Während die deutsche Rüstungsindustrie weltweit für Qualität und Innovation steht und im ersten Halbjahr 2019 ihre Exporte ausweiten konnte, sorgen sich deutsche Munitionshersteller um ihre Marktposition, denn um ihre Produkte neuen Trends, Entwicklungen und Bedürfnissen erfolgreich anpassen zu können, bedarf es – wie in anderen Branchen auch – auch hier der Kundenrückmeldung in Form von Lob, Kritik und Anregungen, doch Verbraucherrezensionen sind Mangelware.

Ein Projektil oder eine Artilleriegranate muss heute weit mehr Ansprüchen genügen als noch vor ein paar Jahrzehnten. "Die Endverbraucher haben höhere Ansprüche als früher", so Wiegand Rohde, Rüstungsexperte des Fachmagazins "TREFFER". "Leider ist es schwer überhaupt und vor allem rechtzeitig an inzwischen wie Gold gehandeltes Endverbraucher-Feedback der 'Zielgruppe' der Warengruppe Munition zu kommen."

Rar in der Munitionsbranche: Endverbraucher-Feedback von Zielgruppe

Rar in der Munitionsbranche: Endverbraucher-Feedback von Zielgruppe

Wo für die Munitionsbranche vor 2 oder 3 Jahrzehnten das Ableben eines Weichziels durch gezielten Produkteinsatz als erfolgreiche Anwendung gewertet und ein Produkt daraufhin keine Weiterentwicklung erfuhr, ist ein Treffer heute nur ein Teil der Erfolgsbilanz. Der andere Teil: Die Optimierung der prämortalen User-Experience, wie z. B. das Einschlags-Feeling (hart und scharf (unangenehm) oder sanft und weich (angenehm)), die Impaktakustik (der Klang des Treffers für den Getroffenen (dumpf/eintönig, knackig/energetisch, matschig/abstoßend) sowie die Hitze- und damit Geruchsentwicklung. Letztere führt insbesondere beim Treffen der Eingeweide zu Übelkeit und Erbrechen. Auch das Thema Umweltschutz (Rauchentwicklung) und Lärmbelästigung (Mittags- und Nachtruhe) spielen eine zunehmende Rolle.

Laut Rohde entsandte die deutsche Munitionsindustrie im Jahr 2018 etwa 2.400 "Marktforscher", die sich auf den Schlachtfeldern der zahlreichen weltweiten Konfliktgebiete um ein kurzes Statement von Seiten des am äußersten Ende stehenden fallenden Verbrauchers bemühten. Selbst getroffen zu werden ist dabei selbstverständliches Berufsrisiko. Doch wem es im Falle eines Treffers gelingt noch seine persönlichen Treffereindrücke via WhatsApp an die Munitionsherstellergruppe zu übermitteln, dem winken sowohl eine schöne Bestattung mit Musik, als auch die Namenspatenschaft für eine komplette Produktcharge (z. B. "7,62 × 39 mm – Rudi Meier").