Großes Autorenkino: Wim Wenders verfilmt "Der Herr der Ringe"

Der "Neue Deutsche Film" ist zurück. Und das gleich mit einem Blockbuster aus der Hand einer lebenden Legende.

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Wim Wenders, deutsche Regie-Ikone und bekannt für Filme wie etwa "Paris, Texas" oder "Der Himmel über Berlin", wird das Fantasy-Epos "Der Herr der Ringe“ neu verfilmen. Wenders selbst spricht von einer "meta-ebenen Neuinterpretation" des fulminanten Romanstoffs von J. R. R. Tolkien und gewährte dem ZEITSPIEGEL einen Einblick in die auf Hochtouren laufenden Dreharbeiten im Studio Babelsberg.

Wim Wenders verfilm "Herr der Ringe"

Konsequent formal-funktionale Neuinterpretation: Wim Wenders' "Der Herr der Ringe"

Inszeniert als Kammerspiel und in schwarz-weiß gedreht, nutzt Wenders weder Licht- noch Spezialeffekte und wird den Film in seiner Endfassung quasi im Rohschnitt belassen. Die komplette Handlung des sich auf über 1500 Buchseiten erstreckenden Originals konzentriert Wenders dabei gekonnt auf die Vorgänge in einem einzigen, bis auf einen Stuhl, einen Tisch und eine dimmbare Deckenlampe unmöblierten Raum. Lediglich eine Fototapete mit collagierten Motiven der Berliner Mauer und einem Kartoffelacker unterstreicht den dramaturgisch wie optisch radikal auf individuelle Selbstprojektionen des Zuschauers ausgerichteten Bildhorizont.


Synopsis

Frodo Beutlin wächst in einer Gartenbausiedlung am Stadtrand von Berlin im Spannungsfeld kleinbürgerlichem Selbstverständnisses und den überbordenden Selbst- und Lebenslügen des wahnhaften Onkels auf. Nachdem dieser ihn zugunsten der Liebe zu einer Gruppe androgyner Lyriker verlässt, erkrankt Frodo an einer Entzündung des Magen-Darm-Trakts und leidet in dessen Folge unter einer schmerzbedingten Gesichtslähmung, die ihm nur noch wenig erkennbare, mimische Gefühlsexpositionen erlaubt. Dem Ruf eines ambivalenten "Zauberers" folgend, führt ihn der Weg schließlich zum Torfstechen an den fernen Oderbruch.


Sämtliche Hauptrollen in Wenders' Inszenierung werden von einer bewegungs- und ausdruckslosen Schaufensterpuppe (grandios: Til Schweiger) verkörpert. Dabei vermag es Wenders wie kein anderer, die zu inneren Monologen "gegen-transzendierten" Dialoge auf zentrale Kernaussagen zu verdichten. Während des gesamten Filmes, den Wenders auf eine ungefähre Länge von 6 Stunden taxiert, werden gerade einmal 136 Worte gesprochen.

Die konsequent formal-funktionale Verfilmung von "Der Herr der Ringe" steht im schrillen Kontrast zu den im Vergleich bunten und vielschichtigen Bild- und Erzählebenen vergangener Werke wie "8 Tage Grau" oder "Die Taufe der Mia Sophia Anna Lena Emily Marie Lina Leonie Amelie Louise Johanna Nele Laura Lilly Lara Mila Maja Charlotte Sarah Frida Ida Klara Greta Pia Lotta Lia Matilda Ella Melina Julia Paula Alina Mira Zoe Marlene Elisa Viktoria Isabell Jana Amy Koch".

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