Nein, im Jemen kommen nach bisheriger Erkenntnis keine Knochensägen zum Einsatz, denn selbst Saudi-Arabien war im Vorfeld der Militärintervention, sprich der religiös-politisch-motivierten Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Jemen, klar, dass die internationale Gemeinschaft – nebst völkerrechtlicher Bedenken – den verkehrten Einsatz von medizinischem Gerät wohl negativ konnotieren würde.

Im Falle des unliebsamen Journalisten Jamal Khashoggi erschien der durchaus als bizarr zu bezeichnende Einsatz einer Knochensäge angesichts der Tötung einer Person allerdings vertretbar, schließlich ist Mord – noch dazu in der landeseigenen Botschaft im Ausland – eine Angelegenheit, deren Planung eine möglichst für geringes Aufsehen sorgende Entsorgung des Leichnams mit einschließen muss. Eine Knochensäge erwies sich hier als brauchbares Werkzeug.

Im Falle der flächendeckenden Tötung einer Zivilbevölkerung und der Zerstörung lebenswichtiger Infrastrukturen eines autonomen Staates ist die Entsorgung von 56.000 Toten, welche direkt oder indirekt (der Zusammenbruch der Infrastruktur sorgt für massive Versorgungsengpässe und Unternährung weiter Teile der Bevölkerung) den Angriffen der saudi-arabischen Luftwaffe zum Opfer fielen, nicht von Nöten. Hier sorgt ein Detail (im Gegensatz zur Aufregung rund um das herbeigeführte Ableben von Jamal Kashoggi) im Jemen für Abhilfe: Es handelt sich bei den Toten nicht um Journalisten.

Dies soll sich nach uns vorliegenden Informationen nun allerdings ändern: Laut Human Rights Watch sowie weiteren humanitären Organisationen werden den Opfern, Angehörigen und weiten Teilen der Zivilbevölkerung des Jemen bis Donnerstag internationale Presseausweise aus- und zugestellt.

Vielleicht mit Presseausweis mehr Chancen auf Aufmerksamkeit und Hilfe: Jamila Ali Abdu

Von der Maßnahme erhoffen sich die Organisationen die Gleichstellung von nicht im journalistischen Bereich tätigen Opfern mit anerkannten Berichterstattern – und ein Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft, auch wenn die wirtschaftlichen Beziehungen zu einem Haufen Wüstenscheiße mit Sitz auf ergiebigen Ölquellen wertvoller erscheinen, als der unbeschwerte Blick in den Spiegel.


Diesbezüglich: Allein Donald Trump gewährte einen erfrischend offenen Einblick in die internationale Handelsethik des Westens, indem er öffentlich bekundete, einen Milliardendeal mit Saudi-Arabien wegen des Kashoggi-Vorfalls nicht aufzukündigen und anderen Staaten überlassen zu wollen.

Bevor Sie nun aber mit dem Finger auf Donald Trump zeigen: So läuft der Laden, und auch jene, welche da öffentlichkeitswirksam die "Bekämpfung von Fluchtursachen" einfordern, haben selbst – im Rahmen der Rot-Grünen oder Schwarz-Roten Regierung – für kontinuierliche Waffenlieferungen in krisengeschüttelte Regionen dieser Welt Sorge getragen.