Postmortale Tierpsychologie: Hat ein Schnitzel Gefühle?

"Eine Atmosphäre der Zuwendung und Begegnung schaffen"

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Ob am Stück, gehackt oder verwurstet, Fleischprodukte werden in ihrer emotionalen Zuwendungsbedürftigkeit häufig unterschätzt. Die Folgen: fader Geschmack, aggressive Fettspritzer, widerstrebendes Garen, Zähigkeit. Die postmortale Tierpsychologie wendet sich an dieser Stelle einer völlig neuen Fragestellung zu: Haben Schnitzel, Bratwurst oder Frikadelle Gefühle? Und wenn ja, wie wirken sich diese auf die Zubereitung und den Verzehr aus?

Hat ein Schnitzel Gefühle: Postmortale Tierpsychologie

Postmortale Tierpsychologie: "Eine Atmosphäre der Zuwendung und Begegnung schaffen"

Führende Rest-Tiertherapeuten führten bis dato ein belächeltes Schattendasein, doch das Bewusstsein der Verbraucher, mit einem Fleischprodukt einen Teil eines noch vor kurzem quicklebendigen Wesens mit all seinen facettenreichen Grundbedürfnissen in Händen zu halten, wächst.

Bruno Hackethal, Rest-Tier- und Grillfleischtherapeut der ersten Stunde, gemahnt zum ganzheitlichen Denken, denn selbst eine ordinäre Roh- oder Kochwurst hat eine Biographie und ist nachwievor Teil einer vormals auf einer Wiese oder in einem Stall herangewachsenen Persönlichkeit. Bereits während des Einkaufes sollte das Fleisch mit angemessener emotionaler Offenheit, Hingabe und Aufmerksamkeit bedacht werden.

In den meisten Fällen hatte die Fleischquelle – nicht zuletzt aufgrund immer kürzerer Lebensspannen bis zur Schlachtreife – nur selten Gelegenheit, sich der Komplexität und den Grundfragen des Daseins widmen und das Erlebte angemessen reflektieren zu können. Das plötzliche und zumeist von Stress begleitete Ableben des Tieres mündet dabei in weit den meisten Fällen in einem postmortal emotional unbefriedigten Endprodukt. Insbesondere im Falle von Hacksteaks ist es dem Quelltier nahezu unmöglich, die Einzelteile seiner unbewältigten Eindrücke zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Bruno Hackethal empfiehlt Verbrauchern eventuellen geschmacklichen Spätfolgen prämortaler Traumata ungezwungen zu begegnen. "Ein liebevolles 'Ja, wo is' er denn' oder 'Ja, du bist ja ein ganz lieber' kann wahre Wunder bewirken", so Hackethal. Die Aufgabe besteht darin eine Atmosphäre der Begegnung und Entspannung zu schaffen. Es gilt dem Tier nach seiner Schlachtung Raum zur postmortalen persönlichen Entfaltung zu geben.

"Häufig sind es die banalen Dinge des Tierlebens, wie frühe Weckzeiten, fehlende Privatsphäre oder üble Nachrede in der Legebatterie, die für unbewältigte Traumata Sorge trugen und nicht mehr verarbeitet werden konnten, zumindest nicht so, wie dies dem Tier hätte zuträglich sein können.", erklärt Hackethal, der während unseres Gesprächs einem Lammkotelett die entgangene Mutterliebe angedeihen lässt.

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