Was war denn gleich die Absicht der Gesundheitsreform? Ach ja:

  • Gezielter Ausbau von Leistungen, wo dies notwendig ist
  • Wettbewerb, der vor allem den Versicherten nützt
  • Unnötige Bürokratie wird abgebaut
  • Eine einheitliche Finanzierung

Die Gesundheitsreform 2007 ist seit vielen Jahren die erste Reform, durch die keine Zuzahlungen erhöht oder Leistungen ausgeschlossen wurden. Mit der neuen Gesundheitsversicherung wurden Leistungen zielgenau dort ausgebaut, wo es notwendig ist.″, erfährt der interessierte Bürger da auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit

Die darauf folgende Auflistung von wünschenswerten, mitunter eigentlich selbstverständlichen, mal in den Raum der gesundheitspolitischen Eitelkeiten gestellten Imperative, ist das Mantra des weltfremden Gesundheitsreformers auf dem Schafott der Imagepflege und erinnert angesichts der Realität eher an lustlose Kundenwerbung grenzdebiler Zielgruppen.

Über den gezielten Ausbau von Leistungen, wo dies notwendig ist, befindet zudem dieselbe Institution, deren Fokus auch auf deren Finanzierung gerichtet ist, denn es gilt zu verhindern, dass das schwarze Loch im Gesundheitsetat nicht größer wird, als dass es ein Large Hadron Collider (LHC) in der Fantasie vieler Skeptiker je verursachen könnte. Dass die ein oder andere Notwendigkeit sich dabei zur Irrelevanz verkehren könnte liegt in der Natur der "physikalischen" Gesetze in der unmittelbaren Nähe zu schwarzen Löchern: sie gelten schlicht und ergreifend nicht mehr.

Wettbewerb, der vor allem den Versicherten nützt???

Na, das sind ja mal ganz neue Töne. Das hat es ja noch nie gegeben, dass Angebot und Nachfrage den Preis...und der Kunde davon profitiert? Man könnte fast meinen als sei das Grundprinzip der Marktwirtschaft gerade erst durch eine offene Luke im Verdeck des Reichstages über das Fachgremium geprasselt und hätte dort alles auf den Kopf gestellt.

Aber halt! Sind nicht gerade erst die Beitragssätze gleichgeschaltet und der Wettbewerb der 169 Krankenkassen in Deutschland (Stand 1. Januar 2010) auf einen für den Kunden undurchsichtigen Leistungsdschungel zurechtgestutzt worden? Und handelt es sich bei den hauptsächlich betroffenen ″Kunden″ dieser ″Anbieter″ nicht eigentlich um Pflichtversicherte, als dass man sie als umworbene Zielgruppe (s. o.) auf einem freien Markt bezeichnen könnte?

Versuchen Sie mal in einer Zwangsjacke am Wühltisch die Oberhand zu gewinnen!

Unnötige Bürokratie wird abgebaut!

Wow! Das ist ja ein Befehl! Leider scheint sich die Befehlskette inzwischen in den Grenzbereich astronomischer Raum-Zeit-Anomalien erstreckt zu haben, denn die Anhäufung von Déjà Vu's zum Thema dürfte mittlerweile einen Großteil der aufmerksamen Öffentlichkeit beschäftigen. Die Verwaltungskosten 2007 beliefen sich übrigens auf 8,1 Mrd. Euro und dürften 2008 übrigens nicht weniger geworden sein. Dies gilt wahrscheinlich auch für 2009 - übrigens.

Einheitliche Finanzierung:

Das klappt doch prima! Hier ist man sich einig, da kann man wirklich nicht meckern! Nach neuesten Plänen und Entwicklungen sieht es so aus, als würde der zukünftig steigende Kapitalbedarf im Gesundheitswesen einheitlich durch den Arbeitnehmer finanziert. Und warum auch nicht? Was hat ein Unternehmen, die dortige Beschäftigung eines Arbeiters oder Angestellten und dessen dort erbrachte Leistung schon mit der Gesundheit desselben zu tun? Wäre ja noch schöner, müsste man sich jetzt noch um die Gesundheit seiner zu Dank verpflichteten Belegschaft kümmern! Hier ist sich jeder selbst der Nächste.

...wo wir auch gleich bei der von Gesundheitsminister Rösler (FDP) geforderten Kopfpauschale wären!

Philipp Rösler und die Kopfpauschale: Schrumpfkopf im Bundesgesundheitsministerium?

Philipp Rösler und die Kopfpauschale: Schrumpfkopf im Bundesgesundheitsministerium?

Dieser Abkömmling einer neuen bügelfreien Politikergeneration und Einzelkämpfer einer in Marsch gesetzten Heerschar von fernlenkbaren Lobby-Klonen einer innovationslosen Pharmaindustrie, die für ihre bürgernahen und selbstlosen Interessen schon mal einen kritischen Medikamentenprüfer aus offensichtlich niederen, fadenscheinigen, absehbar unhaltbaren Beweggründen über die Klinge springen lässt, schickt sich zumindest an, seine politische Zukunft von der Durchsetzung der Kopfpauschale abhängig zu machen. Dies wäre dann auch das einzige Problem in der Gesundheitsreform, welches sich von alleine lösen könnte, denn diesen Herrn kann man sich getrost sparen.

Einsparungsmöglichkeiten im Sinne des Beitragszahlers gäbe es hingegen zuhauf...

Einsparungsmöglichkeit 1: Krankenkassen
Einsparungsmöglichkeit 2: Apotheken

...was aber für Unmut im Kegelklub des Klüngels sorgen könnte, wo man gewohnt ist, eine ruhige Kugel zu schieben oder sich auch mal die Bälle zuspielt.