Der erst kürzlich vor dem deutschen Bundestag installierte "Kummerkasten", der Bürger*innen die freie Möglichkeit eröffnete, den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses via schriftlicher Kurzmitteilungen ihre Sorgen und Nöte mitteilen zu können, wurde am Wochenende zu einem Hort des gegenteiligen Freiheitsentzuges.

Laute Hilferufe und ein strenger Geruch in mittelbarer Nähe des Kummerkastens sorgten in der Nacht zum Sonntag für einen Polizeieinsatz. Den herbeigerufenen Beamten bot sich nach Öffnen des etwa 1m3 großen Betonwürfels ein erschreckendes Bild. Die acht eingesperrten Politker*innen, deren Namen aus Sicherheitsgründen ungenannt sein wollen, wirkten angesichts einer einen Hauch zu frei ausgefallenen Auslegung von Kummer-Definition und Verwendungszwecks des Behältnisses vollkommen aufgelöst, verwirrt und desorientiert. Zudem hinterließen die Enge und das Gewicht der Vielzahl von Bürgereinwürfen Schürf- und Schnittwunden, Druckschwellungen und blaue Flecken. Auch ein größeres Geschäft wurde – ohne Lobbyeinfluss – in einer Ecke des Betonkubus abgewickelt, derweil die Politkörperhygiene mittels herkömmlicher Nutzung der bürgerlichen Rückmeldungen aufrechterhalten werden konnte.

Politiker in Kummerkasten des Bundestages gesperrt

Die Politiker*innen erlitten laut Polizeibericht extrem traumatische Erschütterungen ihres politischen Selbstverständnisses und werden derzeit psychologisch betreut. Spezialisten suchen die Betroffenen in einer therapeutischen Einrichtung wieder behutsam von Bürgerinteressen und -befindlichkeiten zu isolieren und von wählerbedürfnisverursachten Handlungszwängen zu befreien. Es besteht Hoffnung, die Geschädigten binnen Monatsfrist wieder in die Abgeschiedenheit der parlamentarischen Themenweidegebiete entlassen zu können.