Die Aufregung ist groß um die Nominierung der derzeitigen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin. Welche Anforderungen an fachlicher Kompetenz und ähnlich gearteter Qualitäten das Amt erfordert, ist Ursula von Leyen schleierhaft, denn "wäre es wichtig und von Bedeutung", so Ursula von der Leyen, "dann würde mein Name ja gar nicht fallen. Und wenn, dann unter den Tisch."

Ursula von der Leyen ist realistisch. Als studierte Volkswirtschafterin und ebensolche Medizinerin kommt das unter dem Strich – nebst einem Sinn für wirtschaftliches (Eigen-)Wohlergehen – wohl zwangsläufig dabei heraus. Da ist nicht viel Platz für Etwaigkeiten oder gar Träume. Und wenn man dann auch noch die London School of Economics und "irgendwas mit Marktanalyse" in der Stanford Health Services Hospital Administration gemacht hat, dann bleibt man schon auf dem Boden der wahrscheinlichen Tatsachen.

Ursula von der Leyen hat 7 Kinder. Diese wurden zwischen 1987 und 1999 geboren. Das sogar von ihr selbst und nicht irgendwelchen Beratern, und in jener Zeit, da sie als Assistenzärztin an der Frauenklinik der medizinischen Hochschule Hannover tätig war, einen Aufenthalt in Stanford, Kalifornien/USA absolvierte und dort als "Auditing guest" der Stanford University (Graduate School of Business) zahlreichen tatsächlichen Studenten den Sitzplatz vor der Nase weghockte und sich der Marktanalyse am Stanford Health Services Hospital widmete. Im Anschluss daran auch gleich kommunalpolitische Mandate in der Region Hannover und 2003 bereits das Ausfüllen des Amtes der niedersächsischen Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit. Chapeau!

Ursula von der Leyen ist ein Paradebeispiel dafür, wie sehr sich Job und Familie mit der richtigen Einstellung vereinbaren lassen. "Geplante Kindesvernachlässigung und Verantwortungsübereignung" – letzteres in beiden Bereichen – lauten die Zauberwörter. Und so lassen sich dann auch nahezu ohne Schonzeit und Mutterkreuzambitionen am Fließband gezeugte Kinder und eiserner Karrierewille zu etwas verbinden, was diese Frau geeignet erscheinen ließ, ihr die Geschicke von Frauen und Familien in die Hand zu legen. Im Zweifel natürlich nicht für alle Frauen und Familien, denn in der Politik kann man es nicht allen recht machen, sondern für jene, die als dysfunktionale Beispiele emotionaler Teilnahmslosigkeit an der Konsequenz persönlichen Handelns zur Übernahme von Führungsrollen geradezu von pathologischer Natur her mehr als geeignet sind, und aufgrund dieser unter ihrem Versagen und deren Folgen (auch für andere) keinerlei Leidensdruck verspüren. Top-Eigenschaften für das Top-Management.

Ursula von der Leyen lächelt zu sich anbietenden Gelegenheiten. Ihr Lächeln entspringt dabei nicht positiver Empfindungen, sondern zweckorientierter Aufgesetztheit und besticht durch eine der Sympathieerzeugung oder -bekundung zugeeigneten Bestimmtheit. Vielleicht ist da aber auch einfach nichts als Leere, die sich unter dem Druck des gesellschaftlichen Habitus zu so etwas wie einem Lächeln verzerrt. "Wäre ihr Lächeln ein Land, dann müsste es befreit werden", sagte Volker Pispers einmal über Ursulas Mimenspiel.

Bei Debatten weiß sie durch klare und direkte Ausweich-Detailmanöver das Thema in seiner peripheren Ganzheitlichkeit zu adressieren, passiert den Kern jedoch ohne ihn berühren zu müssen, obgleich sie sich mit selbigem auf ministerialer Ebene wohl zu kleiden weiß, blickt man nicht allzu genau auf die unsauberen Nähte.

"Kompetenz bedeutet, sich zunächst einer Sache voll und ganz zu widmen. Das kostet Zeit und jede Menge Energie, interessieren sie sich gar nicht wirklich dafür oder nicht für alles. Ein diesbezüglich geeignetes Berufs- und Betätigungsfeld bietet hier nur die Politik. Nicht, dass sie da von gar nichts eine Ahnung haben müssen, aber es genügt in der Regel, wenn ihnen die geläufigsten Schlüsselwörter zu entsprechender Gelegenheit halbwegs flüssig über die Lippen gehen. Alles weitere können sie – haben sie sich einmal ordentlich positioniert – delegieren. In der Politik begegnen ihnen zudem nur wenige Menschen, die von einer Sache wirklich eine Ahnung haben, die mit "vollumfänglichem Wissen" gut beschrieben wäre, und ein jeder ist froh, sich auf das Unwissen der anderen verlassen zu können. Niemand wird einem da einen Strick drehen, schließlich könnte sich dieser, streckt man seinen Hals zu weit aus dem Fenster der Absprechung von Kompetenz anderer, ganz schnell um den eigenen drehen. Und haben sie einmal eine Position erreicht, dessen Titel die Hinterfragung ihrer fachlichen Eignung schon aus Respektsgründen ausschließt, so stehen ihnen alle Wege offen. Es genügt von daher nicht einfach nur unfähig zu sein, man muss auch in die Politik gehen. Und dort können sie dann beruhigt von einem Ressort ins andere wechseln, denn das können nur Ungelernte".