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Friedhelm Burghans ist völlig mit den Nerven runter. Schon seit Jahren bereitet er sich auf den für heute angenommenen Weltuntergang vor, hat seinen Job gekündigt, seiner Frau den Laufpass gegeben und den Hund an einer Autobahnraststätte ausgesetzt, seinen Stammtischdeckel bezahlt und sich mit seinem Lieblingsflanellhemd, einem Handtuch und zwei Tüten Erdnüsse in die Berge begeben, um dem Ende entgegenzusehen.

Weltuntergang: Maya Kalender

Schon heute Morgen hatte er so ein komisches Gefühl, dass die Dinge schief laufen könnten. Die Sonne erschien mit erschreckender Selbstverständlichkeit hinter dem Horizont, die Luft war klar und kalt war es auch nicht wirklich. Der Boden zitterte nicht, der Himmel teilte sich nicht, Flüsse flossen nicht bergauf, kein Endzeitgrollen schallte durch den Äther. Zu allem Überfluss krähte in der Ferne auch noch ein Hahn und klang dabei ziemlich vergnügt und muss kurz darauf zum täglichen Gruppensex übergegangen sein, ohne die Dramatik des heutigen Datums überhaupt in entferntester Weise zur Kenntnis genommen zu haben.

Friedhelm hat außer einer Flasche Cognac nichts dabei. Seit 9 Uhr ist der Mann am Trinken und versteht die Welt nicht mehr. Das Transistorradio verweigert katastrophale Meldungen, Hansi Hinterseer trällert von seinem inzestuösen Verhältnis zu seiner Mutter und der Börsenticker tickt ungeachtet möglicher terminaler Kursverluste fröhlich vor sich hin.

Sein Mobiltelefon klingelt. Es ist seine Frau. Sie geifert etwas von Idiot und Verlierertype. Auf einer Autobahnraststätte hat sie einen Hund aufgelesen, der dem eigenen sehr ähnlich sieht und außerdem ist sie jetzt mit seinem Ex-Vorgesetzten zusammen und sitzt gerade mit ihm in der ehemals gemeinsamen Stammkneipe und trinkt Champagner auf das neugefundene Liebesglück.

Friedhelm hat die Mayas eigentlich noch nie gemocht, überhaupt ist Südamerika nicht sein Ding, doch was noch viel schlimmer ist: Es ist noch da!

Wir wissen nicht, wie es Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser, heute ergangen ist. Aber sollten Sie einen guten Tag gehabt haben, spenden Sie Friedhelm und den zahllosen anderen Menschen, die heute auf das Bitterste enttäuscht wurden, einen kleinen apokalyptischen Gedanken. Den Rest werden Heerscharen von Therapeuten erledigen, die sich in den nächsten Tagen über ein starkes Anwachsen ihrer Klientel freuen dürfen.