nervengift-Attentat weniger der Federführung professioneller Planung, denn eines tölpelhaften Vorgehens entspricht und verweist auf folgende Fakten:

1.
Das laut britischen Regierungsvorwürfen mutmaßlich eingesetzte Nervengift "Nowitschok" ist absolut tödlich. Schon der Kontakt mit einer geringen Menge des – gegenüber VX offenbar um ein Vielfaches giftigeren – Stoffes führt irreversibel zum Tod.

Laut aktueller Untersuchungslage fanden die Ermittler die höchste Konzentration des Giftes an der Haustür des Opfers. Da davon ausgegangen werden muss, dass das Gift zum Zwecke der Herbeiführung des größtmöglichen Körperkontaktes nicht unter die Fußmatte, sondern an die Türklinke verbracht wurde, handelt es sich entweder um ein minderwertiges Plagiat oder um das Fehlen professioneller Tötungskompetenzen.

2.
Der den bewusstlosen Opfern zu Hilfe geeilte Kriminalmeister Nick Bailey wurde nach Kontakt mit den Opfern mit Übelkeits-, bzw. vermeintlichen Vergiftungserscheinungen in das örtliche Krankenhaus eingeliefert - und nach kurzer Zeit entlassen. Im Rahmen des Einsatzes oben genannten Nervengifts hätte dieser die Klinik entweder in einem Sarg oder erst Wochen später verlassen können.

3.
Die Feststellung, bzw. Beweisführung der britischen Regierung (erneut angeführt durch den britischen Botschafter in Deutschland, Wood), dass es sich bei Nowitschok um ein ausschließlich russisches Nervengift handele ("So its a Russian-only nerve agent)" ist falsch: Nowitschok wurde vom Iran – in Zusammenarbeit mit der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) – im Jahre 2016 erfolgreich und somit unter internationaler Aufsicht synthetisiert.

4.
Bezüglich der eindeutigen Verwendung von Nowitschok widerspricht auch der britische High Court in seinem Bericht (PDF) den Behauptungen der Regierung, es handele sich eindeutig um ein, bzw. das in Russland hergestellte Nervengift: Auf Seite 10, unter Punkt 17.1. stellt dieser unter Berufung auf eine Analyse der Chemie- und Biowaffen-Forschungseinrichtung Porton Down fest:

"Blood samples from Sergei Skripal and Yulia Skripal were analysed and the findings indicated exposure to a nerve agent or related compound. The samples tested positive for the presence of a Novichok class nerve agent or closely related agent."

("Blutproben von Sergei Skripal und Yulia Skripal wurden analysiert und die Ergebnisse weisen auf die Belastung mit einem Nervengift oder einem verwandten Gemisch auf. Die Proben wurden positiv auf die Präsenz eines Nervengifts der Nowitschok-Klasse oder eines diesem ähnlichen Wirkstoffes getestet")

5.
Um Nowitschok (aus russischer Hand) nachweisen zu können, bedarf es nach Expertenaussage (REUTERS: How do we know it was Novichok) einer Vergleichsprobe. Das Vorhandensein einer derartigen Probe in Porton Down hätte der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) gemeldet werden müssen - was nicht der Fall ist. Sollten Proben dieses Nervengifts in Porton Down vorhanden sein, so stellt dies einen Verstoß gegen das Verbot chemischer Waffen dar, womit Großbritannien – im Gegensatz zu Russland – zum gegenwärtigen Zeitpunkt gegen internationales Recht verstoßen würde.

6.
Ein mit einem nicht unbeträchtlichen Arbeitsbudget ausgestatteter Geheimdienst mit langjähriger internationaler Erfahrung nutzt einen nicht unwesentlichen Anteil der zur Verfügung stehenden Mittel und seiner Arbeitszeit zum Zwecke der Vermeidung der Entstehung von Tätigkeitsnachweisen. Einem wenn nicht gefürchteten, doch respektierten Geheimdienst wie dem FSB wird man bei aller Opposition wohl kaum unterstellen wollen, zwischen Opfer und Täter quasi einen roten Wollfaden zu spannen und am Tatort auch noch eine Wanderkarte in Form eines lokal zuortenbaren Tatmittels zu hinterlegen.

7.
Jenen, welche oben aufgeführte und jedermann zugängliche Kenntnisse ignorieren und augenscheinliche Falschinformationen dazu instrumentalisierten, eine internationale Krise heraufzubeschwören, bescheinigt die Expertise eine schwerwiegende, pathologische Schwachköpfigkeit. "Die Welt hätte doch ein Quentchen mehr an Raffinesse verdient", heißt es in einer persönlichen Anmerkung der Verfasser. Dieses Tun deute doch eher darauf hin, dass man Großteile der Weltbevölkerung für nicht einmal annähernd so intelligent halte wie Petersilie.

Im Anschluss an diesen zugegebenermaßen unlustigen und gar anmaßenden Artikel eines besserwisserischen Autoren und verhinderten Möchtegern-Aufklärers ein süßes Katzenbildchen:

© Lexa Karas on Funny Cat pictures – CC BY-SA 3.0


Nachtrag vom 24.07.: Kurios: Ein Mann findet ein flaconähnliches Fläschchen auf der Straße und schenkt es – ohne den Inhalt zu prüfen – seiner Frau, welche daraufhin an einer Nervengift-, bzw. Nowitschokvergiftung stirbt. Dies geschah in Amesbury:

Quelle: BBC