...so der Wortlaut der Image-Broschüre der kleinen Gemeinde im Innenkreis eines nicht kartographierten Landstrichs der Repubik. Und für wahr, in Markscheid verhalten sich die Dinge anders als andernorts, und Markscheid hat sich im Laufe der Zeit einen weit bis in Partei- und Regierungskreise hineinreichenden Namen gemacht. Ist von Markscheid die Rede ist die spontane Reaktion stets die gleiche: "Geh da bloß nicht hin!"

Bürgernähe wird in Markscheid groß geschrieben: Die Nebenstelle des Rathauses

Die erste urkundliche Erwähnung Markscheids ist im Unterschied zu weit den meisten Örtlichkeiten der Republik denn auch mehr eine Warnung als ein historischer Vermerk, und so ist in den ältesten schriftlichen Hinweisen auf die Ansiedlung anstatt von üblichen Orts- und Herrschaftsbeschreibungen eher von "Vermeidung" und der "Kunst des Nicht-Gesehen-Werdens" die Rede. Die fürderhin recht markigen Abwendungsempfehlungen weisen außerdem darauf hin, dass jedwede Missachtung des "guten Rates, welcher dir hier gegeben" zu offenbar aktenkundigen Erfahrungen führe, deren schriftliche Niederlegung von den Schreibern jener Zeit aufgrund "unvermeidbarer gotteslästerlicher Schilderung" tunlichst vermieden wurde.

1966 war es die Deutsche Luftwaffe, welche, obgleich Jahrhunderte seit jenen Gemahnungen vergangen waren, zu spüren bekommen sollte, dass Historie nicht mit dem Begriff "Vergangenheit" verwechselt werden sollte. Ihr wurde nach zähen Verhandlungen mit dem Gemeinderat ein dem Ort nächstliegendes Areal zum Zwecke von Luftangriffsübungen zur Verfügung gestellt. Verbunden war die Freigabe mit der vertraglich bindenden Beschäftigung lokaler Verteidigungssimulationsstatisten. Wurde deren Beschäftigung zunächst von der militärischen Führung belächelt, erstarrte dieses bereits nach den ersten Luft-Boden-Attacken zu einem mimischen Denkmal der Fehleinschätzung, denn die vermeintlichen „Hinterwäldler“ sorgten nonchalant für den Verlust von 26 Kampfflugzeugen des Typs Lockheed F-104C (Starfighter).
Die Jagdbomber mit AN/ASG-14T-2-Radar und Luftbetankungseinrichtung, vier Unterflügelstationen und einer Unterrumpfstation, an der auch eine Mk-28 oder Mk-43-Nuklearwaffe mitgeführt werden konnte, unterlagen den Boden-Luft-Steinschleudern des ortsansässigen Heimwerker- und Bastelvereins „Militaria Markscheid“ auf ganzer Linie, und es ist allein den Bemühungen des damaligen Verteidigungsministers Kai-Uwe von Hassel zu verdanken, dass die „Steinwurf-Affäre“ keine höheren Wellen schlug – was Kai-Uwe von Hassel den vollständigen Verlust seiner Haarpracht kostete und dieser letztlich kommentarlos mit seinem Rücktritt am Ende desselben Jahres zu bezahlen hatte.

Die erste unter Denkmalschutz gestellte SPD-Geschäftsstelle befindet sich in Markscheid

Überdies verfügt Markscheid über eine Bildungs-Fernuniversität, die erste unter Denkmalschutz gestellte SPD-Geschäftsstelle und einen weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannten Pizzalieferanten, dessen Rezepturen und Hygieneleitlinien zur Einrichtung der ersten psychologischen Beratungsstelle für Lebensmittelkontrolleure führte. Und die befindet sich, genau, in Markscheid!

Weitere Informationen rund um das Treiben in und um Markscheid finden sie in der Online-Gazette "Markscheid am Mittwoch", welche vor wenigen Tagen ihr einjähriges Bestehen feierte – zu welchem wir ganz herzlich gratulieren.

Markscheid