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Standard & Poor's äußerte unlängst Zweifel an der Bonität der Vereinigten Staaten und schon verliert der weltgrößte Schuldner das höchste Gut seiner ebenfalls weltgrößten Marktwirtschaft: seine bislang unantastbare Kreditwürde. Das ist Marktwirtschaft in Reinkultur.

Wo die kapitalistische Freude ob derart kapitalistischer Konsequenz nicht größer sein könnte, erweichen nun die Knie. Die alten Kumpels der Finanzbranche, die unvorsichtigerweise und im Glauben hingebungsvoller Treue unkontrolliert von der Leine gelassen wurden, fassen nach der ausgestreckten Wade des Herrn – nicht nur in den USA. Was aus tierhalterischer Sicht genug Gründe für die Vereinbarung eines Einschläferungstermins beim örtlichen Veterinär liefert, sorgt zunächst einmal für eine globale Verunsicherung des Marktes und scheucht das "scheue Reh des Kapitals" aus seiner Deckung, ja droht das Weite zu suchen. Dort liegt aber nicht die Lösung, sondern schon der ein oder andere Hund (oder Herr?!) begraben: Japan leidet unter den Folgen einer Umwelt- und Nuklearkatastrophe, Europa wankt unter dem Druck himmelschreiender Haushaltsverschuldungen einiger Mitgliedsstaaten und dem Unwillen ausgemachter EU-Gegner, diese mitzutragen, und überhaupt ist der Weltmarkt noch zu sehr geschwächt vom letzten "Wurmbefall" und die angegangene Rosskur verfehlt ihre Wirkung angesichts eines viralen Infektes, der getrost als marktliberale Immunschwäche (ACDS) bezeichnet werden kann, die mit immer neuen Derivaten für die Schwächung ihres jeweiligen Wirtes sorgt.

Acquired Capital Deficiency Syndrome

(englisch für erworbenes Kapital-Defizit-Syndrom), zumeist abgekürzt als ACDS und ugs. als marktliberale Immunschwäche benannt, bezeichnet eine spezifische Kombination von Symptomen, die auf dem Kapitalmarkt, in Folge der Infektion mit dem kapitalistischen-Tollwut-Virus und der damit induzierten Zerstörung des Geldmarksystems, auftreten.Hervorgerufen wird die Infektion durch den ungeschützten Genuss von "Collateralized Debt Obligations", synthetischen Finanzmarktprodukten, die aufgrund ihrer polymorphen viralen Oberflächenstruktur keine gezielte Behandlung ermöglichen.

Eine besondere Eigenschaft des Virus' ist die Täuschung des Wirtes, der im fortschreitenden Stadium der Infektion zur Ausschüttung massiver Geldmitteln stimuliert wird und dabei dem Irrglauben erliegt, damit der Infektion entgegenwirken zu können. In der Akut-Phase des Krankheitsverlaufes zeigt sich jedoch, dass der vermehrte Einsatz von Geldmitteln zur verstärkten Schwächung des wirtseigenen Haushaltssystemes führt. Da es sich dabei in der Regel nicht um haushaltseigene Geldmittel handelt, sondern um Mittel, die vom Erreger selbst und nur gegen sog. "Deregularia" zur Verfügung gestellt werden, spricht man in Fachkreisen – nicht zuletzt aufgrund der damit verbundenen, z. T. kostenintensiven direkten und indirekten Nebenwirkungen – auch vom "Kapital-Defizit-Paradoxon".

Die End-Phase der Infektion zeichnet sich durch die gezielte Herabstufung der Kreditwürde des Wirtes aus, der, resultierend aus dem inflationären Einsatz von finanziellen Mitteln, keine weiteren Mittel mehr erhält und dem Erreger bis zum Zusammenbruch der "inneren Organe" hoffnungslos ausgeliefert ist.

 

Was also tun? Alaska verkaufen?

All we need is a fucking war? Der "Feind" sitzt nun im eigenen Fleische, die Meister des liberalisierten Marktes haben sich in ihrem eigenen Finanzdschungel verlaufen und stehen, frei nach Friedrich Nietzsche, den eigenen Abgründen gegenüber:

"Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein."
Friedrich Nietzsche

Wie weit ist es mit "God's own country" gekommen?

Ich bin einer der unglücklichsten Menschen. Ich habe, ohne dies beabsichtigt zu haben, mein Land ruiniert. Eine großartige Industrienation wird jetzt von ihrem Kreditsystem kontrolliert. Unser Kreditsystem ist privat konzentriert. Deshalb liegen das Wachstum der Nation und all unsere Aktivitäten in den Händen weniger Männer... die zwangsläufig durch ihre eigenen Beschränkungen wahre ökonomische Freiheit einschränken, kontrollieren und zerstören.

Wir wurden so eines der am schlechtesten regierten, meist kontrollierten und beherrschtesten Länder der zivilisierten Welt – wir haben keine Regierung der freien Meinung mehr, keine Regierung der Überzeugungen und der Mehrheitsentscheide mehr, sondern vielmehr eine Regierung der Ansichten und Nötigungen einer kleinen Gruppe dominierender Männer.
Woodrow Wilson (28. Präsident der USA – nach der Unterzeichnung des Federal Reserve Acts 1913)