...und freut sich als Quasi-Arbeitgeberin der 1,3 Millionen Angestellten im Öffentlichen Dienst und Herrscherin über 3,4 Millionen Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie ob der Erfüllung einseitiger Interessen.

Besser hätten die Verhandlungen gar nicht verlaufen können, denn wo gleich zwei Gewerkschaften bereit sind, sich auf ein Almosen von 2,3% - wofür die deutschen Krankenversicherer sicherlich sofort eine Verwendungsmöglichkeit finden werden – und eine, mal in den krisengeschüttelten Raum gestellte Arbeitsplatzgarantie einlassen, da darf man auch mal ein Lob aussprechen und sich dabei vor Lachen an den Bauch fassen. Als die Herren Gewerkschafts-Verhandlungsführer dann auch noch einer Festschreibung des Tarifabschlusses für 23 (IG-Metall NRW), bzw. 26 Monate (verdi) zustimmten, bedurfte es bei Arbeitgebern und im Kanzleramt schon eines starken Beruhigungsmittels. Die Lage hat sich dort allerdings wieder normalisiert und Kanzlerin Merkel und der ein paar Häuserecken weiter mitfeiernde Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, sind nach einem 8stündigen Lachkrampf wieder wohlauf und erfreuen sich bester Gesundheit.

„Beispielhaft“ seien diese Tarifabschlüsse und mit diesem Ritterschlag für Tugendhaftigkeit in Tarifverhandlungen, mitten in das verdutzte Gesicht der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, erübrigt sich auch gleich jegliches Folge-Geplenkel in anderen Regionen und Branchen, die nun aufgefordert sind, diesem Beisiel zu folgen.

Tarifabschluss: Zahme Gewerkschaften

Ja, wo isser denn... der Einkommenszuwachs?

Dass diese Abschlüsse vor dem Hintergrund der »schwersten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren« zu sehen sind, ist ja wohl selbstverständlich. Die Jahre zuvor steckten übrigens in der zweit-, dritt- oder viertschwersten, und überhaupt gestaltete sich der Wettbewerb als solches in den letzten (100) Jahren als schwierig. Vor allem Löhne, Lohnnebenkosten, Betriebskosten und Steuern werden in den Führungsetagen mithin als zu starke Bremsen für Wachstum angesehen, so dass Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen gut daran täten, auch gleich den Urlaub und Weihnachten mit in die Tonne zu drücken und das Thema realer Lohnerhöhungen konsequenterweise dorthin zu verbannen, wo es hingehört: in die Sphären deutscher Märchen und Sagen, wo sie immerhin noch die Chance hätten, den Pfad zum leuchtenden Mythos zu beschreiten.

Verdi Chef Frank Bsirske glaubt nach Einnahme einer ausreichenden Menge psychoaktiver Substanzen übrigens, im ausgehandelten Gesamtpaket, also einschließlich aller möglichen Zusatzleistungen, eine Lohnsteigerung von 3,5 Prozent erkennen zu können und Beschäftigte von Stadtwerken könnten durch Sonderregelungen (und psychoaktive Substanzen) sogar mit 4,9 Prozent höheren Löhnen rechnen. Und wenn man völlig auf den Kopf gefallen oder gegen einen Bus gelaufen ist, könnte man sogar meinen, Leistung würde sich wieder lohnen!

Wie man als Gewerkschaft noch aufrecht in den Spiegel sehen kann, während man sich über Jahre hinweg im Panic-Room der Arbeitgeber hin und her hat scheuchen lassen, um schlussendlich als handzahmes Schoßhündchen den Spielbällen der Arbeitgeber nachzurennen und sich bis zur Unkenntlichkeit konditioniert mit Entlohnungsabfällen zufrieden gibt, ist verquer.org und vielen (schwindenden) Gewerkschaftsmitgliedern ein Rätsel.

Sitz! Platz! Brav!

Süddeutsche: Zahme Gewerkschaft
Fokus: Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst