Philipp Rösler und die Klarheit der liberalen Geisteshaltung

Philipp Rösler wusste auf dem Sonderparteitag der FDP in Frankfurt und angesichts des Abschneidens der FDP bei den Landtagswahlen 2011 doch irgendwie zu beeindrucken.

Spätestens am Wahlabend in Mecklenburg Vorpommern war doch eines klar, es muss sich etwas ändern!“

Holla die Waldfee, da ist einem der Stein der Weisen aber sowas von an den Schädel gerauscht…

Philipp Rösler, nachhaltig von den letzten Landtagswahlen getroffen, war denn auch gleich „…entsetzt über die Häme, über die Schadenfreude und über das Kommentieren des schlechten Abschneidens meiner Partei und dass dieses Kommentieren, diese Häme, um ein Vielfaches größer gewesen ist, als das Entsetzen darüber, dass eine rechtsradikale Partei wie die NPD wieder in den Landtag zurückgekommen ist.“

Dass das Entsetzen darüber, dass eine rechtsradikale Partei mit ihren von Frust und Fremdenfeindlichkeit geprägten Inhalten mehr Wähler anzusprechen vermochte, als die Freie Demokratische Partei Philipp
Röslers, würde uns allerdings viel entsetzlicher erscheinen wollen, wären wir deren Vorsitzender. Aber Selbstkritik ist nicht so wirklich die Sache der FDP (und ihrer Vorsitzenden)…

Und damit ist klar (diese Flut von Klarheiten!), die beste Antwort auf Häme, auf Schadenfreude, ist nicht sich wegzuducken, ist nicht Selbstaufgabe oder gar Selbstmitleid, sondern die beste Antwort heißt: Jetzt zu stehen und jetzt gemeinsam zu kämpfen.

…was entsetzlich an die Durchhalteparolen des Reichs-Propagandaministeriums im Kriegswinter ’44 erinnert.

Und: „…wir kämpfen jetzt für unsere liberale Heimat, für unser Zuhause, für unsere liberale Geisteshaltung, wir kämpfen für die Freie Demokratische Partei!

…und schon gar nicht mehr für die Interessen der Wähler!

Es ist Zeit, die Taschentücher wegzustecken!“ heißt es weiter in der Rede. Aber wenn einem doch schon übel ist, Herr Rösler, so ist es doch mehr als anständig, sich zumindest ein Taschentuch vor den Mund zu halten, zumal auf dem Parteitag von der Verteilung von Kotztüten abgesehen wurde.

Wir brauchen uns auch nicht zu verstecken! Was haben wir bisher erreicht? Wo stehen wir heute?

Gute Frage! Wirklich gute Frage!

Sehen wir uns die letzten beiden Jahre an (Guido Westerwelle hatte zuletzt 1961 angesetzt): Wir haben die Neuverschuldung massiv zurückgefahren, wir haben die Familien entlastet, wir investieren in Bildung, Forschung und Technologie, wir haben das Bürokratiemonster ELENA beseitigt, es geht im Internet endlich Löschen statt Sperren … wer glaubt denn, dass ohne die FDP ein solcher Erfolg überhaupt möglich gewesen wäre…

Wir glauben das, Herr Rösler! Wir glauben das!

  • Dass das Zurückfahren stetiger Neuverschuldung als politischer Erfolg verkauft werden kann, obgleich es dabei bleibt, dass immer noch mehr Schulden gemacht werden, nennen wir der Einfachheit halber mal
    schlicht  eine Unverschämtheit – parteiübergreifend.
  • Familien wären deutlich entlasteter, würden FDP und CDU einen Mindestlohn einführen, der einem vollbeschäftigten Arbeitnehmer und somit seiner Familie ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht. Aber
    mit der FDP wid es keinen „flächendeckenden, allgemeinen Mindestlohn“ geben.
  • In Bildung, Forschung und Technologie wird seit eh und je investiert – in welchem Umfang und welchem (angemessenen) Anteil an den Gesamtausgaben des Bundes ist dabei die eigentliche Frage, die aber ganz sicher nicht von der FDP beantwortet werden wird.
  • Und ELENA, Herr Rösler, wurde nicht durch die FDP beseitigt, sondern aufgrund des Drucks der Kritik von Datenschützern an den unhaltbaren Sicherheitsmaßnahmen hinsichtlich des Schutzes der zur Speicherung vorgesehenen Daten.

…bekennen wir uns zu unseren Erfolgen, jemand anderes wird es nicht tun, wenn wir es nicht tun!

…(räusper)… das ist ja bald eine Salve von Steinen der Weisen, die da am Kopf von Philipp Rösler… abprallen.

Und natürlich geht es weiter! Wir wollen nicht auf Halbzeit das Regieren einstellen!

Und genau da liegt ja das Problem!

Wir haben letzte Woche Entscheidungen getroffen. (Die) Entscheidung zum Beispiel für mehr Gerechtigkeit…(WOW!!!) wir wissen es geht um die Bekämpfung, zum Beispiel der kalten Progression – ein schreckliches Wort (ja, und so schrecklich kalt!)  – aber es heißt doch eigentlich nichts anderes, als dass wir mit dem Irrsinn Schluss machen wollen, dass der Staat noch an der Inflation unrechtmäßigerweise verdient, zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger.“

Und das heißt doch eigentlich nichts anderes, als dass da jemand nicht versteht, dass der Staat nicht daran verdient, sondern trotzdem.

„Und es ist richtig, damit Schluss zu machen. Und deswegen fordern wir von dieser Stelle aus die SPD auf…

…und deswegen hören wir hier bei Minute 5 auf, die Rede weiter zu verfolgen und uns mit Philipp im rhetorischen Kreise zu drehen und bezeugen zu müssen, wie das Fehlen jeglicher Einsicht die Aussicht auf die Regierungsfähigkeit dieser Partei zusehends vernebelt.

Einen haben wir aber noch: Zum Thema Sara Wagenknecht (die Linke) wußte Philipp Rösler noch einmal glanzvoll auszuholen: So gut sieht die gar nicht aus, hat ganz kleine Augen…

Kommentare dieser Qualität unterstreichen die von Philipp Rösler beschworene liberale Geisteshaltung, welche auf dem Niveau infantiler Vorschulquerelen und pubertierenden Trotzgehabes jeglicher politischer Kompetenz – sowohl der der Partei, als auch der des Vorsitzenden – entbehrt.

Wer sich die gesamte Rede Philipp Röslers antun möchte, kann seinen Neigungen hier nachgehen.

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