Eine Fliege kann nerven. Dabei erscheint ihr Tun willkürlich oder von instinktiver Nahrungssuche getrieben. Forscher haben nun Auffälligkeiten entdeckt, die es unmöglich machen, bei einer Fliege nicht mehr von einer Persönlichkeit mit eindeutigen Absichten sprechen zu müssen.

Laut Ergebnissen einer Langzeitstudie scheint eine Fliege nicht nur zu wissen, dass sie nur maximal 28 Tage zu leben hat, sondern "Sie scheißt drauf. Auf alles! Und das bewusst!", so Dr. Hegedorn, Insektenforscher des Instituts für Brachycerologie in Bergkamen.

Wer glaubt, es steckte nichts – und hierbei speziell "keine Absicht" – dahinter, wenn eine Fliege sich anschickt, einen Menschen bei geöffnetem Wohnzimmerfenster direkt anzusteuern, der irrt. Genau betrachtet stehen einer Fliege gut eine Milliarde Kubikmeter Luft und hunderte Quadratkilometer Landschaft zur Verfügung. Dennoch reduzieren sich Aktionsradius und Flugbahn in Menschennähe dramatisch. Einmal einen (beschäftigten oder in Ruhephase befindlichen) Homo sapiens ausgemacht, ist das Eindringen in das Habitat des Menschen ausgemachte Sache und ihre Bahnen kreisen stur um dessen Schädel, Beine, Füße oder Mahlzeit. Und dies – und das ist neu – "bei vollem Störungs-Bewusstsein und ebenso bewusster Vergegenwärtigung, dass jeder Augenblick der letzte sein könnte. Das ist eine Entscheidung! Das ist gelebter Nihilismus.", so Hegedorn.

Zu allem Überfluss führen Fliegen, nebst ihres unsäglichen Sinns für querolantes Verhalten, vieles dem Menschen Unangenehme mit sich. Laut Hegedorn tut der Mensch zumeist "gut daran, sich nicht auszumalen, was so ein munterer Spießgeselle da auf dessen Brotzeit hinterlässt, lässt sich das Getier einmal darauf nieder und beginnt seine Vesperwanderung, z. B. über ein Wurstbrot."

So mancher Landgasthof wäre laut Hegedorn gut beraten, auf seiner Speisekarte via Hinweisen wie beispielsweise "KANN SPUREN VON KUH- UND SCHWEINEDUNG UND VIEL SCHLIMMEREM ENTHALTEN" auf das verächtliche, dabei gezielt kniggeverletztende Hygienegebaren von Calliphora vicina (Blaue Schmeißfliege) aufmerksam zu machen.

So klein Musca domestica oder Calliphoridae auch sein mögen, binnen weniger Stunden nach Geburt entwickeln Fliegen schon so etwas wie eine ausgefeilte Verschlagenheit. Hinzu kommt ein angeborenes Gespür für die Störanfälligkeit des Menschen – welche sie fortan schamlos auskosten.

Moral, Respekt, ja ein Verständnis für die Notwendigkeit eines Reglements sind Fliegen derweil nicht völlig fremd. In Verbindung mit dem Wissen ob ihrer kurzen Lebenserwartung wird dieses Verständnis allerdings mit den ersten Flügelschlägen kurzerhand über den Haufen geworfen, denn im Laufe zahlloser Fliegengenerationen hat es sich "herumgesprochen", dass Fliege für gebührliches Verhalten keinen nennenswerten Bonus erhält.
Der Grund hierfür ist gar verständlich, denn dieser Bonus ist nur durch ein "dem Menschen Fernbleiben" anstrebbar. Durch das Fernbleiben ist jedoch eine Wahrnehmung der Fliege durch den Menschen nicht mehr gegeben, womit jegliches respektierliche Verhalten aufgrund des Nicht-wahrgenommen-werdens für sie letztlich verschwendete Zeit ohne Unterhaltungswert darstellt. Das Ergebnis: Eine Fliege kann nerven – und sie tut es auch, wenn sie kann – und hat Spaß dabei.