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Sigmar Gabriel ist ein Mann, der kaum seine Arme verschränken kann, ohne dabei irgendwie auszusehen wie eine deformierte Gliederpuppe. Sigmar Gabriel ist Außenminister und mit seiner Arbeit sind laut DeutschlandTrend vom Februar 2018 57% der Befragten zufrieden – vor Angela Merkel mit 53%. Vielleicht hätte man nicht nur ihn fragen sollen, und so nebenbei genossen die meisten seiner Amtsvorgänger dieses Wohlwollen.

Warum das so ist, ist vergleichbar mit einer Fernfahrer-Ehe: Sie funktioniert bestens, solange er/sie nicht (ständig) zuhause ist. Dass jemand beliebt ist, wenn er nicht allzu häufig in Erscheinung tritt, zeigt sich außerdem nicht selten an signifikant steigender Wertschätzung nach biologischem Ableben. Hier stehen Sigmar Gabriel tatsächlich noch unausgeschöpfte Potentiale zur Verfügung.

Sigmar Gabriel und der SPD-Parteivorsitz von 2009 bis 2017

Der Sigmar war irgendwie keiner, der der Partei Glanz verlieh, noch einer, der Akzente zu setzen vermochte. 2009 verlor die SPD unter seinem Vorsitz satte 11,2% der Wählerstimmen im Vergleich zur Bundestagswahl 2005. 2013 (ja doch, Kanzlerkandidat war Peer Steinbrück) fuhr die SPD unter seinem Vorsitz das zweitschlechteste Ergebnis der SPD bei einer Bundestagswahl ein. Als Wirtschaftsminister war er unter anderem für die Rüstungsexporte der Bundesrepublik Deutschland, die Verhandlungen über TTIP und CETA mit Kanada und den USA und, durch die Erweiterung des Wirtschaftsministeriums mit der Energiepolitik, für die Energiewende zuständig.

Sein Wechsel in das Amt des Außenministers im Januar 2017 – unter Niederlegung des Parteivorsitzes – ist denn auch weniger eine von Einsicht und Selbstkritik geleitete Entscheidung, denn intelligentes Kalkül auf Basis niederer Instinkte. Vielleicht spielte die Vorhersehbarkeit, dass er, der Sigmar, bei der Bundestagswahl keinen Blumentopf gewinnen würde, eine Rolle. Vielleicht war da aber auch die schmerzliche Erkenntnis, dass er, der Sigmar, nach der Bundestagswahl damit rechnen musste, dass er erhält, was ihm für seine augenscheinlichen und nachvollziehbaren Leistungen zusteht: Kein Parteivorsitz und kein Ministeramt.

Leider hatte der Martin im Hintergrund wohl ein Versprechen abgegeben, dass er, der Sigmar, im Falle des Eingehens einer abermaligen großen Koalition, seinen Außenministerposten behalten dürfe, denn dem Sigmar gefällt es, leistungsunabhängig geschätzt zu werden.

Martin Schulz und die werten Genoss/innen

Leider hat der Martin direkt nach der Bundestagswahl viel gesagt, woran sich dieser Mann fortan messen lassen musste. So sagte der Martin, dass die SPD in die Opposition ginge und er, der Martin, unter Angela Merkel keinen Kabinettsposten innehalten wolle. Leider blieb er nicht dabei.

Aber tat er es allein und nach eigenem Gutdünken? Wohl kaum! Die Presse machte ordentlich Druck, blähte den Wechsel in die Opposition zu pestilenzartigem Verhalten auf und ich möchte mir nicht ausmalen, wie viele SPD-Spitzenmitglieder an seinen Ohrläppchen kauten und von „Chancen“ oder „politischer Verantwortung“ sprachen. Ganz vorne ein Frank-Walter Steinmeier, einem Musterbeispiel an amöber Anpassungsfähigkeit und – amöber Natur entsprechend – ohne Rückgrat. Der ist jetzt Bundespräsident. Passt scho.

Das Ende vom Lied: Der SPD-Parteivorsitzende, der Maddin, der zum ersten Mal in der Geschichte der SPD mit einem Votum von 100% an die Parteispitze gewählt wurde, wurde schlicht und ergreifend verheizt. Man muss einen Menschen nicht mögen, um sagen zu können, dass das niemand verdient hat, der mit den kläglichen und halbverwesenden Überresten der Sozialdemokratie in den Wahlkampf zog und es dabei tatsächlich vermochte, so etwas wie Aufbruchstimmung zu versprühen.

Dass man ihm das nicht abnahm, lag zwar auch, aber nicht nur an seiner Person, denn auch an jenen, welche den Karren (die SPD) zuvor amtlich in den Dreck fuhren: Namentlich Sigmar Gabriel und Andrea Nahles. Letztere machte schon als Pippi Langstrumpf in der Opposition eine schlechte Figur, um nach dem Eintritt in die Große Koalition zur Prusseliese in Nadelstreifen zu degenerieren. Zuletzt sorgte Nahles mit "Ab morgen kriegen sie in die Fresse" für starke Töne. Wenn Martin Schulz nur schon gewusst hätte, dass diese Schläge nicht nur nach hinten losgehen, sondern ausschließlich ihn treffen.

SPD: Schulz / Gabriel

Nachdem das Schreikind Gabriel (von dem man nach der Wahlniederlage erstaunlicherweise so gar nichts hörte) nunmehr nichts besseres zu tun hatte, als für sein Totalversagen Respekt einzufordern und sich beleidigt und von kindlichem Trotz gezeichnet gar nicht erst die Mühe machte, aus seinen niederen Pöstchenwünschen keinen Hehl zu machen und damit nahezu alleinverantwortlich jene Personaldebatte in Rollen brachte, die drohte, die SPD abermals in Misskredit zu bringen...

... dass der Martin dem Sigmar dafür nicht auf offener Bühne die Fresse poliert und demaskiert hat, dafür erntet Martin jetzt ganz ganz viel Respekt und Anerkennung...

... mitunter von Wesenheiten, von denen ich froh bin, dass sie nicht Teil meines sozialen Umfeldes sind, und die ihrerseits froh sind, aus dem Schneider zu sein: Kleine feige Heuchler!