Lesezeit: Höllisch!

Wo zu Beginn des letzten Jahrhunderts die fortschreitende technische Entwicklung die Fantasie des Menschen freudvoll zu einer Vision von einer arbeitsfreien Welt beflügelte, ist der Mensch dieser Tage Zeuge seiner (zumeist wirtschaftlichen) Ersetzbarkeit. Wer glaubt, dies betreffe nur das produzierende Gewerbe, wird sich höchstwahrscheinlich binnen überschaubarer Jahre ungläubig der Tatsache gegenüberstehen sehen, dass in vielen Bereichen, in welchen der Mensch als unersetzbar gehandelt wurde, künstliche Intelligenz (KI) den Arbeitsplatz übernimmt, zumindest aber einen Teil der Mitarbeiterschaft entbehrlich macht.

Künstliche Intelligenz (KI)

Wat issenu künstliche Intelligenz? Da stellen wir uns mal janz dumm, und schauen mal genauer hin:

Zunächst einmal darf KI nicht mit Robotik oder einem simplen Programm verwechselt werden. Beides agiert auf Basis klar definierter Rahmenbedingungen wie vorgegebener Informationen und "fixierter" Variablenhandhabung. Unter KI ist – so glauben wir mal festhalten zu dürfen – ein autonom "denkendes" und handelndes System zu verstehen, welches in der Lage ist, nach Informationsaufnahme (visuell, akustisch – Text, Bilder, Ton) sowie -interpretation und -auswertung, eine Handlungsstruktur zum Zwecke der Verfolgung einer (vorgegebenen oder eigenständig abgeleiteten) Absicht, bzw. eines Handlungsziels festzustellen, um diesem (eigenständig erstellen) Programm (Plan) zu folgen.

Hinzu kommt idealerweise eine Erfolgs- und eine erweiterte Handlungsbedarfseinschätzung auf Basis von Erfahrungswerten und – im Kontext der Analyse des Ist-Zustandes – eine daraus (bedingt) ableitbare Vorgehensdiversifikation zum Zwecke der Variierung der Handlungsparameter im Falle des Eintretens von nicht-linearen Abweichungen der zuvor eingeschätzten Umgebungsparameter vom linear-logisch strukturierten Vorgehensmuster – oder kurz gesagt ein Plan B.

Des Weiteren gesellen sich zum eigenen Erfahrungshorizont in der Regel externe Erfahrungswerte, welche z. B. durch soziale Interaktion (Erfahrungsaustausch), die Lektüre von Erfahrungsberichten (Literatur, Internet) oder der Betrachtung von filmischen Dokumentationen und Berichten dem eigenen Informationspool hinzugefügt werden, bzw. diesen ergänzen.

Beeinflusst wird die Verfolgung von Absichten auf Seiten menschlicher Existenz und Entscheidungsfindung sowohl vom jeweils individuellen sozialen Hintergrund (persönliche Prägung und Erfahrung), der (Vor-/Aus-)Bildung (Art, Vielfalt und Umfang an Präsenz-Wissen) als auch aktueller lebenssituativer (sozialer und kultureller) Umgebungsparameter. Und da all das hinsichtlich einer objektiven, sachlichen Einschätzung einer Situation oder Person und eines damit verbundenen Treffens einer Entscheidung oder Ausgeben einer Weisung äußerst hinderlich ist, ist der Mensch hier (vor allem auf Basis wirtschaftlicher Interessen nicht erst seit gestern) vollkommen fehlplatziert. Zumindest darf doch recht getrost und ohne viel Sachverstand davon ausgegangen werden, dass eine halbwegs brauchbare KI zu genau diesem Schlusse kommen wird, ja kommen muss.

Künstliche Intelligenz und Mensch: Wohin führt die Reise?

Künstliche Intelligenz und Mensch: Wohin führt die Reise – und wer wird wen kontrollieren?

Echt jetzt!?

Schon jetzt sorgen Bots für menschlich anmutende Text-Korrespondenz und sogenannte Robocalls – ausschließlich "maschinelle" Werbe- oder Serviceanrufe – sind in der Lage, einen humanen Gesprächspartner zu simulieren. Noch nicht 100%ig "blickdicht", doch in ein bis zwei Jahren werden Spracherkennungs- und -ausgabesoftware in der Lage sein, dies einwandfrei zu bewerkstelligen. Eine Optimierungshilfe stellen u. a. Aufzeichnungen von Kundengesprächen und damit einhergehende Folgeanalysen verschiedener Stimmmuster und Dialekte dar. Auch Gehör und Sprachfertigkeit von Apples Siri, Googles Sprachassistenten oder Amazons Alexa verfeinern sich mit jedem Befehl, bzw. jeder Anfrage. Dies zumal bspw. Amazons kleine Helferin auch mal ungewollt mithört und sämtliche Aufnahmen in der Cloud speichert – und selbstverständlich anonymisiert auswertet.

An dieser Stelle möchten wir auch nicht unerwähnt lassen, dass Sie neben Ihrer Stimme auch schon Ihren Fingerabdruck, Iris-Scan oder Ihre biometrischen Daten preisgeben. Dies beispielsweise zum Zwecke des Schutzes Ihres Smartphones vor dem unbefugten Zugriff Dritter. Natürlich dürfen Sie auch weiterhin davon ausgehen, dass diese Daten auf Ihrem Smartphone verbleiben und nicht zufällig (Stichwort "Datenpanne") in andere Hände gelangen. Aber das möchten wir (nach vollständigem Lesen dieses Beitrags) ganz Ihnen und Ihrem Bauchgefühl überlassen.

With or without you – Erste Schritte

Über den Kommunikationssektor hinausgreifend eröffnete Amazon das erste Warenhaus ohne Kassen (noch sind Mitarbeiter vor Ort). Darüber hinaus stehen künstliche Intelligenz und damit verknüpfbare, intelligente Verkehrsleitsysteme an der Schwelle zur autonomen Fahrzeuglenkung und Verkehrskoordination, mit erwartbar enormen Auswirkungen auf die Transport- und Logistikbranche. Auf dem Felde der Lagerverwaltung und des Versands sind bereits Systeme am Werk, die vom Bestellungseingang bis hin zum Versand ohne menschliche Arbeitskraft auskommen. Allein für die Entwicklung, Produktion und Wartung der hierfür erforderlichen Technik und Infrastruktur und der Überführung der Ware von Produktionsstätte zu Transportfahrzeug zu Lagerungsstätte, bzw. vom Lager über das Zustellungsfahrzeug zum Kunden bedarf es noch humaner Arbeitskräfte. Noch. Wo aber die Industrie bereits erfolgreich fahrerlose, sprich autonom fahrende Vehikel zu entwickeln in der Lage ist, wird sich auch hier alsbald eine Lösung finden.

"Ich bin unentbehrlich!" – Verwaltung

Sie sind in der Verwaltung tätig? Dann tun Sie gut daran, sich realistischerweise mit Ihrer absehbaren Entbehrlichkeit anzufreunden, denn vorhandene sowie in Entwicklung befindliche Software vermag nicht einfach nur handschriftliche wie digitale Daten zu lesen, zu interpretieren (und das sogar richtig) und einem Handlungsimperativ zuzuordnen, sondern auch entsprechend jeweiliger Anforderungen folgerichtig mit weiteren Datensätzen zu verknüpfen – womit sich Berechnungs-, Bewertungs-, Antrags- bzw. Genehmigungsverfahren in absehbarer Zeit ohne Weiteres automatisieren lassen. Ein Segen für Unternehmen, öffentliche Haushalte und Forschungseinrichtungen. Weniger segensreich für jene, die sich noch immer – ganz gleich ob wegen ihrer Qualifikation oder persönlicher Vorzüge – auf lange Sicht für unentbehrlich halten.

Und falls Sie gerade auf die Idee kamen, dass ja noch irgendjemand Telefonate führen muss: Spracherkennung → Informationsinterpretation → Sprachausgabe → Aktion.

Sie sind unentbehrlicher Mediziner, Forscher, Architekt, Ingenieur oder ein ganz ganz Kreativer?

Dann fangen Sie jetzt bloß nicht an zu recherchieren (wenn Sie sich richtig weh tun wollen, tun Sie das unter Nutzung der englischen Sprache) und träumen Sie noch ein bisschen weiter!

Dass der weltweite Börsenhandel

(inklusive Marktanalyse und -prognose) entgegen des noch vorherrschenden Bildes von wild gestikulierenden und laut schreienden Händlern auf dem Parkett der internationalen Handelsplätze zunehmend durch automatisierte Käufe und Verkäufe vonstatten geht, das wusste Sie ja, oder? Ein Stichwort hier: Hochfrequenzhandel. Noch eins? BlackRock's Alladin (Google-Suche / Wikipedia).

Sie sind im Kern nicht mehr als eine humane, zerebral-datenbankgesteuerte Bio-Maschineneinheit,

die Sie in der Regel "Ich" nennen. Zumindest in wirtschaftlich-produktiver Hinsicht. Aber Sie haben einen entscheidenden Nachteil gegenüber eines künstlichen "Ich": Sie haben Hunger und Durst, werden krank oder alt oder beides, bedürfen langer Ruhezeiten, benötigen und wünschen einen angemessenen Wohnraum, einen ebensolchen Lebenskomfort und auch noch für Ihr Tun bezahlt zu werden – und für den Krankheitsfall und Ihr Alter möge doch bitteschön auch noch ein bisschen vorgesorgt werden. So ganz nebenbei belasten Sie nachhaltig die Umwelt und gehen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dem ein oder anderen Individuum Ihrer Gattung höllisch auf den Keks. Das macht dann unter dem Strich: 0 zu 1 für die KI – und es gab nur eine Torchance, wenn auch eine mit einem gaaanz langen Anlauf.

Ermessenspielräume sind technisch gesehen "Rauschen"

Kreditvergabe oder Prämienermittlung und Versicherungsabschluss bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern sind derweil schon seit längerer Zeit nicht mehr wirklich Gegenstand von Entscheidungen menschlichen Fachpersonals (das nimmt die Ergebnisse einer Datenanalyse im Kern nur noch zur Kenntnis und teilt die sich daraus ergebende, logische "Entscheidung" mit), sondern datenbankbasierter Bewertungssoftware – deren Datenbanken zu allem Überfluss von Kunden und Konsumenten selbst gefüttert werden. Dies z. B. via der Erfassung von Einkaufsdaten und -verhalten (PayBack, Kredit- & EC-Karten, Online-Einkäufe) sowie der Zusammenführung von Informationen ob der schulischen und beruflichen Ausbildung des Antragstellenden und der Auswertung ihrer/seiner Patientendaten sowie Daten welche von Seiten von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden.

In der Summe darin enthalten sowohl Informationen ob der gesundheitlichen Verfassung (vorliegende Beschwerden und Erkrankungen, Arbeitsausfälle, Dauer der Arbeitsausfälle) sowie Daten, welche durch das Auslesen sogenannter Fitnesstracker oder Smartwatches (Schrittzähler, Blutdruck- und Pulsmesser, etc.) gewonnen werden. Deren Einsatz und die Zurverfügungstellung der Daten wird von Krankenkassen inzwischen gefördert und mit Prämien, bzw. Sonderkonditionen belohnt.

Zusammengefasst lassen sich so zuverlässige Aussagen hinsichtlich Gesundheit, Gesundheitsrisiken und damit verbundener mittel- bis langfristiger Erwerbsfähigkeit und Einkommenserwartung (Kredittilgung, Versicherungsrisiko) treffen.

Auch Arbeitgeber werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alsbald (und auf Basis wirtschaftlich durchaus verständlichen und somit begründeten Interesses) Zugriff auf diese Daten erhalten. Schließlich möchte man doch gerne wissen, ob man sich da einen wetterempfindlichen, gemütslabilen Krankenstandsrekordhalter einkauft oder einen Menschen in guter körperlicher und geistiger Verfassung und einem Sinn dafür, die eigene Leistungsfähigkeit auch erhalten zu wollen.

Profiling

Und es geht noch weiter: Auch im Bereich der Personalverwaltung bzw. -auswahl (Recruiting) finden intelligente Systeme Eingang in zuvor menschlich dominierte Bewertungs- und Entscheidungsfindungsprozesse. Zwar obliegt die letzte Entscheidung hier noch nicht einer KI, doch gestattet diese nicht nur die computergestützte Analyse und Bewertung von Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsgesprächen, sondern vermag Bewerbungsgespräche auch durchzuführen.

In letzterem Falle gestatten Bild- und Tonaufzeichnung die Erfassung und Analyse von Mikroexpressionen bzw. Mikromimik sowie der Stimme (War das da gerade ein Zittern in der Stimme? Ist die Person unsicher? Lügt sie?).

Interessant hierbei übrigens das Angebot von Amazon Rekognition. Unter Hinzuziehung und Auswertung öffentlich zugänglicher Nutzerprofile und zugehöriger Beiträge und Interaktionen in sozialen Netzwerken ergibt sich hier nicht nur ein durchaus brauchbares Bild, sondern angesichts zunehmend treffsicherer Analysen ein weitgehend vollständiges.

Hören wir auf von Möglichkeiten zu reden, sondern von Tatsachen

Öffentliche Überwachung mit damit verbundener Gesichts- und Personenerkennung, z. B. via des Datenabgleichs mit Einwohnermeldedaten und digitalisierten Ausweisdokumenten in Verbindung mit Bewegungsprofilen und GPS-Standortdaten (Google erfasst Ihren Standort auch wenn Sie die Ortung eigentlich abgeschaltet haben) gestatten einen Abgleich mit zeitgleich erfassten Bewegungsprofilen und Aufenthaltesorten Dritter, ebenfalls eindeutig identifizierbarer Personen, woraus sich Ihre sozialen Kontakte/Beziehungen und Interaktionen ableiten lassen. In Verbindung mit der Auswertung der Persönlichkeitsprofile dieser Personen (durch eine KI)... aber spinnen Sie das ruhig mal selbst zu einem Ende.

Hinzu kommen dann noch Ihre Statusmitteilungen und Interaktionen in den sozialen Netzwerken. Diese gestatten nach Sammlung und Auswertung Aussagen über Ihre aktuellen persönlichen Befindlichkeiten, Ihre Interessen, Ihre Neigungen und Abneigungen (jeglicher Couleur) sowie Ihre Freizeitgestaltung, und erlauben darüber hinaus (Sie bewerten mit Ihren Aussagen direkt oder indirekt andere Personen, so wie auch Sie direkt oder indirekt bewertet werden)... eine ganze Menge weiterer grundlegender Einschätzungen und letztlich Ihre Bewertung.

Was z. B. Ihr Facebook-Profil, bzw. Ihre Interaktionen auf Facebook über Sie aussagen, das können Sie spaßeshalber hier testen: Apply Magic Sauce (University of Cambridge).

Zu guter Letzt haben wir dann noch – fast nebensächlich – Ihre bereits oben erwähnten Einkaufsabrechnungen, die Auskunft über Ihr Konsumverhalten, Ihre Ernährungsgewohnheiten (Stichwort "Gesundheit & Arbeitskraft" (siehe oben)) und Ihre Freizeitgewohnheiten geben. Nicht zu vergessen der Online-Einkauf. Während eines (eingeloggten) Einkaufs z. B. bei Amazon, speichert der Dienstleister sämtliche Produkte, die Sie während der Suche nach einem gewünschten Produkt angewählt haben (das sehen Sie dann unten im sogar angezeigten Browserverlauf – den Amazon zu Analysezwecken speichert). Es wird gespeichert wie lange Sie auf einer Produktseite verweilten (hat der Kunde die Produktinformationen gelesen?), ob Sie von dort aus auf Empfehlungen klickten und natürlich für welches Produkt Sie sich entschieden haben. Verglichen wird Ihr Einkauf mit Ihren vergangenen Einkäufen, woraus sich u. a. ablesen lässt in welchem Preissegment Sie Ihre Auswahl treffen, ob Sie einem Einkaufstrend folgen (Wahrnehmung von Produktvorschlägen oder Käufertrends), welchen Bedarf Sie decken und wie häufig, und noch ein paar Dinge mehr.

Haben wir schon Google Analytics und Facebook im Sinne des Sammelns von Daten ohne bewusste Veröffentlichung von persönlichen welchen erwähnt? Nein? Ob Google (Analytics) oder Facebook: Auf jedweder Internetseite (also nicht wenigen), auf welcher Google's Seitenzugriffs- und Interaktions-Analysewerkzeug oder Facebook (via Like- oder Empfehlen-Button) eingebunden sind, wird Ihr Aufruf und Aufenthalt verzeichnet (Uhrzeit, Datum), von welcher Seite Sie kommen, wie lange Sie auf der Seite verweilen, welche Aktionen Sie auf der Seite vornehmen (Menü-, Button- oder Werbebanner-Klicks) und auf welche Sites Sie Ihr weiterer Weg führt. Dabei – aber das wissen Sie ja schon (Cookies/Browserdatenauswertung) – wird Ihr ungefährer oder gar genauer Standort festgestellt, welches Betriebssystem Sie so am laufen halten, wie groß das Browserfenster (der Bildschirm) ist, welche Sprache Sie nutzen und... nunja, da geht noch eine Menge mehr.

Das Whatsapp zu Facebook gehört, das wissen Sie ja auch, oder? Und das Whatsapp in Kürze damit beginnen wird Werbeeinblendungen in Ihren Status und wohl alsbald auch (in Form eines Chatbeitrags) in Ihren Chats zu schalten, davon haben Sie vielleicht auch schon gehört. Diese Werbungen sollen nach Möglichkeit inhalts-sensitiv, also in Abstimmung mit in Unterhaltungen genutzten Schlüsselwörtern in Erscheinung treten. Dass dafür das Auslesen Ihrer privaten Mitteilungen von Nöten ist, das muss man Ihnen sicherlich nicht erklären. Und dass Facebook Ihre privaten Chats, bzw. Ihre Worte mit den Daten Ihres Facebook-Accounts zusammenführt... Haben Sie sich gelegentlich auch schon einmal darüber gewundert, dass Ihnen plötzlich ein Freundschaftsvorschlag auf Facebook aufgezeigt wird, derweil die vorgeschlagene Person ausschließlich in Ihrem Smartphone-Telefonbuch verzeichnet ist – auf welches Whatsapp, ergo Facebook vollen Zugriff hat (übrigens auch über getätigte Anrufe, Anrufdauer, Anrufzeit)?

Quo vadis? There we go → Social Scoring!

Das in China bereits angewandte Scoring (welches sich zwar noch in den Anfängen befindet, aber voraussehbar alsbald umfassenderer Natur sein wird, als man sich dies augenblicklich überhaupt vorstellen möchte) erfasst eine Unmenge Ihrer Lebensdaten und vor allem Ihres Verhaltens und die daraus abgeleitete Einschätzung Ihrer Persönlichkeit, welche es mittels eines Belohnungssystems auf Linie bringen ließe. Was ein wenig dystopisch und an "1984" erinnernd daherkommt... ist tatsächlich so. Denn am Ende entscheidet salopp gesagt Ihre Punktzahl darüber, ob Sie Zugang zu bestimmten Informationen, Veranstaltungen, Ausweisdokumenten, Krediten oder Vergünstigungen sowie Jobangeboten erhalten – oder Sie, gelinde gesagt, "draußen bleiben" müssen.

Aber Hey, Sie haben ja nichts zu verbergen und es geht ja schlielich auch um die Sicherheit aller, nicht wahr?!

Hier finden Sie eine (englischsprachige) Grafik, die den sogenannten "Sesame Score" anschaulich zusammenfasst (1 Megabyte, öffnet in neuem Fenster).

Und was hat das jetzt mit künstlicher Intelligenz zu tun?

Nun, bis dato sprechen wir von Datensammlung, Datenanalyse und Automatisierung (von Arbeits- und Entscheidungs-/Verwaltungsprozessen). Dahinter sind irgendwo noch Menschen zu finden, die Schlüsse ziehen, Handlungen veranlassen und zumindest theoretisch automatische Abläufe abbrechen oder verhindern könnten. Theoretisch. Der Begriff "Automatisierung" täuscht hierbei zu wohl niemandes Überraschung leichten Fußes darüber hinweg, dass die Bemühungen und Fortschritte in Sachen technischer Entwicklung nicht dahingehend verlaufen, die Dinge für den Menschen einfach nur handhabbarer zu gestalten, sondern dazu bestimmt sind, den Menschen in (personalkostenintensiven (also weitestmöglichen)) Bereichen – auch jenen der Entscheidungsebene – zu ersetzen. Das Problem: Eine künstliche Intelligenz interpretiert keine Daten, sondern fällt ein Urteil!

Worum ging's im Titel nochmal?

Ach ja: Wir arbeiten eigentlich schon alle recht fleißig daran, dass zukünftige autonome Systeme die Daten erhalten, die sie benötigen um einen Menschen nicht nur durchschaubar, nachahmbar und kontrollierbar, sondern auch ersetzbar machen. Um davon profitieren zu können bedarf es lediglich der Investition in Wertpapiere, bzw. Anteilsscheine entsprechender Soft- und Hardwareentwickler und jener Unternehmen, welche sich zusehends dieser Werkzeuge zum Zwecke der Gewinnoptimierung bedienen. Vielleicht ist ja auch schon Ihr Arbeitgeber oder Ihre Verwaltung dabei. Und was Ihnen höchstwahrscheinlich selbst zum Thema "Gewinnoptimierung" einfällt, verschont auch Sie – konsequent zu Ende gedacht – nicht vor Ihrem eigenen Rotstift. Und genau diese asoziale aber wirtschaftliche Konsequenz ist die inspirationsarme, aber innovationsreiche Antriebsfeder in Sachen Humanersatz.

Fazit

Sie dürfen gerne daran glauben, dass all das Sie irgendwie gar nicht betrifft – mit Sicherheit nicht binnen der nächsten 5 Jahre, bei 10 sind wir uns da schon nicht mehr so sicher – aber es werden (wirtschaftlich) nicht nur die Jobs der Geringqualifizierten sein, die auf lange Sicht verschwinden werden. Und es werden nicht nur Jobs sein, sondern ein erheblicher, dabei zunächst nicht spürbarer Teil unserer Freiheit. Und was augenblicklich noch unter dem Begriff "Automatisierung" fassbar und harmlos anmuten mag, ist erst ein Anfang.

Ohne Frage werden auch neue Berufe entstehen und Arbeitsplätze geschaffen. Die Zahl derer wird aber absehbar kaum dazu beitragen, dass ein Großteil der heutigen Arbeitnehmer nicht mehr gebraucht wird. Von "A" wie Ackerbau bis "Z" wie "Zentralcomputerhirn-Ingenieur" (Sorry, was besseres ist uns gerade nicht einfallen).

Findet sich an der Spitze der Weisungskette schlussendlich auch noch eine künstliche Intelligenz, wird es sogar für Topmanager, Vorstände, angestellte Geschäftsführer, leitende Angestellte und auch politische Amts- und Entscheidungsträger eng werden, denn eine KI wird ein System (Unternehmen, Staat) nicht unvermögend gegen die Wand fahren, sondern hocheffizient seine Interessen zu verfolgen und zu schützen wissen – und kennt keine Kumpaneien oder Vetterleswirtschaft. Und da so etwas wie das sprichwörtliche Vitamin B keinen logisch nachvollziehbaren (gemein- und somit systemförderlichen) Wertschöpfungscharakter aufweist, wird es selbiges auch nicht gewähren oder zulassen. Punkt.

Eingedenk der rasenden Entwicklung der Technik binnen des letzten halben Jahrhunderts dürfen Sie Ihre ganz eigenen Schlüsse ziehen. Beachten Sie dabei, dass wir im Falle einer künstlichen Intelligenz, die diesen Namen auch verdient hat, davon sprechen, dass sich diese eigenständig und mit dem ihr innewohnenden Tempo – ergo exponentiell – fortentwickeln, und darüber hinaus die für sie effizientesten Werkzeuge eigenständig konzipieren, produzieren und einsetzen wird.

Wen wir wirklich fürchten sollten

Es ist nicht (nur) die künstliche Intelligenz, welche es zu fürchten gilt, sondern jene, welche sich diese zu Nutze machen und machen werden. Es sind jene, welche wir an der Spitze akzeptieren und an der Spitze gewähren lassen, ja gar selbst an die Spitze wählen – obleich sie durch ihr Tun längst bewiesen haben, dass ihr Tun vielem dienlich ist, allerdings nicht dem Wohlergehen der Menschen und dieser einzigartigen blauen Kugel inmitten eines äußerst trübsinnigen Dunkel. Und unabhängig davon, was Sie von den Ergebnissen der Oxfam-Studie halten (Link 1 und Link 2): Falls Sie glauben, diese Spitze entdecke über Nacht, dass ihre Ausbeutungseffizienz (auf Grundlage der Hinnahme der Ausbeutung durch jene, welche ausgebeutet werden (Ausbeutung = Nichtteilhabe am Gesamtgewinn durch gewinnunabhängige (niedere) Entlohnung)) eher unter "unmenschlich" zu verbuchen sei, und beginnt den Prozess der Vermögenskonzentration um das 1% der Bevölkerung der Erde zu beenden, dem sei dringend geraten, die ihm/ihr verschriebenen Medikamete einzunehmen oder das Wort Ungerechtigkeit vorläufig durch Neid oder Neiddebatte zu ersetzen.

Und diese Spitze ist in der Summe nicht mehr als ein kleines Häuflein angesichts von Milliarden von Menschen, die im Kern denselben Wunsch hegen und denselben Träumen nachgehen, der sich verwirklichen ließe – auch mit Hilfe künstlicher Intelligenz – ließe man sich nicht spalten in Herkunft und Hautfarbe, Glauben und Denkweise, Einkommen und Leistungsfähigkeit, sondern verfolgte gemeinsam die uns allen innewohnenden Ziele und Träume.