Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

seit den Sommertagen läuft ein Abmahnverfahren gegen DER ZEITSPIEGEL, bzw. gegen mich - verbunden mit einer Kostennote in Höhe von 1.700 Euro wegen Urheberrechtsverletzung. Die diesbezüglichen Umstände sind irritierend (die Nutzung einer Grafik wurde mir 2013 vom Urheber gewährt, Bildagentur erwirbt 2015 die Rechte... und mahnte ab), ärgerlich und verursachten – insbesondere in Anbetracht meines unkommerziellen, dabei zeitaufwendigen Tuns - einen heftigen Demotivationsschub.

Nun musste ich leider feststellen, dass sich trotz zeitintensiver Prüfung des gesamten Bildmaterials Dateien im Medienpool befanden, die – entgegen meiner Erstrecherche, welche keinen Hinweis auf eine Kennzeichnungspflicht ergab (es waren die letzten Illustrationen, welche ich nicht selbst aus Bildelementen aus Bildquellen von Pixabay & Co. erstellt hatte) – trotz Veränderung ein Abmahnrisiko darstellen – mit für mich nicht tragbaren, möglichen finanziellen Konsequenzen.

Da sich die rechtlichen Rahmenbedingungen trotz aller Urteile zum Thema "Parodie" in einem für mich unerträglich unsicheren Bereich bewegen – wobei oben erwähnte Grafiken mit satirisch/parodistischem Text versehen und umgedeutet wurden – bewahre ich mich nun vor weiteren Herzattacken, Abmahnungen, zukünftigen Unsicherheiten und im Zweifel dem finanziellen Ruin, und lasse diese Nummer hier bleiben, denn leider besteht zu allem Überfluss das Risiko, dass auch vermeintlich freies Material über Umwege eben nicht frei ist, da allein die Kennzeichnung einer Datei als frei nutzbar (CC0 - Keine Kennzeichnung erforderlich) durch Dritte nicht vor tatsächlichen Urheberrechtsansprüchen und damit verbundenen evtl. Schadensersatzforderungen schützt, ist die Person, welche Inhalte zur Verfügung stellt, nicht der tatsächliche Rechteinhaber (oder verändern sich im Hintergrund die Rechteverhältnisse, wie z. B. bei zahllosen Grafikvorlagen (sogenannte MockUps), die vor Jahren via entsprechender Portale frei erhältlich waren, sich aber inzwischen als kosten- bzw. lizenzpflichtige Vorlagen (z. B. auf Envato) wiederfinden).

Zur Erläuterung des Themas freie Nutzung von Fotografien und/oder Grafiken im Rahmen der Nutzung als Parodie/Satire

Eine Parodie muss (in aller Kürze formuliert) nach geltender deutscher wie europäischer Rechtsprechung nicht zwingend einen erkennbaren (optischen) Unterschied zum Original aufweisen, und zeichnet sich durch die Anlehnung an ein bestehendes (unverändertes) Werk aus, die aber zugleich via humoristischer Betonung oder Verspottung (im Zweifel "nur" im Kontext) einen Unterschied zu selbigem herstellt. In einem solchem Fall gestattet eine Parodie die unentgeltliche Übernahme von Inhalten Dritter, da die Satire, bzw. die Parodie als Gattung der Meinungsfreiheit geschützt ist. Das ist allerdings recht schwammig, denn eine Parodie, bzw. die Nutzung von Inhalten Dritter unter diesem (Parodie-)Aspekt kann dann als Missbrauch angesehen werden, wenn diese – unter welchen nicht eindeutigen Umständen auch immer – als unentgeltliche Übernahme fremden Inhalts gewertet wird. Auch im Bereiche der nicht-gewerblichen Nutzung. Wo dieser Missbrauch beginnt, bzw. Parodie endet und als unentgeltliche Übernahme von Werken Dritter zu werten ist...

...ist mir jetzt einfach ein Zuviel der Unsicherheit – und dieser Eiertanz muss nun ein Ende haben. Es sind zuviel der Energie und Aufmerksamkeit, die hier in Dinge fließen (müssen), die das eigentliche Ansinnen (Spaß, Kritik sowie ein Hauch des Aufmerksam-machen-wollens) in latenten Stress verwandeln. Sicher würde ein Quentchen "nicht zuviel nachdenken" helfen, doch das kostet im Zweifels- und Ernstfall zuviel Geld, welches ich nicht übrig habe.

In Verbindung mit bereits vorliegender und unbeschiedener Abmahnung sowie (für einen diesbezüglichen Artikel) recherchierte Rechtsverhältnisse, Rechtsauslegungen und Urteile muss ich von einem Fortbetrieb unter nicht unwesentlicher Beteiligung von Bildcollagen (die zumindest mir im Rahmen einer ansprechenden Präsentation und zur Unterstreichung des Geschriebenen oder auch für sich allein nicht unwichtig ist) von einem weiteren Tun absehen, da ich nebst des Umstandes freiberuflicher Tätigkeit gerne nach einem Arbeitstag und/oder dem Verfassen und Illustrieren satirischer und mithin kritischer Artikel einfach nur noch ruhig schlafen möchte, ohne mir Gedanken machen zu müssen, wann die nächste Abmahnung ins Haus flattert und was mich das wohl kosten wird (Geld und/oder Aufmerksamkeit und Energie), denn die Dinge sind schon so just beschwerlich genug.

Nicht-kommerzielles Tun (keine Wertschöpfung durch Inhalte Dritter) bedeutet – nicht überraschend – keinen Schutz. Auch musste ich bereits 2malig erfahren, dass eine eindeutige und von jedem Artikel aus sichtbare, aufrichtige Bitte um Kontaktaufnahme im Falle von (ungewollten aber wohl als fahrlässig zu bezeichnenden) Urheberrechtsverletzungen zu Gunsten einer Schadensersatzaussicht und einer damit verbundenen anwaltlichen Abmahnung mit damit verbundenen Kosten in den Wind geschlagen wurde.

Einen Spendenaufruf halte ich nicht für vertretbar, denn nicht zuletzt aufgrund meines freiberuflichen Tuns – welches Vorrang haben muss – ist mir ein regelmäßiges Veröffentlichen von Beiträgen nicht möglich – worauf ich glaube, dass eine Spenderschar einen Anspruch hat.

Der, wo schreibt

Falko Knizia – Im Stegen 2 - 79241 Ihringen - redaktion(at)der-zeitspiegel.de

...UND ES IST AUCH ALLES GESAGT

Mit DER ZEITSPIEGEL, insbesondere meiner politisch motivierten Satire, bzw. diesbezüglichen kritischen Beiträgen, verfolgte ich mit rund 120 mehr oder weniger lustigen Beiträgen zum Thema im Kerne nur ein Ziel...

...welches Volker Pispers in zweieinhalb Stunden vollends auf den Punkt zu bringen wusste, denn leider hat dieser Mann seinen vorläufigen Ruhestand angekündigt und bis dato auch vollzogen. Dennoch: Auf Youtube stehen Ihnen diese zweieinhalb Stunden zur Verfügung:

Volker Pispers: Bis Neulich 2014

Sollten Sie nach dem Klick auf den Link und/oder dem Betrachten des Videos einen Schaden erleiden: Ich übernehme hierfür keine Haftung.

Schauen Sie – falls Sie Volker Pispers nicht kennen – nicht einfach nur rein, sondern nehmen Sie sich diese zweieinhalb Stunden Zeit. Machen Sie es sich vor dem Rechner gemütlich und genießen Sie dabei ein Gläschen Wein oder ein Fläschen Bier. Ich bin mir sicher, dass Sie am Ende höchstwahrscheinlich ein bisschen mehr benötigen, oder einen ausgiebigen Spaziergang.

Lassen Sie sich von dem Umstand, dass dieses Programm aus dem Jahre 2014 stammt, nicht von der Betrachtung abhalten oder irritieren, denn das Programm und die darin frontal angefahrenen Themen sind erschreckend nahtlos auf heute übertragbar, ja aktueller denn je. Ändern Sie einfach ein paar Namen und Bezeichnungen... aber sehen Sie selbst!

Datenschutzerklärung (ein Fehlen derselben wäre auch schon wieder abmahnfähig)