Welthunger: Ist Kannibalismus eine Lösung?

Anthropophagie: Nachtodliche Verwandschaftsverkostung auf dem Prüfstand.

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Missernten und Dürreperioden sorgen in vielen Landstrichen der Welt für geringe Erträge oder Ernteausfälle und treiben die Lebensmittelpreise in die Höhe. Es gibt jedoch Ressourcen, die aufgrund von Pietät, Ethik und Moral ungenutzt bleiben. Lothar Pangaster, Ernährungsexperte und Bestattungsunternehmer aus Neunfelden, erläutert die Vorteile der Anthropophagie.

Welthunger: Ist Kannibalismus eine Lösung?

Gewappnet: Logoentwurf der Schnellimbiss-Industrie für einen sogenannten "HB-Grill" (HB = Human Body)

Der Zeitspiegel: Herr Pangaster, Papua Neu-Guinea ist ein Ort, dem, neben anderen Regionen der Erde, bis heute – wenn auch klischeebehaftet – Kannibalismus nachgesagt wird. Sie vertreten die These, dass die Anthropophagie mittelfristig ein Mitel zur Lösung von Nahrungsmittelengpässen in der Dritten Welt darstellen könnte. Eine Haltung, die mit westlichen Vorstellungen von Ethik oder Moral nur schwerlich vereinbar ist.

Pangaster: Kannibalismus findet nicht mehr in dem Sinne statt, als dass er im Zusammenhang mit der Menschenjagd stehen würde. Es gibt lediglich Stämme, die einen Angehörigen nach dessen Tod an seinem ihm zu Ehren stattfindenden Festbankett teilhaben lassen – als Hauptmahlzeit. Auch in Deutschland gibt es eine Tradition, welche auf ähnliche Handlungen in der Vergangenheit schließen lässt – den Leichenschmaus.

Der Zeitspiegel: Diese Bezeichnung ist natürlich dem Namen nach widersprüchlich und eher als Metapher zu verstehen...

Pangaster: ...dessen vorzeitlichen Ursprung man nicht mittels der Umgangssprachgebräuchlichkeit relativieren sollte. Oder nehmen wir die Eucharistie...

Der Zeitspiegel: ...geschmacklos!

Pangaster: Die Hostie?

Der Zeitspiegel: Der Vergleich!

Pangaster: Hier bietet sich quasi jemand sogar zum Verzehr an!

Der Zeitspiegel: Auch eine Metapher, auch widersprüchlich...

Pangaster: ...ziemlich viele Widersprüche, finden Sie nicht!?

Der Zeitspiegel: Zurück zu ihrer These. Sie vertreten die Meinung, dass die nachtodliche Verkostung von Dahingeschiedenen den Welthunger entscheidend lindern und gar das ein oder andere Flüchlingsproblem aus der Welt schaffen könnte. Wie haben wir uns das vorzustellen?

Pangaster.Org: Allein in Deutschland sterben jährlich genügend Menschen, um ganze Ballungsräume mit Frischfleisch versorgen zu können. Die Sterblichkeitsrate ist in anderen Ländern bei weitem höher, wobei der allgemein vernachlässigte Vorteil dort im wesentlich attraktiveren, jugendlicheren Alter des Produktes zu verorten ist. Ordentlich zubereitet stellen ausgelebte Körper eine bis dato unangetastete und zudem beständig nachwachsende Ressource von unschätzbarem Nährwert dar. Leider neigen vor allem die westlichen Industrienationen zur Überproduktion und Verschwendung von Nahrungsmitteln. Stichwort Wegwerfgesellschaft.

Der Zeitspiegel: Allein die Vorstellung…

Welthunger: Ist Kannibalismus eine Lösung?

Kannibalismus mit Stil: Oma à l orange (mit Käse)

Pangaster: Betrachten wir die Sache doch mal auf nüchternem Magen: Sie haben ein von ihrem Kulturkreis vorgegebenes, festverzurrtes Bild vor Augen, dass ihnen den Konsum menschlicher Körper oder dessen Bestandteile erschwert. Hier bedarf es der behutsamen Aufklärung und respektvollen Zubereitung. Letztere ließe sich über das Fernsehen gut vermitteln. Kochshows erfreuen sich schließlich ohnehin großem Zuspruch.

Der Zeitspiegel: Sie meinen die kulinarische Zubereitung eines menschlichen Körpers vor laufenden Kameras?

Pangaster: Ja, warum nicht? Eine Lammkeule oder ein Kalbsfilet war Teil einer lebenden Kreatur, die sich gemeinhin auch lebendig großer Beliebtheit erfreut. Oder denken wir an Kaninchen, die werden sogar als Haustiere gehalten.

Der Zeitspiegel: Das ist doch wohl ein Unterschied, ob man ein Kaninchen oder Oma à l orange…

Pangaster: ...welcher Unterschied? Beides waren geliebte Wesen oder nicht?

Der Zeitspiegel: Das kommt auf die Oma an!

Pangaster: Sehen sie! Wir nähern uns dem Thema doch schon etwas entspannter an. Außerdem ist der Körper nach der industriellen Weiterverarbeitung weitestgehend anonymisiert.

Der Zeitspiegel: Es ist nur schwer vorstellbar, dass das Angebot in den Kühlregalen großen Anklang finden würde.

Pangaster: Nackensteak ist Nackensteak. Die Angabe von Herkunft, Haltungsbedingungen und Ernährung wäre völlig ausreichend.

Der Zeitspiegel: Was meinen sie: "Deutschland, Bodenhaltung, Vegetarier"? Man verbindet doch einen Menschen damit.

Pangaster: Das muss ja nicht von Nachteil sein. Qualität setzt sich durch und so könnte neben der klaren lokalen Zuordnung sogar die Namensnennung ein Grund für die Kaufentscheidung sein.

Der Zeitspiegel: "Familie Berger - Gutes aus dem Odenwald"?

Pangaster: Zum Beispiel!

Der Zeitspiegel: Herr Pangaster, wir danken für das Gespräch!

DER ZEITSPIEGEL hat sich nach dem Interview einmal umgehört und die Branche scheint gerüstet. Speziell auf dem Kochbuchmarkt warten erfolgversprechende Titel auf ihr Erscheinen. Unter anderem "Leckere Verwandschaft", "Köstliches aus Freunden", "Liebe geht durch den Magen" und "Schnitzeljagd - Lustige Kinderrezepte".

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