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Wenn der Himmel in den warmen Sommertagen seine für die Region typische nassgraue Farbe annimmt, die Pflanzenwelt in ihrer manigfaltigen Blütenpracht genau an diesem friedlichen Örtchen Enthaltsamkeit übt und der aus der tiefergelegenen Talebene emporwehende Aufwind von schwer um sich greifenden Durchfallerkrankungen kündet, dann bleibt hier auf den Anhöhen des Inzesttales alles so wie es ist und vor allem unter sich. Auch die Tourismusindustrie hat dieses nahezu unberührte Fleckchen Erde nun entdeckt und vermeidet dessen Erwähnung in ausgewählten Reiseführern.

Inzest-Tal

Nur schwer zu erreichen: Das Inzest-Tal und dessen Bewohner

“Die nächste Degeneration wird es richten”

Das Inzesttal ist nur schwerlich zu erreichen und umgekehrt finden nur wenige den Weg hinaus in die Welt. Die Wenigen, die sich aufmachten, sich anderswo ein neues Leben aufzubauen, kehrten zumeist noch am Tag ihrer stets freudig gefeierten und von besten Wünschen begleiteten Abreise irritiert zurück und mieden enttäuscht jeden weiteren Gedanken an einen erneuten Aufbruch. Die Ursache hierfür findet sich unter anderem in dem unwegsamen und von keiner bemerkenswerten Landmarke geprägten Gelände, häufiger jedoch in den von den Nachbargemeinden aufgestellten Wegweisern, die ihrerseits großen Wert darauf legen, dass sich ihre Wege mit denen der Bewohner von Alt-Inzesting nicht allzu häufig kreuzen. Trotzdem hat man hier die Hoffnung nicht verloren und der örtliche Wahlspruch "Die nächste Degeneration wird es richten" erfüllt die Herzen mit Zuversicht.

Innerfamiliäre Demografie

Alt-Inzesting ist ein Ort, wo man nicht so gerne in den Genpool springen möchte und doch erscheinen die Bewohner auf ihre Art liebenswert und zuvorkommend. Die Folgen der "innerfamiliären Demografie" sind unübersehbar. Ein jeder ist hier geplagt mit dem ein oder anderen "Zipperlein", weit die meisten leiden unter ungebremstem Speichelfluss und einem deutlichen Sprachfehler. Der IQ liegt knapp über Zimmertemperatur und - ein besonderes Merkmal der hiesigen Bewohner - alle sehen sich erstaunlich ähnlich. "Wir verheiraten hier auch nur Männer mit Frauen. Alles andere ist üble Nachrede", sagt Bürgermeister Karl Alois sichtlich um eine deutliche Aussprache bemüht und auch sein Bruder und Vater, Ernst Alois, winkt auf "das Thema" angesprochen verärgert ab. Die 342 Einwohner zählende Gemeinde - Alt-Inzesting im Tal, Neu-Inzesting knapp 350m darüber gelegen - kommt mit einem Familiennamen im Telefonbuch aus und ist stolz auf die enge Verbandelung der Menschen hier.

Inzest-Tal

© "Typ": Roger Ballen

Eldorado

Trotz aller Beschränkungen ist man auf Gäste vorbereitet und das (einzige) Gast- und Gästehaus "Bei Alois'" lädt ein zum gemütlichen Verweilen. Viele Gäste kommen nicht und der Gastwirt, der mit seiner Schwester und Mutter und Mutter seiner 3 Kinder hier für heimelige Nestwärme sorgt, schimpft über die erst jüngst verweigerte Aufnahme der Gemeinde in den regionalen Tourismusverband. "Schteckn doch oll mittannand unt' ana Deckn!", sagt er, und wischt mit seinem Hemdsärmel die soeben verlorenen Speicheltropfen von der Speisekarte und empfiehlt mit demselben, olfaktorisch stark belasteten Atemzug, das Tagesgericht.

Eine Spezialität ist die Inzesttaler Murmeltiersuppe. In Ermangelung eines gelernten Schlachters werden die Tiere für diese Suppe gefangen, rasiert und die Haare ausgekocht. Das Inzesttal hat sich durch dieses und zahlreiche weitere eigenwillige Murmeltierrezepte zum Tal mit der höchsten Dichte traumatisierter Murmeltiere gemausert und ist auch ohnedies ein Eldorado für Verhaltensforscher.

Wir wünschen eine gute Reise!