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Erinnern Sie sich noch an den Weltuntergang 2012? Was für eine Pleite! Eine ganze Berufsgruppe, namentlich die der Endzeitprediger, stand vor dem Aus. Jahrelange Vorbereitungen waren vergebens, Anhänger kündigten die Mitgliedschaft. Aber was war geschehen? Wo waren die Apokalyptischen Reiter? DER ZEITSPIEGEL hat sich auf die Suche begeben und sie tatsächlich gefunden. Der 1. Reiter erklärte sich nun bereit, uns in einem Interview die näheren Umstände der verhinderten Endzeit zu erläutern.

Der Zeitspiegel: Herr...

Erster Reiter: ...nennen Sie mich einfach Erster Reiter.

Der Zeitspiegel: Herr Reiter, am 21.12.2012 erwartete ein nicht geringer Teil der Bevölkerung nicht nur hierzulande den Weltuntergang. Wie wir heute wissen, ist nichts dergleichen geschehen. Was ist schiefgelaufen?

Erster Reiter: Nun ja, eigentlich lief alles ganz gut. Die Pläne waren ausgearbeitet, das Konzept in sich stimmig und auch für die "After Show Party" war schon alles vorbereitet. In Deutschland sollte es beginnen. Bei der Einreise ging es aber dann schon los. Wir hatten alle keine gültigen Ausweispapiere und der Zollbeamte blieb trotz aller Erklärungsversuche stur. Die haben dann erstmal stundenlang rumtelefoniert. Richtige Namen haben wir ja nun auch nicht und mit "Reinheit und Gerechtigkeit", "Blut und Krieg", "Tod und Hunger" und "Furcht und Krankheit" konnten die nicht viel anfangen. Dann haben ausgerechnet die Gesundheitspapiere der Pferde gefehlt. Da kennen die ja mal gar keinen Spaß und die Gäule kamen sofort in Quarantäne.

Der Zeitspiegel: Sie meinen, der Weltuntergang ist an bürokratischen Hürden gescheitert?

Erster Reiter: Zunächst einmal ja. Wir warten hier jetzt seit Jahren auf die Ausstellung gültiger Papiere und einer vorläufigen Arbeitserlaubnis. Man hat uns aber schon angedeutet, dass das noch seine Zeit in Anspruch nehmen wird. Außerdem müssten wir uns nach Einreise alle 14 Tage bei den örtlichen Behörden melden, was unsere Arbeit natürlich ungemein erschwert. Wir sind auf einen fließenden Arbeitsablauf angewiesen. Außerdem arbeiten wir ja grenzüberschreitend. Wenn das jetzt an jeder Grenze so weitergeht, dann können wir echt einpacken.

Der Zeitspiegel: Warum haben sie nicht einfach ein Logistikunternehmen beauftragt?

Erster Reiter: Das haben wir ja versucht. Tiertransporte sind aber grundsätzlich schwierig, außerdem verweigerten die Speditionen den Transport von Waffen und Biokampfstoffen. Da war kein Fortkommen in Sicht. Also haben wir die Sache intern organisiert. Ist ja auch eine Frage der Kosten, nicht wahr.
 

Apokalyptische Reiter

Einreiseprobleme: Die Apokalyptischen Reiter

Der Zeitspiegel: Das Ausbleiben, bzw. die Verzögerung des Weltuntergangs ist inzwischen mit immensen finanziellen Einbußen seitens dem Ereignis zugeeigneten Sekten und Wanderpredigern verbunden, auch ihr Imageschaden ist nicht unbeträchtlich. Ist ihre Gruppe gegen eventuelle Schadensersatzansprüche versichert?

Erster Reiter: Sehen sie, unser Event-Konzept sah eigentlich kein Aufkommen von Regressansprüchen vor. Die jetzige Situation stellt uns vor ganz neue Herausforderungen. Juristisch gesehen bewegen wir uns hier auf ganz dünnem Eis und unsere Rechtsabteilung arbeitet auf Hochtouren an einer Lösung des Problems, dass wir so gar nicht einkalkuliert hatten.

Der Zeitspiegel: Zum Schluss noch die Frage: Wie vertreiben sie sich hier die Zeit?

Erster Reiter: Naja, wir spielen Karten. Schwarzer Peter, Mau Mau oder auch "Reiter, ärgere dich nicht". Hin und wieder sitzen wir da und spielen "Ich sehe was, was du nicht siehst und das geht bald unter", aber auf Dauer zieht sich die Zeit hier schon ein bisschen. Wenn man bedenkt, dass wir hier sind, um der Zeit ein Ende zu bereiten, ist das umso deprimierender. Das geht an die Berufsehre. Aber so richtig. Unser 2. Reiter war deswegen schon in therapeutischer Behandlung. Einen "Burnout" haben wir uns einfach ganz anders vorgestellt.

Der Zeitspiegel: Herr Reiter, wir danken für das Gespräch!