Depressionen sind, gelinde gesagt, eine Gemütserscheinung, welche Betroffene in einem Gefühlsdunkel festhält. Als Ursachen gelten u. a. Verluste, Belastungen und Überforderung, traumatische (Kindheits-) Erlebnisse sowie biochemische Veränderungen im Gehirn. Letzterer Auslöser wurde nun im Rahmen einer neuen Studie tiefergehend erforscht.

Wo bis vor kurzer Zeit der Zusammenhang von Virusinfektionen und Depressionen herausgestellt werden konnte, stellten Forscher nun biochemische und depressionsfördernde Veränderungen im Hirnstoffwechsel von Testpersonen fest, welchen zuvor eine genormte Reihe von Lebensmitteln verabreicht wurde. Hierbei gelang es erstmalig nahezu zweifelsfrei den Auslöser für die Stoffwechselveränderungen dingfest zu machen: Äußerst schlechtgelaunte Einzeller.

Den Beobachtungen zufolge wandeln sich auf oder in Nahrungsmitteln hausierende und bis zum Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme vollkommen unauffällige und in Gruppen zusammenlebende Einzeller (höchstwahrscheinlich) aufgrund der gewaltsamen Loslösung aus gewohnter Lebensumgebung und damit einhergehenden Trennungen von liebgewonnen Zellenpartnerschaften und Gewohnheiten in sogenannte Melancholien.

In Folge der mit der Wandlung einhergehenden innerzellulären Stoffwechselveränderungen scheidet Amoeba Melancholia Stoffe aus, welche wiederum im menschlichen Körper die Ausschüttung des (ugs.) Glückshormons und Neurotransmitters Serotonin nahezu vollständig sowie die Aufnahme von (im Kontext von Depressionen als hilfreich erachteten) Mikronährstoffen, Omega-3-Fettsäuren oder L-Carnitin weitestgehend unterbinden.

Den Forschern gelang es unter hohem technischen Aufwand ein Exemplar zu isolieren und der Blick durch das Mikroskop zeigte denn auch ein trauriges Bild:

Melancholien: Trübsinnige Einzeller in Lebensmitteln verantwortlich für Depressionen

Unglücklich: Amoeba Melancholia (Melancholie/Trübsinnzelle) unter dem Mikroskop

Amoeba Melancholia ist – im Gegensatz zu Amoeba Euphoria, einer nervtötend gutgelaunten Gattung, und Chaos aus der Gruppe der Verwirrung und Unruhe stiftenden Euamoebida – ein Trübsinnzeller, welcher, ohnehin leicht verstimmt, ein eher unscheinbares und bescheidenes Dasein fristet und wenig Erwartungen an sich und seine Umwelt stellt. Störungen seines Habitats und Lebenszyklus' verzeiht Amoeba Melancholia derweil überhaupt nicht und ist aufgrund eines für einen Einzeller überraschend langlebigen Erinnerungsvermögens äußerst nachtragend.

Dem nicht genug, lässt Amoeba Melancholia – einmal im menschlichen Körper angelangt – keinen Zweifel daran, dass sie ihre Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation nicht gewillt ist, alleine auszutragen, und wo immer sie die Gelegenheit hat, ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen, wird sie dies auch tun. Insbesondere im Gehirn sieht Amoeba Melancholia hier ihre Bühne der Unbehaglichkeit bestens beleuchtet und nutzt die Gelegenheit, nicht nur Zellnachbarn, sondern das Gedankengut des ganzen Wirtskörpers in Beschlag zu nehmen, und so ziemlich alles mies zu machen, was ihr da an fröhlichen Gehirnströmen in die Quere kommt.

Im Kern, so die Forscher, bestand der bisherige Therapieansatz fehlerhafterweise in der Behandlung einer Persönlichkeit. Der nunmehr erlangte Stand der Erkenntnis macht jedoch klar, dass der Therapeut es tatsächlich mit einem gefüllten Stadion an verstimmten Charakteren zu tun hat, derer hochgradigen Verstimmung es gilt Herr zu werden.