Ist „FDP“ heilbar? – Philipp Rösler auf dem Parteitag in Rostock

Philipp Rösler auf dem Parteitag in Rostock: Inmitten der Führungskrise und des Umfragetiefs scheint dieser mit Hilfe von pharmazeutischen Errungenschaften zu neuen Visionen fähig. Aber ist FDP wirklich vollständig heilbar?

Gegen die größten innersten Widerstände und mit Unterstützung von 3 Ärzten aus 3 Fachgebieten der Medizin war es uns nun möglich die Antrittsrede Philipp Röslers auf dem Parteitag der FDP in Rostock unter die Lupe zu nehmen. Kreislaufstabilisierende Digitalis, hammermäßige Antidepressiva und Akut-Anästhesia ließen uns den 66minütigen Profilierungs-Marathon ohne nennenswerte und dauerhafte Schädigungen an Leib und Seele überstehen.

Wahrheit

Zumindest zu Beginn seiner Antrittsrede war es Philipp Rösler für einen lichten Moment möglich, die wahre Funktion der FDP beim Namen zu nennen, ohne dabei völlig aufgelöst (ein Schicksal, welches der FDP bald in ihrer Gesamtheit bevorstehen könnte) in Tränen aus- und hinter dem Rednerpult der liberalen Selbstüberschätzung zusammenzubrechen: Mehrheitsbeschaffung – was wahrscheinlich auf eine intensive medizinische Betreuung zurückzuführen gewesen sein dürfte, schließlich ist man privat versichert.

 

Ahnenkult

Kurz darauf der unvermeidbare Ahnenkult der Liberalen, wie wir ihn bereits ansatzweise von Guido Westerwelle bei der diesjährigen Rede zum Dreikönigstreffen (wir berichteten) in Form der Beschwörung vergangener Größe (aus der Sicht einer 5%-Partei sicher ein Erlebnis) zu hören bekamen, die diesmal aber ihm selbst galt und doch den verwesenden Beigeschmack einer Nachtod-Hymne nicht ganz ablegen konnte – Leichenschändung?

 

Von der Freiheit der Frösche

Philipp Rösler erzählte dann die Geschichte vom Frosch im zunehmend heißer werdenden Wasserbad, der aufgrund der langsam voranschreitenden Erhitzung nicht bemerkt, dass er darin unkommen wird, was er bemerken würde, würde man ihn gleich in heißes Wasser werfen,  wobei das Wasser für die Freiheit steht und die Erhitzung für die Beschneidung derselben.

Letzteren Umstand glaubt Philipp der Frosch bereits in einer von den GRÜNEN initiierten „Hilfe, die Touris kommen„-Aktion in Berlin-Kreuzberg und einem durch ROT-GRÜN veranlassten „Veggie-Day“ in Bremen ausmachen zu können, an welchem in der dortigen Gastronomie ausnehmend fleischlose Gerichte angeboten werden sollen (nicht müssen). Bei Philipp ist denn auch sogleich von der Wieder-Teilung Berlins und der Einschränkung der Entscheidungsfreiheit die Rede, nicht aber von der von der FDP selbst propagierten Eigenverantwortung, die es im ersteren Falle jedem Kreuzberger erlaubt, touristische Angebote zu fördern oder sich gegen das Überhandnehmen von Touristenströmen zur Wehr zu setzen, sowie sich im zweiten Falle zu Hause ein mächtiges Steak in die Pfanne zu kloppen.

Tja, so kurz kann die liberale Leitung sein und so plakativ das Verständnis von den eigenen Leitlinien, dass es keinen wundern muss, wenn die geistige Kurzatmigkeit über kurz oder lang zum Atemstillstand führen muss.

Eine durchaus vernünftige Gegenüberstellung von nordrhein-westfälischer Sitzplatzverordnung und gesundem Menschenverstand zum Thema  Vorschriftswahn und ihrer Auswüchse möchten wir hier als kleines Aufflackern im erlöschenden Feuer vermerkt wissen. Allerdings bedarf es für den Einsatz des Menschenverstandes überparteilich vernunftbegabter und dabei praktisch veranlagter Menschen und nicht einer Partei, die glaubt sich diesen auf die Fahnen schreiben zu können, denn das glaubt unserer Vermutung nach jede von ihnen.

Auch die Feststellung, dass die Wiedereinführung von innereuropäischen Grenzkontrollen (Dänemark/Vorschläge des CSU-Innenministers Friedrichs) der Freiheit nicht zuträglich ist, entspricht einem überparteilichen, ja europäischen Konsens, was Philipp Rösler dennoch zu der Äußerung hinreißen ließ, speziell hier als FDP gebraucht zu werden, womit sich die FDP hinreichend als Partei des Überflusses geoutet hat, die man sich am besten dann „schenkt“, wenn einem wirklich nichts mehr einfällt und es sich leisten kann, Positionen zu beziehen, die schon längst besetzt sind.

Internationaler Terrorismus und damit verbundene Einschränkungen der Freiheit folgten auf den Fußnoten, wobei Rösler den Umstand außer Acht ließ, dass in Deutschland exterritoriale Terrororganisationen keinen wirklichen Handlungsbedarf sehen, da sich bereits genügend liberal-politische Selbstmordattentäter erfolgreich unter die „Koalition der Willigen“ gemischt haben und schon für ausreichend Irritation sorgen.

In Sachen Energiepolitik
zum Beispiel weiss die FDP ihr Fähnchen in den vorherrschenden politischen Wind zu halten. War man eben noch munter mit der Laufzeitverlängerung von Altkraftwerken beschäftigt, sorgte eine katastrophengestützte Umkehrstimmung und das alarmierte Bewusstsein der Bevölkerung für ein opportunes „Umdenken“.

Wir wissen hier nicht genau, welche Katastrophe den entscheidenden Ausschlag gab, der „5%-GAU“ oder Fukushima? Die explosionsartige, fulminante Neudeutung der liberalpolitischen Ausrichtung der FDP lässt jedoch auf beeinträchtigende Folgeerscheinungen schließen: Kein Thema, für welches die FDP neuerdings nicht grundsätzlich mit ihren Prinzipien stehen würde: Alleinerziehende und Kindertagesstätten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Schulreform, restriktive Finanzmarktpolitik… Was Rösler schon im Vorfeld mit der „Neuausrichtung des liberalen Kompass'“ anzusprechen wusste, ließ die Nadel desselben mit einer derartigen Wildheit um sich selbst rotieren, dass uns hier ganz schwindelig wurde.

FDP: Politischer Kompass
Der politische Kompass der FDP: Zielorientierte Irrläufe

Philipp Rösler muss bereits vor Redeantritt so mit Scopolamin zugeballert worden sein, dass er nicht nur die schlimmsten Symptome der Kinetose  ohne Redeunterbrechung schadenfrei überstehen konnte, sondern die nebenwirkende Berauschung auch für den kontinuierlichen NonStop-Höhenflug Sorge trug und ihn gar nicht mehr den Boden FDP-realpolitischer Wahrheiten berühren ließ.

Wirklich bemerkenswert aber war schließlich der minutenlange Applaus, die stehenden Ovationen für eine Rede und eine parteiliche Neudefinition, die in ihrer an Selbstauflösung grenzenden Grenzenlosigkeit wahrlich ihresgleichen sucht.

Wir sind inzwischen wieder in der Lage, feste Nahrung zu uns nehmen zu können und befinden uns in therapeutischer Behandlung und werden psychologisch betreut.

„Ist „FDP“ heilbar?“

Fällt der Anteil des Virus an der Gesamtinfektion unter 5%, so stehen die Chancen auf vollständige Gesundung bis zum Jahr 2013 bei 100%.

Nicht der Rede wert!

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